46 | TITEL MRT IN DER ZAHNMEDIZIN Das dentale MRT in der Diagnostik der Kieferosteonekrose Lars Bonitz, Stefan Haßfeld, Ákos Bicsák Die Früherkennung von Pathologien und Erkrankungen ermöglicht fast immer ein weniger invasives therapeutisches Vorgehen. Bei Kieferosteonekrosen kann die Bildgebung mit dentaler MRT-Technologie inflammatorisch-nekrotische Prozesse bereits vor der röntgenologisch sichtbaren Knochendestruktion identifizieren. So können Patienten zum frühestmöglichen Zeitpunkt behandelt werden, wie dieser Patientenfall zeigt. Die Osteonekrose des Kiefers (ONJ) entsteht, wenn das Knochenmark seine vaskuläre und regenerative Kapazität verliert, unabhängig davon, ob dies auf medikamentöse Assoziationen, Strahlung oder systemische Erkrankungen zurückzuführen ist. Das pathophysiologische Endstadium ist stets dasselbe: ein hypoxisches, hypovaskularisiertes Mark, das abstirbt, bevor der Knochen strukturell zerfällt. Genau dort liegt die diagnostische Lücke der konventionellen Bildgebung: OPG, DVT und CT zeigen die Destruktion erst, wenn sie eingetreten ist. Das dentale MRT dagegen zeigt die Biologie und die Pathophysiologie, die ihr vorausgehen. Patientenbeschwerden ohne diagnostisches Korrelat In diesem Patientenfall geht es um eine 65-jährige Patientin, die infolge einer Bisphosphonat-Applikation fünf Jahre zuvor bereits eine Dekortikation und plastische Defektdeckung im anterioren Oberkiefer erfahren hatte. Der resultierende keilförmige Defekt ist auf der Panoramaschichtaufnahme deutlich zu erkennen (Abbildung 1). Nach einem symptomfreien Intervall von mehreren Jahren beklagte die Frau erneut latente und intermittierende Beschwerden im Oberkieferbereich. Zunächst stellte sie sich nach hauszahnärztlicher Überweisung bei einem niedergelassenen MKG-Chirurgen vor. Nach einer Schädel-MRT-Untersuchung bei einem niedergelassenen Radiologen, die keine spezifische Pathologie ergab, erfolgte die Weiterleitung zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (616) Abb. 1: Panoramaschichtaufnahme des Oberkiefers mit keilförmigem Knochendefekt in der rechten OK-Front (roter Pfeil) Abb. 2: DVT des Oberkiefers mit Knochendefekt in regio 13–21 (roter Pfeil), axiale Schichtung Abb. 3: DVT des Oberkiefers mit Knochendefekt in regio 13–21 (roter Pfeil) und breiter Canalis inzisivus (gelber Pfeil), koronare Schichtung Abb. 4: DVT des Oberkiefers mit Knochendefekt in regio 13–21 (roter Pfeil) und breitem Canalis incisivus (gelber Pfeil), sagittale Schichtung
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=