TITEL | 33 Gibt es Abstriche, die bei der MRT gegenüber dem Röntgen gemacht werden müssen? Das MRT ist im Handling immer noch zeitaufwendiger und damit viel teurer. Und technisch gesehen gibt es noch Abstriche bei der Ortsauflösung. Während wir bei Zahnaufnahmen bei einer Auflösung von bis zu 0,05 Millimetern sind und beim Panoramabild und beim DVT bei rund 0,2 bis 0,3 Millimetern stehen, liegt die Auflösung beim Dental-MRT konservativ betrachtet bei etwa 0,5 Millimetern. Dünne Wurzelkanäle lassen sich also nicht sinnvoll darstellen. Hier erwarten wir allerdings im Zuge der Produktentwicklung weitere Verbesserungen. Ein großes Problem des MRT im Allgemeinen sind Metallartefakte. Der Effekt ist aber von der Feldstärke abhängig, so dass Niederfeld-MRTs wie das Dental-MRT kleinere Artefaktvolumina zeigen als Geräte mit 1,5 oder 3 Tesla Feldstärke. Dennoch stören beispielsweise Retainer die MRT-Bilddarstellung deutlich – im Unterschied zu Zahnfilmen. Wofür setzen Sie in der MKG-Chirurgie die MRT ein? Wir machen klassischerweise schon seit vielen Jahren die ganze Weichgewebsdiagnostik, also beispielsweise Speicheldrüsen, muskuläre Darstellungen oder Kiefergelenksdarstellungen, imMRT. Bei uns geht es also weniger um einen Technologiewechsel in der Bildgebung, sondern um einen anderen Vorteil: Das Dental-MRT gibt uns die Möglichkeit, die Patientensituation synoptisch zu beurteilen – von der Anamnese über den Befund bis zur Therapie. Es ist der klassische Vorteil des Zahnarztes als Teilradiologe, die Bildgebung im Kontext seiner klinischen Diagnostik und Therapie interpretieren zu können. Der Radiologe kennt nur die Bilder und muss in seinem Urteil immer vorsichtig bleiben. Der zahnärztliche Teilradiologe kennt dagegen den ganzen Patienten. Wo genau entsteht in der Arbeitsteilung zwischen Arzt und Radiologe so ein feingliedriger Informationsverlust? Nehmen Sie nur die Frage, ob ein Zahn ursächlich für Veränderungen im Weichgewebe ist. Da gibt es die sonnenklaren Fälle, wenn ein Radiologe sagt: „Da ist nichts“, oder wenn er sagt: „Da ist eine ausgedehnte Entzündung“. Diese Fälle sind unproblematisch, aber es gibt eben auch die anderen Fälle, in denen der Radiologe rein aus den Bildern heraus nur sagen kann: „Vielleicht ursächlich“, der Zahnarzt sich aber aus der Kenntnis der Gesamtsituation festlegen kann. Der Radiologe hat die Klinik nicht. Genau. In großen Häusern wie bei uns in der Universitätsmedizin kann ich in Einzelfällen noch mit dem Radiologen sprechen – aus einer Zahnarztpraxis heraus geht das aber nicht so einfach. Die Zahnärzte in den Praxen werden aber auf absehbare Zeit gar nicht die Möglichkeit haben, sich ein MRT-Gerät in die Praxis zu stellen. Das müssen sie auch gar nicht. Um die Vorteile der synoptischen Beurteilung zu bekommen, brauchen Sie kein eigenes Dental-MRT, denn die Erstellung der Bilder funktioniert dank der verwendeten Sequenzen vollautomatisch standardisiert – das kann also an Dienstleister ausgelagert werden. Wichtig ist, dass Zahnärzte die Bilder selbst befunden können, so wie sie es heute mit der Röntgenbildgebung auch tun. Praxisinhaber sollten also zunächst einmal weniger auf die Hardware schielen, sondern die MRT-Fortbildung in den Blick nehmen? Ja, richtig. Je mehr Geräte perspektivisch in Betrieb genommen werden, desto mehr MRT-Bilder werden von den Patienten gemacht und in Umlauf kommen, wenn der Patient einmal den Behandler wechselt. Das wird nach und nach den Druck aufbauen, sich mit der Befundung zu beschäftigen. Ich bin der festen Überzeugung, dass der zahnärztliche Teilradiologe in fünf bis zehn Jahren eine MRT-Kompetenz erworben haben sollte. Werden die Hersteller diese Entwicklung mitgehen? Siemens ist zwar Weltmarktführer bei den MRT-Installationen, aber sie sind nicht allein auf dem Markt. In einem von teuren Großgeräten dominierten Markt gibt es ganz natürlich einen Druck in Richtung Kostensenkung, Verkleinerung und Spezialisierung – das spricht dann strategisch neue Kundengruppen an und ist eine Chance für alle Akteure. Es gibt ja schon Kleingeräte für die Extremitäten, etwa fürs Knie oder fürs Handgelenk. Die passen locker in einen Praxisraum … Der italienische Hersteller Esaote bietet solche Geräte für Orthopäden an. Platzbedarf: neun Quadratmeter, Strombedarf: ein Kilowatt Leistung aus der normalen Steckdose – das ist weniger als ein handelsüblicher Elektroheizer. Und Spulen für Handgelenk, Knie und Knöchel. Ist das eine Blaupause für die Zahnmedizin? Ja natürlich – der Trend ist da und diese Entwicklung wird sich auch nicht aufhalten lassen. Das MRT wird das Röntgen zwar nicht ersetzen, aber in der Zukunft eine sehr starke Rolle in der Bildgebung spielen. Gibt es denn bereits eine Vorstellung davon, was in der Zukunft mit dem MRT in der Zahnmedizin alles möglich sein wird? Mit dem MRT haben Sie durch theoretisch beliebig viele Kombinationen aus elektromagnetischer Anregung und Signalverarbeitung in Sensoren und Software eine unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten, unterschiedliche Gewebeeigenschaften durch Kontraste herauszuarbeiten. Da steckt ein enormes Potenzial in der Technologie, das im Detail noch gar nicht in Gänze absehbar ist. zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (603) Es ist der klassische Vorteil des Zahnarztes als Teilradiologe, die Bildgebung im Kontext seiner klinischen Diagnostik und Therapie interpretieren zu können. Der Radiologe kennt nur die Bilder und muss in seinem Urteil immer vorsichtig bleiben. Der zahnärztliche Teilradiologe kennt dagegen den ganzen Patienten.
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