44 | TITEL zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (614) erst bei reduzierten Artefakten korrekt beurteilen. Vom Signal zur Diagnose Mit dem Verständnis der Bildgenerierung der MRT wird der konzeptionelle Unterschied zur röntgenbasierten Bildgebung greifbar. Das DVT und das CT stellen die Frage: Ist Struktur zerstört? Sie sehen die Architektur des mineralisierten Gewebes anhand der Dichte — präzise, hochauflösend, unverzichtbar für viele Fragestellungen. Das dentale MRT stellt eine andere Frage: Ist das Gewebe biologisch verändert? Mit der Antwort darauf sind klinische Fragestellungen häufig früher zu klären als im Röntgen. Die Medikamenten-assoziierte Osteonekrose des Kiefers etwa zeigt im Frühstadium eine T1-Signalreduktion im Knochenmark und eine T2-Signalsteigerung durch das Ödem, bevor im CT eine einzige kortikale Destruktion erkennbar ist. Periimplantäre Entzündungen manifestieren sich als Signalveränderungen im umgebenden Gewebe, bevor der Knochen sichtbar abbaut. Am Kiefergelenk werden Diskus, Gelenkerguss und retrodiscale Entzündungsreaktionen in einer Weichgewebsauflösung dargestellt, die kein röntgenbasiertes Verfahren erreicht. Die zusätzliche Entwicklung einer dentalen Empfangsspule, die nah an den zu untersuchenden Bereich herangeführt werden kann, neuartige Messtechniken und Rekonstruktionsverfahren wie Compressed Sensing führen zusammen mit dem verstärkten Einsatz von KI auch bei niedrigerer Feldstärke zu Bildern mit diagnostischer Qualität. Zudem werden in den ddMRT-Workflows gezielt für die fachspezifische Befundung nicht benötigte Bildbereiche ausgeblendet. Somit ist eine zahnmedizinische Übersichts-Bildgebung inklusive Entzündungsdiagnostik in weniger als zehn Minuten möglich. Der Unterschied ist nicht graduell, er ist konzeptionell: Röntgen zeigt das Ergebnis, MRT zeigt den Prozess. KOMBINATIONEN VON REPETITIONSZEIT (TR) UND ECHOZEIT (TE) Gewichtung TR TE Klinische Aussage eines hyperintensen Signals T1 kurz kurz Anatomie, Fett, Mark T2 lang lang Ödem, Entzündung PD lang kurz Protonendichte Tab. 1 Quelle: Bonitz INDIKATIONEN FÜR DIE MRT-BILDGEBUNG IN DER ZAHNMEDIZIN Mit der präzisen Darstellung und Differenzierung von anatomischen Strukturen einschließlich des Weichgewebes bietet die MRT viele weitere Einsatzmöglichkeiten in der Zahnheilkunde. Jede Anwendung in der Diagnostik sollte jedoch streng auf die klinische Relevanz abgestimmt sein. Ebenso wie die DVT sollte auch die MRT-Bildgebung nur eingesetzt werden, wenn tatsächlich therapierelevante Informationen zu erwarten sind. Kiefergelenk (CMD): Goldstandard zur Darstellung des Discus articularis, der Gelenkergüsse und entzündlicher Veränderungen – dynamisch und ohne Strahlenbelastung Entzündliche Erkrankungen: Osteomyelitiden, Abszesse und Weichteilinfektionen sowie Parodontitis lassen sich frühzeitig und präzise diagnostizieren, insbesondere durch T2- und Fett-unterdrückte Sequenzen. Tumoren und Raumforderungen: exzellente Weichteilkontrastierung, sichere Abgrenzung und Beurteilung der Infiltrationstiefe, sichere Differenzierung von AV-Malformationen Trauma und Knochenmarkveränderungen: Nachweis okkulter Frakturen über Knochenmarködeme – oft sensitiver als CT oder Röntgen Dentale Diagnostik: endodontologische, parodontologische und kieferorthopädische Diagnostik sowie Aussagen zur Struktur und zur Beschaffenheit der Zahnhartsubstanz Implantplanung: Mit einer exzellenten Darstellung von Knochen, Nervstruktur, Gingiva, Mukosa und Kieferhöhlenschleimhaut lässt sich eine Planung hochpräzise ohne ionisierende Strahlung durchführen. PD Dr. Dr. Ákos Bicsák, M.Sc. M.Sc. FEBOMFS Klink für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH Münsterstr. 240, 44145 Dortmund Foto: Klinikum Dortmund Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Stefan Haßfeld Klink für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH Münsterstr. 240, 44145 Dortmund Foto: Klinikum Dortmund gGmbH Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Lars Bonitz, M.Sc. FEBOMFS Klink für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH Münsterstr. 240, 44145 Dortmund Foto: Klinikum Dortmund
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