Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (604) 34 | TITEL Haben Sie ein Beispiel? Das MRT ist ja bekanntlich stark in der Weichgewebsdiagnostik. Was dabei oft noch unter dem Radar bleibt ist, dass wir perspektivisch auch eine Hartgewebsdiagnostik machen können. Im Röntgen erscheinen Dentin und Schmelz unifarben hell. Aber die Gewebe unterscheiden sich chemisch und physikalisch, und so werden wir in Zukunft differenzierend ins Gewebe hineinschauen können. Welche klinische Relevanz das entwickeln wird, bleibt abzuwarten, auf jeden Fall könnte es für die Forschung interessant sein. Ein anderes Beispiel wären Frontzahntraumata. Da gibt es Fälle, in denen ein Zahn desensibel, aber nicht devital ist. Desensible Zähne werden normalerweise Wurzelkanal-behandelt, aber möglicherweise ist das gar nicht nötig, weil der Zahn doch noch vital ist. Im Röntgen sehen Sie nichts, aber im MRT können Sie sehen, ob in der Pulpa Blut fließt oder nicht. Sie bekommen also Informationen, die vorher nicht zugänglich waren. Wenn das die Leute erst einmal verstanden haben, dann kann es beispielsweise in der Traumaversorgung und in der Endodontie noch sehr spannend werden. Generell zeigt das MRT Informationen zum Stoffwechsel im Hartgewebe – nicht nur im Zahn, auch im Knochen, was in der Chirurgie beispielsweise beim Beurteilen von Schmerzen hilfreichist. Kann das MRT auch Relevanz für die Parodontologie entwickeln? Für die Parodontologie ist das MRT – zumindest aktuell noch – kein Topthema, weil die Klinik sowohl in der Diagnostik als auch bei der Therapie sehr mit der Bildgebung korreliert und ich aktuell keinen echten Zusatznutzen erkennen kann. Natürlich sehen wir die Entzündung und das Knochenmarködem im MRT und nach der parodontologischen Behandlung sehen wir, wie beides zurückgeht. Aber das korreliert mit den klinischen Parametern – wenn es auf Sondierung nicht mehr blutet, war der Parodontologe erfolgreich. Da braucht es kein Bestätigungssiegel durch das MRT. Gesetzt den Fall, das MRT wäre eines Tages allzeit günstig verfügbar. Wäre es sinnvoll, es als Screeninginstrument, als eine Art Eingangsuntersuchung zur jährlichen Kontrolle einzusetzen? Prinzipiell könnte man das durchaus ins Auge fassen, wenngleich sich eine klinische Untersuchung dadurch natürlich nicht ersetzen lässt. Aber das MRT gilt als nebenwirkungsfrei und so ist es natürlich spannend, über ein Screeningszenario nachzudenken. Mit demRöntgenistdasjanichtmöglich.In puncto Parodontitis könnte man Entzündungen frühzeitig erkennen. Karies unter Kunststofffüllungen könnte man wahrscheinlich identifizieren, aber wenn irgendwo Metall in der Nähe ist, haben wir Artefakte. Nützlich wäre das Screening zweifellos, um etwaige, noch nicht bekannte Befunde im Kieferknochen, in den Weichteilen und im Nebenhöhlenbereich zu erkennen. Die Möglichkeit, strahlenfrei in den Körper zu schauen, dürfte doch auch für die zahnmedizinische Forschung interessant werden? Ja, das ist ja das Tolle an der MRT: Niemand genehmigt heute Studien mit Röntgenverlaufsaufnahmen – wegen der Dosis. Beim MRT gibt es diese Limits nicht. Das heißt, wir können jetzt Verlaufsstudien mit der Bildgebung machen, die bisher gar nicht möglich waren. Und das bietet uns die Möglichkeit, bestimmte Befunde oder bestimmte Erkrankungen im Kieferbereich viel enger nachzuverfolgen. Wie kommt das MRT nun in die Zahnmedizin? Stichwort Geschäftsmodell MRTDiagnostik: Ist es denkbar, dass das Dental-MRT in zwei, drei Jahren auch in Diagnostikzentren betrieben wird und Praxen Patienten dorthin schicken können. Genau das ist das Szenario, das früher oder später kommen wird. Solche Zentren können den Bedarf vieler Praxen in einem Ballungsraum gut bündeln und im Routinebetrieb kostendeckend arbeiten. Das funktioniert ja mit anderen Großgeräten auch schon heute. Die Frage ist dann nur noch, ob die Aufnahme im Zentrum befundet werden soll oder ob der Zahnarzt das selbst tun will. Letzteres wäre optimal, weil die Vorteile des Teilradiologen – die synoptische Beurteilung von Klinik und Bildgebung in einer Hand – zum Tragen kommen könnten. Wichtig ist natürlich, dass Zahnärzte sich vorher entsprechend die Kompetenz dazu aneignen. Damit sind wir beim Thema Fortbildung. Sie haben in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Bildgebung in der Zahnmedizin (AGBiZ) und der Bundeszahnärztekammer ein Fortbildungscurriculum entwickelt und mit zahnärztlichen Röntgenexperten getestet. Wir haben den Kurs auf insgesamt 40 Stunden konzipiert, fünf Tage à acht Stunden. Zwei Tage finden online statt, drei in Präsenz. Da sind die Gerätetechnik, die Software, die Kontraindikationen und viele, viele Bildbeispiele dabei. Analog zu den Fortbildungen zum DVT, die ja als Mischung aus Technik und konkreter Anwendung konzipiert sind. Der Kurs wurde im Kreis der AGBiZ der DGZMK (www.agbiz.org) in 2025 als Pilotkurs erprobt und wird in diesem Jahr noch unter dem Titel „Curriculum Fachkunde dentale MRTBildgebung“ gemeinsam mit der APW der DGZMK angeboten. Das Gespräch führte Benn Roolf. Prof. Dr. Dr. Stefan Haßfeld (Mitte) mit seinem Team Prof. Dr. Dr. Lars Bonitz (r.) und PD Dr. Dr. Ákos Bicsák, M.Sc. M.Sc. am Dental-MRT-Gerät Foto: zm/br

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