Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 10

zm112, Nr. 10, 16.5.2022, (974) NHS IN ENGLAND Kinder ohne Zahnarzt In Großbritannien haben Grundschullehrer offenbar Wohltätigkeitsorganisationen darum gebeten, Kindern Zugang zur zahnärztlichen Versorgung zu verschaffen. Insgesamt 12,5 Millionen Behandlungen für Kinder sind seit dem Lockdown bereits ausgefallen, rügt die British Dental Association (BDA). Die BDA bezieht sich auf Veröffentlichungen der BBC, wonach sich Lehrer der TrinityAcademy-Grundschule in Calderdale an die örtlichen Behörden gewandt hatten, da es vor Ort keine Zahnarztpraxen gibt, die eine NHS-Versorgung der Schulkinder anbieten können. Die Behörden beauftragten laut BBC daraufhin Dentaid, die Schüler zu untersuchen und zu behandeln. Zuvor hatte die Wohltätigkeitsorganisation im Rahmen eines zweiwöchigen Besuchs bereits 80 Kinder behandelt, unter anderem wegen Karies, abgebrochener Zähne und Abszessen. DURCH DIE PANDEMIE DROHT NOCH MEHR KARIES Viele dieser Kinder haben der BDA zufolge seit dem Ausbruch der Pandemie keinen Zahnarzt mehr gesehen, was sich sowohl auf deren Gesundheit als auch auf deren Lernfähigkeit auswirkt. Die BDA weist darauf hin, dass seit der Schließung allein in England über 40 Millionen NHS-Termine ausgefallen sind – das entspricht dem Wert von über einem Jahr Zahnbehandlungen in normalen Zeiten, darunter waren über 12,5 Millionen für Kinder. Angesichts der anhaltenden Aussetzung der zahnärztlichen Versorgung und der öffentlichen Gesundheitsprogramme warnen Experten, dass sich infolgedessen die Ungleichheit im Bereich der Mundgesundheit unweigerlich vergrößern werde. In der Konsequenz bedeute dies, dass die Patienten umfangreichere, zeitaufwendigere und kostspieligere Eingriffe benötigten. Karies ist in Großbritannien seit Langem der häufigste Grund für Krankenhauseinweisungen bei Kleinkindern. Gegenwärtig arbeiten die Praxen der BDA zufolge aufgrund der anhaltenden Pandemiebeschränkungen immer noch deutlich unter ihrer Kapazität. Zugangsprobleme sind jedoch schon seit einer Generation die Regel: Seit 2006 sind Zahnärzte gezwungen, nach einem weithin diskreditierten NHS-Zielvertrag zu arbeiten, bei dem die Praxen eine bestimmte Menge an Leistungen erbringen müssen. „Dieses perverse System zahlt Zahnärzten den gleichen Betrag für eine Füllung wie für zehn und hat zu Problemen bei der Einstellung und Bindung von Zahnärzten geführt“, kritisiert die BDA. DER EXODUS DER ZAHNÄRZTE HAT LÄNGST BEGONNEN So gibt es keine langfristige Finanzierung, um die Sanierung und Reform des NHS zu fördern. Es gibt zwar eine Zusage der Regierung über 50 Millionen Pfund für bis zu 350.000 Foto: Adobe Stock_heriyusuf Blendend weiß, doch der NHS strahlt nicht mehr: Viele Zahnärzte fordern zügige Reformen, um Schulkindern einen besseren Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung zu ermöglichen. 56 | GESELLSCHAFT

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