Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

62 | POLITIK AMERICAN ACADEMY OF PEDIATRIC DENTISTRY SCHLÄGT ALARM US-Kinderzahnärzte stellen Plan zur Fluoridbewertung infrage Im Verein mit 140 anderen US-Gesundheitsorganisationen warnt die American Academy of Pediatric Dentistry (AAPD) eindringlich: Der Plan der US-Umweltschutzbehörde (EPA) zur Bewertung der Trinkwasser-Fluoridierung werde die jahrzehntelangen Fortschritte bei der Mundgesundheit von Kindern zunichtemachen. Die AAPD, die in den USA über 11.000 Kinderzahnärztinnen und Kinderzahnärzte vertritt, hat eine offizielle Stellungnahme zum vorläufigen „Fluoride Preliminary Assessment Plan and Literature Survey“ der Environmental Protection Agency (EPA) eingereicht. Die Toxizitätsbewertung der EPA dient als Grundlage für zukünftige Entscheidungen über mögliche Änderungen des bestehenden FluoridTrinkwasserstandards gemäß dem Safe Drinking Water Act (SDWA). „Als Kinderzahnärzte liegen uns sowohl die Mundgesundheit als auch die allgemeine Gesundheit von Kindern sehr am Herzen“, schreibt die AAPD in ihrer Stellungnahme vom 20. Februar. „Wir begrüßen die Feststellung der EPA, dass Fluorid in geringeren Konzentrationen nachweislich die Prävalenz von Zahnverfall senkt, einer der häufigsten chronischen Erkrankungen bei amerikanischen Kindern. Wir erkennen auch an, dass Fluorid in hohen Dosen toxisch ist.“ Die AAPD fordert die EPA dennoch nachdrücklich auf, ihren Plan zu überarbeiten, „um methodische Stringenz, politische Relevanz für die Expositionen in den USA und Transparenz im Einklang mit der Executive Order 14303* zur Wiederherstellung wissenschaftlicher Goldstandards sicherzustellen“. Konkret sollte die EPA: 1. die Kriterien für die Einstufung von Fluorose als gesundheitsschädlich vorab festlegen und die für die Ableitung der Referenzdosis herangezogenen gesundheitsschädlichen Auswirkungen auf mittelschwere bis schwere Fluorose beschränken; 2. die Erkenntnisse zur neurologischen Entwicklung nach Expositionsniveau stratifizieren und den in den USA relevanten Expositionswerten (≤1,5 mg/l, insbesondere ~0,7 mg/l) Vorrang einräumen; 3. die Literaturrecherche auf den Zeitraum von 2025 bis Anfang 2026 aktualisieren und vor der Überprüfung ein vollständiges Protokoll zur systematischen Überprüfung der öffentlichen Stellungnahme veröffentlichen; 4. sowie klar darlegen, dass jede Referenzdosis einen Schwellenwert zur Vermeidung von schädlichen Auswirkungen darstellt und die gut dokumentierten Vorteile von Fluorid bei der Kariesprävention in den empfohlenen Konzentrationen nicht negiert. Diese Korrekturen würden laut AAPD Fehlinterpretationen reduzieren, die wissenschaftliche Integrität wahren und die Gesundheit von Kindern schützen und gleichzeitig als Leitfaden für praktische, vertretbare politische Entscheidungen dienen. Genügt der Plan dem „Goldstandard“ des Präsidenten? In einem ausführlichen Kommentarschreiben an die EPA äußerte die AAPD „erhebliche Bedenken“ hinsichtlich der wissenschaftlichen Integrität des EPA-Plans. So warnt die Fachgesellschaft davor, dass die aktuelle Vorgehensweise der EPA auf diskreditierten Berichten und unzutreffenden Informationen beruhe, die die sichere Fluoridierung des Trinkwassers gefährden und eine Gesundheitskrise für amerikanische Kinder auslösen könnten. Die AAPD teilt die Besorgnis über den EPA-Plan und seine Folgen mit 140 staatlichen und nationalen Organisationen. Die wichtigsten Bedenken der AAPD sind: „ Fehlklassifizierung von „leichter Fluorose“ als Toxizitätsindikator: Die AAPD wendet sich entschieden gegen die Einstufung leichter Fluorose – eines rein kosmetischen Zustands – als „toxische“ oder „nachteilige“ Wirkung der Trinkwasserfluoridierung durch die EPA. „Leichte Fluorose hat keine schädlichen oder pathologischen Eigenschaften“, heißt es in dem Schreiben, und gehe häufig mit einer geringeren Kariesrate einher. „ Abhängigkeit von einem fehlerhaften Bericht: Der Bewertungsplan stütze sich maßgeblich auf den Bericht des National Toxicology Program (NTP) aus dem Jahr 2024, obwohl dieser die Peer-Review-Prüfung der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) nicht bestanden habe. Die meisten der dem NTP-Bericht zugrunde liegenden Studien wurden laut AAPD nicht in den USA durchgeführt und spiegeln daher nicht die Fluoridbelastung des Trinkwassers in US-amerikanischen Gemeinden wider. Die Autoren des NTP-Berichts warnen der AAPD zufolge davor, den Bericht zur Festlegung einer empfohlenen Fluoriddosis heranzuziehen – dennoch stütze sich die EPA bei ihrer geplanten Bewertung darauf. „ Ignorieren der gesundheitlichen Vorteile: Die EPA erklärte demnach zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (632)

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