MEDIZIN | 75 reicht, in 62 Fällen habe sie zwischen 90 und 94 Prozent gelegen. Allein Luxemburg und Portugal erreichten bei allen sieben Impfungen die Marke von über 95 Prozent. Belgien, Frankreich und Lettland gelang dies bei sechs der sieben Antigene. Schlusslicht ist laut Studie Rumänien, das bei allen Antigenen eine Durchimpfungsrate von weniger als 80 Prozent erreichte. Deutschland knackte die 95-ProzentMarke nur in zwei von sieben möglichen Fällen, und zwar bei der Masernund bei der Rötelimpfung (MCV-1 und RCV-1, siehe Grafik links). Diese Länder sind Spitzenreiter Über die 40-Jahres-Periode betrachtet wiesen der Auswertung zufolge 20 Länder bei vier oder mehr Impfungen positive Trends auf. Acht Länder erreichten dies für alle sieben Impfabdeckungen, das sind Griechenland, Irland, Lettland, Frankreich, Luxemburg, Malta, Portugal und Spanien. Fünf Länder – Belgien, Zypern, Deutschland, Ungarn und Italien – wiesen positive Entwicklungen für sechs verschiedene Durchimpfungsraten auf, während Dänemark, Estland und Litauen positive Entwicklungen in fünf Fällen schafften. Österreich, Kroatien, Slowenien und Schweden verzeichneten seit 1980 vier Positivtrends. Diese Staaten schnitten dagegen schlecht ab: Rumänien verbuchte bei allen sieben Impfquoten einen negativen Trend, die Niederlande und die Slowakei bei sechs Impfquoten. Bulgarien und Tschechien wiesen beide negative Trends bei fünf Impfquoten auf, während Polen negativ bei vier Impfquoten abschnitt. Die Trends je Impfung Die Forschenden betrachteten die Daten auch geordnet nach Impfungsart. Einen signifikanten Anstieg ermittelten sie für die dritte Dosis gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTP-3) bei neun der 27 EU-Länder, während sieben einen signifikanten Rückgang aufwiesen. Bei Hepatitis B (HEPB-3) legten 14 von 24 Ländern deutlich zu, bei drei ergab sich ein geringfügiger Rückgang. Die Trends bei Haemophilus influenzae Typ b (HIB-3) zeigten ein deutliches Plus bei den Anstiegen und zwar in 17 der 27 betrachteten Staaten. Bei der ersten Dosis gegen Masern (MCV-1) erzielten 13 von 27 Ländern einen Anstieg, in drei Ländern war das Gegenteil der Fall. Im Bereich der Pneumokokken-Impfung (PCV-3) waren unter den 24 Ländern, für die die entsprechenden Daten vorlagen, überwiegend Anstiege zu verzeichnen und nur fünf Rückgänge. Die Trends bei der Polioimpfung (POL-3) zeigten eine ausgewogenere Verteilung mit acht signifikanten Anstiegen und sechs signifikanten Rückgängen in 27 Ländern. Schließlich erfasste die Entwicklung bei der Rötelnimpfung (RCV-1) mit 16 von 27 überwiegend Anstiege. Alarmierend fanden die Forschenden, dass sich in 16 der 27 EU-Länder zuletzt bei mindestens vier der sieben untersuchten Impfindikatoren rückläufige Trends offenbarten und die Durchimpfungsrate zurückging. Die stärksten Verschlechterungen beobachteten sie in Bulgarien, Zypern, Irland, den Niederlanden, Rumänien und Schweden, die jeweils sieben rückläufige Trends verzeichneten. In Kroatien, Tschechien, Estland, Litauen und der Slowakei waren es jeweils sechs. In Deutschland und Spanien wurden fünf mäßig negative Entwicklungen registriert, in Belgien, Griechenland und Slowenien jeweils vier. Demnach erreicht Deutschland nur noch bei Hepatitis B und der ersten Dosis eines Masernimpfstoffs leicht steigende Zahlen. Frankreich, Italien, Lettland, Malta und Polen zeigten ein relativ ausgeglichenes Muster mit vier steigenden und drei rückläufigen Trends. Die Pflicht macht den Unterschied „Die geografischen Muster der Durchimpfungsrate innerhalb der EU spiegeln Unterschiede in der Impfpolitik und den Impfpraktiken wider, darunter auch die Rolle der Impfpflicht“, heißt es in der Studie. „Insbesondere Länder wie Belgien, Ungarn, Frankreich, Deutschland, Italien und Malta, die eine Form der Impfpflicht für Kinder eingeführt haben, weisen im Allgemeinen günstigere langfristige Trends bei der Durchimpfungsrate auf.“ Den in jüngster Zeit zu beobachtenden Negativtrend führen die Wissenschaftler auf das Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurück. So reflektiere der Rückgang ein komplexes Zusammenspiel politischer, wissenschaftlicher, sozialer und kultureller Dynamiken, die selbst in Ländern mit hohem Einkommen die Impfskepsis geschürt habe. Und weiter: „Der Aufstieg populistischer Bewegungen hat diese Situation weiter verkompliziert, da die politische Polarisierung das Vertrauen in die Impfpolitik und die entsprechenden Institutionen untergraben hat.“sth Die Studie: Villani L, Russo L, Causio F et al. Trends in childhood vaccination coverage in the European Union, 1980–2024: an ecological time-series study, The Lancet Regional Health – Europe, 2026; 0, https:// doi.org/10.1016/j.lanepe.2026.101834 zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1605) In der gesamten EU ist in jüngster Zeit eine besorgniserregende, weit verbreitete Verschlechterung der Impftrends zu beobachten. aus der Studie „Trends in childhood vaccination coverage in the EuropeanUnion, 1980–2024“ Impfstoffe nach 95-Prozent-Ziel HIB-3 13 POL-3 DTP-3 13 12 11 11 9 9 MCV-1 RCV-1 HEPB-3 PCV-3 Die Studie zeigt, in wie vielen der 27 untersuchten EU-Staaten ein Antigen im Jahr 2024 das für eine Herdenimmunität vorgegebene 95-Prozent-Ziel der WHO erreichte.
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