Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

TITEL | 47 an eine externe Universitätsklinik. Da weder die klinische Untersuchung noch die bisherige radiologische Bildgebung richtungsweisende Befunde liefern konnten, wurde eine operative Intervention dort nicht in Betracht gezogen. Die Patientin wandte sich daraufhin an unser Haus. Die klinische Untersuchung zeigte bis auf die knöcherne Defektsituation keine Rötung oder Schwellung im Bereich des Oberkiefers, die klinischen Symptome waren eher unspezifisch. Im DVT sind in allen Raumebenen deutliche Knochendefekte zu erkennen, die zur Unterbrechung des Alveolarfortsatzes in der OK-Frontzahnregion führen. Zusätzlich grenzt sich ein breiter Canalis incisivus ab (Abbildungen 2 bis 4). Ein Rückschluss auf Pathologien im bezeichneten Bereich lässt sich aus den vorliegenden radiologischen Unterlagen nicht ziehen. Diese Situation ist kein Einzelfall, sondern eine häufiger anzutreffende Konstellation: Einerseits bestehen die tatsächlichen Beschwerden der Patientin, andererseits kann kein diagnostisches Korrelat identifiziert werden. Die Indikation zu einer chirurgischen Intervention würde sich hier allenfalls aus der Anamnese ergeben. Ein Eingriff gerade mit diesen Voraussetzungen ist aber mit erhöhten Risiken wie beispielsweise der Deperiostierung des Knochens verbunden. Häufig wird in solchen Situationen mit symptomatischer Therapie und Monitoring reagiert. Im konkreten Fall hatten wir die Möglichkeit, mit unserem ddMRT eine spezialisierte Diagnostik durchzuführen. Die Bildgebung zuvor hatte zwar keine Pathologien gezeigt, aber mithilfe des MRT konnten wir die Frage beantworten, ob eventuell ein inflammatorischer Prozess für die Beschwerden verantwortlich ist. Wenn dies ausgeschlossen werden kann, sind Monitoring und symptomatische Behandlung der Beschwerden angezeigt. Andernfalls ist die Indikation zur Befundexploration gegeben. Die MRT-Bildgebung im Detail Während beim DVT und beim CT nur wenige Parameter angepasst werzm116 Nr. 08, 16.04.2026, (617) Abb. 5: Bildgebung mit dem ddMRT (Sequenz: anatomy_3D_overview): Aufnahme des Oberkiefers/Mittelgesichts, axiale Schichtung mit Canalis inzisivus (gelber Pfeil) und benachbarter, gut abgrenzbarer Osteolysezone (roter Pfeil) Knöcherne Strukturen lassen sich in der Regel in kortikale (außenliegend) und spongiöse (innenliegende) Regionen unterscheiden. Dabei stellt sich das Knochenmark aufgrund der Durchblutung und/oder des Fettgehalts durch den erhöhten Anteil an Wasserstoffatomen hell dar. Im Unterschied dazu bleibt die Kortikalis dunkel – auf dem Bild gut zu sehen als schwarzer Saum. Abb. 6: Bildgebung mit dem ddMRT (Sequenz: inflammation_3D_overview): Aufnahme des Oberkiefers/Mittelgesichts, axiale Schichtung mit deutlich signalintenser Demarkierung im Bereich 11–13 (blauer Pfeil) Mit der Inflammation-Sequenz lassen sich gezielt Entzündungsprozesse aufspüren, die im Bild hell erscheinen. Um das zu erreichen, ist die Sequenz T2-gewichtet, das heißt, freies Wasser, Ödeme und aktive Entzündungen erscheinen hell, kortikaler Knochen erscheint dunkel. Zusätzlich wird das Fettsignal gezielt unterdrückt, so dass auch normales Mark dunkel erscheint und pathologisches Wasser hell leuchtet. Die inflammation_3D_overview/STIR-Sequenz ist die empfindlichste zur Verfügung stehende Sequenz im gesamten Protokoll – ein positives Signal bei noch negativem DVT ist das früheste erreichbare Zeichen einer Kieferosteonekrose. Zusätzlich werden in dieser Sequenz auch physiologisch deutlich stärker perfundierte Bereiche ohne Pathologie wie Periost, Perimysium und subkutane blutgefäßführende Schichten hervorgehoben. Diese Darstellungen müssen von den Pathologien abgegrenzt werden. Die Entzündungssequenzen sind typischerweise etwas schlechter räumlich aufgelöst als die Anatomiesequenzen, liefern dafür aber wertvolle und einzigartige diagnostische Informationen. Foto: Klinikum Dortmund gGmbH

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