Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 14

zm 108, Nr. 14, 16.7.2018, (1644) Die 54-jährige Frau wurde mit einem histo- logisch gesicherten Ameloblastom des linken posterioren Oberkiefers durch einen nieder- gelassen Oralchirurgen an die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Mainz überwiesen. Anamnestisch war vor ungefähr sieben Mo- naten der nicht erhaltungswürdige Zahn 27 durch den Hauszahnarzt extrahiert worden, wobei dieser zusätzlich eine zystische Ver- änderung entfernt hatte. Die Patientin gab an, damals zunächst keine Schmerzen ge- habt zu haben. Auch habe es zu diesem Zeitpunkt keine Komplikationen bei der Wundheilung gegeben. Fünf Monate später habe die Patientin dann bemerkt, dass sich im linken Oberkiefer immer wieder Speise- reste ansammelten und sich immer wieder Sekret entleerte. Besorgt habe sie sich bei ihrem Zahnarzt vor- gestellt, der in Regio 27 eine persistierende Mund-Antrum-Verbindung entdeckte. Nach zwei- bis dreiwöchiger Spülung sei sie zur Deckung an einen niedergelassenen Oral- chirurgen überwiesen worden, der aus der beschriebenen Region bei unruhigen Wundverhältnissen eine Probe zur histolo- gischen Analyse entnahm und anschließend den plastischen Verschluss unternahm. In der histologischen Analyse stellten sich An- teile eines teils soliden basaloiden, teils plexiformen Ameloblastoms dar. Als sich die Patientin an der Universitäts- medizin vorstellte, erfolgte primär die Anfer- tigung einer Computertomografie (CT) des Kopfes mit Kontrastmittel, in der sich eine vollständige Verschattung der linken Kiefer- höhle sowie eine apikale Transluszenz an Zahn 26 darstellte (Abbildung 1). Die Allgemein- und Familienanamnese der Patientin war bis auf eine medikamentös eingestellte Hypothyreose unauffällig. Extra- oral bestand kein auffälliger Befund, insbe- sondere keine Druckdolenz oder Nervdefizit über der Kieferhöhle links. In Regio 27 zeigte sich eine Mund-Antrum-Verbindung nach frustranem Deckungsversuch, aus der sich seröse Flüssigkeit entleerte (Abbildung 2). Der Zahn 26 reagierte negativ auf Perkussion und war avital. Nach sorgfältiger Aufklärung erfolgte die Resektion des Befunds in Intu- bationsnarkose. Folgend auf die Extraktion des Zahnes 26 (Abbildung 3) wurde eine Kastenresektion der linken Maxilla von distal des Zahnes 25 bis in den Tuberbereich bei makroskopischem Einhalten eines Sicher- heitsabstands von 0,5 cm durchgeführt. Das narbig anmutende Gewebe in der Kieferhöhle wurde ausgeschält und en bloc mit dem Oberkieferresektat entfernt (Abbildung 4). Der Knochen wurde hier belassen, da er klinisch und radiologisch nicht infiltriert war. Der Defekt wurde mit einer lokalen Lappen- plastik gedeckt (Abbildung 5), eine vorab angefertigte Verbandsplatte zum Wund- schutz eingegliedert. Die abschließende Der besondere Fall mit CME Ameloblastom füllt ganze Kieferhöhle aus Payam Hosseinkhah, Elisabeth Goetze, Stephan Macher-Göppinger, Peer W. Kämmerer Eine Patientin stellte sich in der MKG-Chirurgie Mainz vor: Bei einer nicht heilenden Extraktionswunde hatte der Oralchirurg zuvor eine Probe genommen und ein Ameloblastom festgestellt. In der Diagnostik zeigte sich, dass dies bereits bis an den Orbitaboden und die Nase heranreichte. Kliniker präsentieren Fälle mit hohem diagnostischem Schwierigkeitsgrad. Fotos: Kämmerer 44 Zahnmedizin

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