20 | POLITIK zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (210) Frau Dr. Ermler, wo sehen Sie die größten Herausforderungen in Ihrer Amtszeit? Dr. Romy Ermler: Vorab: Wir stehen vor ein bis zwei Schlüsseljahren in der Gesundheitspolitik. Die Politik hat sich vor dem Hintergrund der vielen Baustellen auch einiges vorgenommen – hier müssen wir unsere Schwerpunktthemen intelligent und nachhaltig einbringen. Ganz klar, dazu gehört die GOZ beziehungsweise die Anpassung des Punktwerts. Wichtig ist, dass dem Thema die dringende Notwendigkeit seitens der Politik überhaupt einmal zuerkannt wird. Das ist so ein dickes Brett! Wir dürfen nicht zulassen, dass die GOÄ als Blaupause dient – die systemischen Unterschiede sind zu groß. Und was für die Ärztinnen und Ärzte gut funktioniert, muss nicht für unsere Kolleginnen und Kollegen gut sein. Welche Themen sehen Sie noch? Den Bürokratieabbau, die Fachkräftesicherung und die Zukunft der Sozialversicherungssysteme. Die holprige Digitalisierung bleibt sicher auch ein Dauerbrenner. Bei der aktuellen Diskussion über die Sozialversicherungssysteme müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass die gesetzliche und die private Krankenversicherung als „duales Krankenversicherungssystem“ ein synergistisches Neben- und Miteinander führen: Was in der GKV ist, ist nicht in der PKV und umgekehrt. Wir sind aktiv in die vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Kommission zur Finanzierung der GKV eingebunden. Die erste Anhörung fand bereits Anfang Januar statt. Dort benötigen wir ausgewogene Lösungen, die einerseits unnötige Kosten in der GKV minimieren, ohne andererseits die Erfolge der Prävention zu gefährden. Auch hier muss man der Politik klarmachen, dass die Zahnärzteschaft kein Kostentreiber ist. Ganz im Gegenteil. Mit dem Ausgliedern zahnmedizinischer Leistungen aus der GKV wäre dieser Spagat nicht sicherzustellen. Sie erwähnten bereits die Novellierung der GOZ. Wie bringt man der Politik bei, dass die neue GOÄ nicht eins zu eins auf die Zahnmedizin übertragbar ist? Man muss deutlich machen, dass die Zahnmedizin viele individuelle Leistungen und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufweist, die eine flexible Abrechnung erfordern. Der in der Zahnmedizin übliche Steigerungsfaktor ermöglicht eine faire Anpassung an den Aufwand und die Patientenbedürfnisse. Hier gibt es gravierende Unterschiede zur Medizin, die berücksichtigt werden müssen. In der Zahnmedizin muss der Steigerungsfaktor sehr viel genutzt werden, in der Medizin hingegen selten. Gerade das sehr patientenindividuelle zahnärztliche Leistungsspektrum mit seiner Vielzahl von Behandlungsalternativen lässt sich mit einer Festgebühr nicht transparent abbilden. Daher kann die GOÄ nicht direkt auf die Zahnmedizin übertragen werden; die GOZ braucht eigene, zahnmedizinisch passende Regelungen. Eine sogenannte Zuckersteuer wird in Deutschland nach wie vor kontrovers diskutiert. Gerade bei den konservativen Partien regt sich Widerstand, weil sie befürchten, dass die Menschen eine solche Maßnahme als Gängelung empINTERVIEW MIT BZÄK-PRÄSIDENTIN DR. ROMY ERMLER „Berufspolitik ist wesentlich intensiver geworden“ Die gesundheitspolitische Agenda für Dr. Romy Ermler ist lang. Dass sie die erste Frau an der Spitze der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) ist, spielt für sie eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist für sie, der Politik verständlich zu machen, dass GOÄ und GOZ nicht identisch sind – und dass Zahnärztinnen und Zahnärzte viel lieber behandeln als verwalten.
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