76 | ZAHNMEDIZIN STUDIE DER INTERNATIONALEN AGENTUR FÜR KREBSFORSCHUNG HPV verursachte 2024 rund 750.000 neue Krebsfälle Das humane Papillomavirus (HPV), das Kopf- und Halskrebs auslösen kann, war 2024 die zweithäufigste infektiöse Krebsursache weltweit, berichtet die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon. Sie koordiniert als Teil der WHO die Forschung zu den Ursachen von Krebs und entwickelt wissenschaftliche Strategien zur Krebsbekämpfung. Die neue Studie der IARC zeigt, dass im Jahr 2024 weltweit schätzungsweise 2,3 Millionen neue Krebsfälle durch Infektionen verursacht wurden – das sind etwa 12 Prozent aller neuen Fälle. Die Studie basiert auf Schätzungen zur Krebsbelastung aus der Datenbank des IARC Global Cancer Observatory. Die Analyse liefert das umfassendste und aktuellste Bild der mit Infektionen verbundenen Krebsbelastung. Sie umfasst zusätzliche Infektionserreger wie HIV und das Merkel-Zell-Polyomavirus sowie neu festgestellte Zusammenhänge zwischen Infektionen und Krebs. So bringen beispielsweise die jüngsten Erkenntnisse das Epstein-Barr-Virus (EBV) mit Magenkrebs in Verbindung. Fünf Infektionen sind für die meisten Fälle verantwortlich HPV war 2024 demnach für rund 750.000 neue Fälle bei mehreren Krebsarten verantwortlich. HPV-bedingte Kopf-Hals-Karzinome betreffen vor allem den Oropharynx – den hinteren Teil des Rachens, einschließlich der Mandeln und der Zungenbasis. Die Schätzung von 750.000 Fällen deckt alle HPV-zuordenbaren Krebsarten ab und nicht nur Kopf- und Halskrebs. „Die Ergebnisse unterstreichen die wichtige Rolle, die die Infektionskontrolle bei der Verringerung der globalen Krebslast spielen kann“, sagt Mitautorin Dr. Harriet Rumgay vom IARC. „Trotz Fortschritten bei Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen stellen infektionsbedingte Krebserkrankungen nach wie vor eine große globale Herausforderung dar, wobei die BelasFoto: megaflopp-stock.adobe.com zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1606) ADA LIVING GUIDELINE „ZAHNARZTBESUCHE KÖNNEN LEBEN RETTEN“ Die erste „Living Guideline“ der American Dental Association (ADA) bestätigt die klinische Untersuchung der Mundhöhle plus Biopsie als Goldstandard zur Erkennung und Bestätigung von Mundkrebs im Frühstadium. Sie bekräftigt, dass Zahnarztbesuche eine erste Verteidigungslinie gegen Mundkrebs darstellen und kommt zu dem Schluss, dass umfassende klinische Untersuchungen weiterhin der wichtigste erste Schritt sind, um frühe Anzeichen von Mundhöhlen- und Lippenkarzinomen zu erkennen. Wird eine Läsion festgestellt, bleibt die Biopsie das beste weitere Vorgehen und die einzige definitive Methode, um die Diagnose potenziell maligner Erkrankungen der Mundhöhle sowie von Plattenepithelkarzinomen der Mundhöhle und Lippe zu bestätigen. „Zahnarztbesuche können Leben retten“, betont Dr. Mark Lingen, D.D.S., Ph.D., Vorsitzender des Leitliniengremiums und Professor für Pathologie an der University of Chicago Medicine. Orale Karzinome könnten schwerwiegend sein, doch eine frühe Erkennung führe häufig zu besseren Behandlungsergebnissen. Die Leitlinie spricht sich grundsätzlich gegen den routinemäßigen Einsatz kommerziell verfügbarer zytologischer, lichtbasierter, vitalfärbender oder speichelbasierter Zusatzverfahren aus, wenn damit bei Erwachsenen mit sichtbaren Läsionen die Entscheidung über eine Biopsie oder Überweisung an Spezialisten unterstützt oder Patienten ohne sichtbare Läsionen gescreent werden sollen. Eine Zytologie kann in bestimmten Fällen geboten sein, wenn eine Biopsie, bei der ein größeres Gewebestück untersucht wird, nicht möglich, nicht ratsam oder nicht angezeigt ist – insbesondere bei Läsionen, die Anlass zur Sorge geben. Speichelbasierte Zusatztests werden ausschließlich für Forschungszwecke empfohlen. Eine sorgfältige Inspektion und Palpation von Mund, Kopf und Hals ist demnach ein routinemäßiger und wichtiger Bestandteil jedes Zahnarztbesuchs. Eine suspekte orale Schleimhautveränderung, die nach zwei bis drei Wochen nicht abgeheilt ist, sollte Anlass zur weiteren Abklärung geben. Die Leitlinie ist eine Aktualisierung einer klinischen Leitlinie aus 2017 zur Beurteilung potenziell maligner Erkrankungen. Gleichzeitig ist sie die erste Leitlinie, die vollständig im Rahmen des 2025 eingeführten „ADA Living Guideline Program“ entwickelt wurde. Solche kontinuierlich aktualisierten, evidenzbasierten Leitlinien halten die methodischen Standards klassischer Leitlinien ein, werden jedoch angepasst, sobald neue Evidenz vorliegt. Martins-Pfeifer C, Bhosale A, Urquhart O: Salivary adjunct tests to determine the need for biopsy for early detection of oral squamous cell carcinoma and potentially malignant disorders, The Journal of the American Dental Association, 2026; 0
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