Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 21

zm116 Nr. 21, 01.11.2026, (1664) 38 | TITEL zugrunde liegende Wissen vorhanden ist. Es gebe durchaus einen Zusammenhang zwischen der Angst vor dem Bewerbungsgespräch und der Bewertung des Gesprächs hinterher, gibt Handrock zu bedenken. „Studien haben aber auch gezeigt, dass zwischen dieser Angst vor dem Bewerbungsgespräch und der späteren Arbeitsleistung kein Zusammenhang besteht.“ Generell helfe es nicht, zum Bewerber zu sagen: „Seien Sie doch nicht so nervös!“ Auch Kommentare wie „Aufregung ist doch ganz normal“ führten eher zu einer Verstärkung als zu einer Verringerung der Erregung. Besser ist es laut der Expertin, die Gesprächsbedingungen konkret zu erleichtern. Danach wird weiterhin die berufliche Antwort bewertet, nicht die Fähigkeit, völlig entspannt zu erscheinen. Fazit Jedes Bewerbungsgespräch ist so individuell wie der Bewerber. Eine dramaturgische Logik kann laut der Expertin aber festgehalten werden: Orientierung -> konkrete Erfahrungen -> anspruchsvollere Aufgaben -> Prüfung der Praxis durch die Bewerberin -> gemeinsame Klärung offener Punkte. Dabei dürfe die Praxis nach einer guten Antwort durchaus kritisch nachfragen, sie müsse keinen durchgehend wohligen Gesprächsverlauf erzeugen. Umgekehrt müsse ein Bewerber eine vage Aussage über Supervision, Arbeitszeiten oder Vergütung hinterfragen dürfen, ohne dass dies als „schwierige Persönlichkeit“ bewertet wird, mahnt Handrock. Während des Gesprächs oder relativ kurz danach fällt in der Regel die Entscheidung, inwieweit ein weiteres Kennenlernen im Rahmen von Probearbeiten sinnvoll erscheint. „Menschen können sich ohne Weiteres ein paar Tage von ihrer Schokoladenseite zeigen. Erst im Rahmen der wirklichen Probezeit erkennt man dann, ob man zueinander passt oder nicht, sagt sie. Insofern gebe es auch keine „Zauberfragen“ oder Ähnliches, die einen genau erkennen lassen, wie jemand tickt. Praxen sollten sich noch etwas anderes verdeutlichen: Wenn sich Versprechungen aus dem Bewerbungsgespräch im Arbeitsalltag nicht bestätigen, kann das Vertrauen in die Praxis leiden und zu einem erneuten Stellenwechsel beitragen. „Das ist dann deutlich teurer, als wenn man etwas länger gesucht hat, bis man die geeignete Person gefunden hat. Denn jeder Wechsel frustriert das Team und verschwendet Einarbeitungszeit“, so die Expertin. Die Glaubwürdigkeit einer Praxis leide, wenn Bewerber feststellen, dass unangemessene Versprechungen gemacht wurden. Eine gute Atmosphäre soll einen echten Informationsaustausch ermöglichen. Die Struktur soll verhindern, dass Sympathie, Selbstdarstellung oder Nervosität mit beruflicher Eignung verwechselt werden. Und die Offenheit garantiert der Praxis wie dem Bewerber eine sorgfältige Entscheidung. LL Anmerkung: Für einen guten Lesefluss wurde das generische Maskulinum verwendet. UNSERE ERFAHRUNGEN IN BEWERBUNGSGESPRÄCHEN – BUENGER & MEIẞNER ZAHNHEILKUNDE „Die besten Bewerbungsgespräche sind nicht unbedingt die spektakulären“ „Eine der skurrilsten, aber zugleich sympathischsten Situationen hatten wir mit einem zahnärztlichen Kollegen, der tatsächlich mit einer kleinen Ukulele zum Bewerbungsgespräch erschien – und uns dann auch noch ein kleines Ständchen gespielt und gesungen hat. Das kam völlig unerwartet, hat die Situation aber sofort aufgelockert. Das Gespräch war insgesamt sehr offen, lustig und kollegial und ist uns bis heute in Erinnerung geblieben. Sicherlich nicht unbedingt etwas, was ich jedem Bewerber empfehlen würde, in diesem Fall hat es wunderbar zur Persönlichkeit gepasst. Das andere Extrem haben wir ebenfalls erlebt: Bewerber, die sich zum Gespräch zu uns setzen und weder den Namen der Praxis noch die Personen kennen, die ihnen gegenübersitzen. Wenn offensichtlich keinerlei Vorbereitung stattgefunden hat, ist das für uns schon ein sehr deutliches Signal. Ein Mindestmaß an Interesse am zukünftigen Arbeitsplatz sollte aus unserer Sicht einfach vorhanden sein. In einem solchen Fall ist die Entscheidung meist recht schnell gefallen. Die besten Bewerbungsgespräche sind gar nicht unbedingt die spektakulären. Häufig merkt man schon nach den ersten zwei oder drei Minuten, ob die Chemie stimmt. Wir legen sehr viel Wert auf ein familiäres und kollegiales Miteinander im Team. Und wenn man direkt merkt, dass man auf einer Wellenlänge liegt, entwickelt sich das Gespräch meist ganz automatisch weg vom klassischen Frage-Antwort-Schema hin zu einem echten gegenseitigen Kennenlernen. Wir hatten sogar schon Situationen, in denen wir eigentlich gar keine konkrete Stelle zu besetzen hatten, das persönliche Gespräch aber so gut gepasst hat, dass wir trotzdem einen Weg gefunden haben, die Person einzustellen. Was wir über die Jahre gelernt haben: Die schriftliche Bewerbung ist für uns nur der erste Eindruck. Auch ein Telefonat oder ein Videocall kann hilfreich sein – das persönliche Gespräch ersetzt das aber nicht! Die Körpersprache, der Blickkontakt, die Art, zuzuhören und miteinander zu kommunizieren, lassen sich erst im direkten Gegenüber wirklich beurteilen. Gerade in unserem Beruf, in dem die Kommunikation mit den Patienten und im Team eine zentrale Rolle spielt, ist das für uns inzwischen wichtiger als die Noten auf dem Zeugnis.“ Dr. Laura Buenger und Dr. Thomas Meiẞner, M.Sc., Buenger & Meißner Zahnheilkunde, Potsdam Foto: Buenger und Meißner

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