20 | POLITIK US-LANGZEITSTUDIE ENTKRÄFTET IQ-DEBATTE Natürlich macht Fluorid nicht dumm! Im Gegenteil. Wie hängt die Fluoridexposition im Kindesalter mit den späteren kognitiven Fähigkeiten zusammen? Eine US-Langzeitstudie widerlegt die Behauptung, dass die systemische Trinkwasser-Fluoridierung den IQ beeinträchtigt. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zählen die Trinkwasser-Fluoridierung zu den zehn wichtigsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit des 20. Jahrhunderts. Doch obwohl es eindeutige wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass die Fluoridierung des Trinkwassers die Mundgesundheit von Kindern und Erwachsenen verbessert, wird die Sicherheit dieser Maßnahme in den USA seit 80 Jahren – seit Grand Rapids in Michigan 1945 als erste Stadt ihr Trinkwasser fluoridierte – immer wieder diskutiert. Getriggert von Verschwörungstheorien kreist die aktuelle Debatte um die Frage, ob Fluorid den IQ von Kindern mindert. Befeuert wird dieser Diskurs vor allem durch eine im Januar 2025 veröffentlichte Metaanalyse von Kyla W. Taylor, die einen Zusammenhang zwischen systemischer Fluorid-Exposition bei Kindern und einem messbaren Rückgang des IQ herstellt. In vielen Bundesstaaten und Kommunen wird diese Studie als Argument für eine Einschränkung der Trinkwasserfluoridierung angeführt. Denn die Kritiker der Trinkwasser-Fluoridierung behaupten unter Berufung auf diese Ergebnisse, dass die Nachteile der Trinkwasser-Fluoridierung ihre Vorteile für die Mundgesundheit überwiegen. Warum die bisherigen Studien nicht aussagekräftig sind Wie die Forschenden um John Robert Warren jetzt herausgearbeitet haben, modellierten indes fast alle von Taylor et al. berücksichtigten Studien die Folgen einer Fluoridexposition auf den IQ bei Konzentrationen, die ein Vielfaches über den im öffentlichen Trinkwasser der USA gemessenen Werten lagen. Selbst die Vergleichsgruppen mit „geringer Belastung“ in den untersuchten Studien wiesen demnach deutlich höhere Fluoridkonzentrationen auf als fast überall in den USA – in vielen der berücksichtigten Arbeiten waren sie so hoch, dass Kinder Anzeichen einer Fluorose zeigten. Der Fluoridgehalt im Trinkwasser wurde 2015 von 1,2 mg/Liter auf die aktuell in den USA empfohlene Konzentration von 0,7 mg/Liter gesenkt. Ein Team um Taylor fand zwar einen starken inversen Zusammenhang zwischen der Fluoridbelastung und dem IQ von Kindern, wenn die Fluoridkonzentration im Trinkwasser 1,5 mg/Liter überstieg. Ihre Ergebnisse für Konzentrationen unter 1,5 mg/Liter waren jedoch nicht signifikant. „Selbst dieser Schwellenwert von 1,5 mg/l liegt im oberen Bereich der Verteilung der Fluoridbelastung in den USA“, schreiben die Forschenden. „Daher sind die in Taylor et al. berücksichtigten Studien im Wesentlichen nicht relevant für das Verständnis der Auswirkungen einer Fluoridbelastung des Trinkwassers auf die kognitive Entwicklung von Kindern in den USA.“ „Keine der von Taylor et al. berücksichtigten Studien wurde mit Kindern in den USA durchgeführt; keine verwendete national repräsentative Daten; und die meisten untersuchten extrem arme, ländliche Bevölkerungsgruppen in China, Indien, Mexiko oder dem Iran“, resümieren die Autorinnen und Autoren. Das gilt auch für die Metaanalyse aus dem Jahr 2023 Foto: Artfully.ai-stock.adobe.com zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2062)
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=