POLITIK | 63 Foto: tang90246-stock.adobe.com ausdrücklich, die gesundheitlichen Vorteile von Fluorid in ihrer Bewertung nicht zu berücksichtigen. Die AAPD lehnt diesen Ansatz entschieden ab. Eine Toxizitätsbewertung, die isoliert ohne Kosten-Nutzenoder Risiko-Nutzen-Analyse durchgeführt wird, hält sie für „unverantwortlich“. Sie verweist in dem Zusammenhang auf historische Daten aus anderen Ländern, die zeigen, dass Kinder häufiger unter Zahnschmerzen, Infektionen und Fehlzeiten in der Schule leiden, wenn Gemeinden die Trinkwasser-Fluoridierung stoppen. Methodische Warnsignale: Die AAPD sieht „problematische Mängel“ in der geplanten Bewertung, darunter eine veraltete Literatursuche, die Studien aus dem Jahr 2025 ausschließt, und das Fehlen eines transparenten, vorab festgelegten systematischen Review-Protokolls. „Wird diese Bewertung nicht mit wissenschaftlicher Integrität durchgeführt, werden Kinder wegen Karies mehr Zahnschmerzen und Infektionen sowie eine geringere Lebensqualität erleiden“, kritisiert die AAPD. „Das Ergebnis dieses grob fehlerhaften Plans deutet auf eine Entfluoridierung des Trinkwassers hin, die zweifellos zu einem Anstieg von Karies und damit verbundenen Gesundheitskosten führen würde.“ Die AAPD fordert die EPA daher dringend auf, ihr derzeitiges Verfahren zu beenden und einen unabhängigen externen Gutachter – insbesondere die NASEM – hinzuzuziehen, um eine faire und wissenschaftlich fundierte Bewertung zu gewährleisten. Fluorid bleibt ein Eckpfeiler bei der Kariesprävention Die Fachgesellschaft und ihre Partner halten die Trinkwasser-Fluoridierung für „eine der erfolgreichsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Geschichte der USA“. „Unsere Gemeinden profitieren seit über 80 Jahren von einer sicheren und wirksamen Trinkwasserfluoridierung, die nach wie vor ein Eckpfeiler der Kariesprävention ist – der häufigsten chronischen Erkrankung bei Kindern“, heißt es in ihrer Stellungnahme. „Gemeinsam warnen unsere Organisationen die EPA und das Gesundheitsministerium (U.S. Department of Health and Human Services, HHS) davor, den vorgeschlagenen Plan umzusetzen, und wir setzen uns weiterhin für den Schutz und die Förderung der Mund- und Allgemeingesundheit von Kindern ein.“ck * Am 23. März 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump die Exekutivanordnung (EO) 14303 mit dem Titel „Restoring Gold Standard Science“. Ziel der Anordnung ist, „das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung in die Wissenschaft und die Institutionen wiederherzustellen, die wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohle der Allgemeinheit schaffen und anwenden“. Kaum ein Thema löst in der Öffentlichkeit regelmäßig so viele Diskussionen aus wie Fluorid. Woran liegt das, und wie sollte die Zahnmedizin damit umgehen? Lesen Sie das Interview mit Prof. Dr. Roland Frankenberger, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung der Philipps-Universität Marburg, in diesem Heft auf den Seiten 56 bis 58. zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (633) WENN FÜNF BUNDESSTAATEN FLUORID IM TRINKWASSER VERBIETEN ... Wenn fünf Bundesstaaten Fluorid im Trinkwasser verbieten würden, müssten 132.572 sonst zahngesunde Kinder eine Kariesbehandlung erhalten oder einen Zahn gezogen bekommen. Die Kosten für Medicaid aufgrund eines deutlichen Anstiegs von Kariesfällen bei Kindern würden innerhalb von drei Jahren 40 Millionen Dollar übersteigen, wie eine neue Analyse zeigt. Das CareQuest Institute for Oral Health, eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Trinkwasser-Fluoridierung einsetzt, nutzte Daten aus MedicaidAbrechnungen und Umfrageergebnisse, um die Folgen eines TrinkwasserFluoridierungsverbots in den fünf US-Bundesstaaten Florida, Kentucky, Louisiana, Missouri und Oklahoma zu prognostizieren. Florida und Utah haben die Fluoridierung bereits verboten; in den anderen Bundesstaaten sind Gesetzesentwürfe zu einem Verbot oder einer optionalen Anwendung in Arbeit. Laut der Analyse würden innerhalb von drei Jahren 132.572 Kinder, die sonst keine Zahnprobleme hätten, eine Zahnfüllung oder eine Zahnextraktion benötigen. In Florida, wo die Fluoridierung des Trinkwassers im vergangenen Jahr verboten wurde, würden 52.131 Kinder mehr als üblicherweise zu erwarten wären, eine solche zahnärztliche Versorgung brauchen. „Die Trinkwasserfluoridierung ist das umfassendste, wissenschaftlich fundierteste und für alle zugängliche Mittel, von dem Kinder profitieren können“, sagte Melissa Burroughs von CareQuest. „Wenn man diese Möglichkeit wegnimmt, sind die Auswirkungen auf Kinder erheblich.“ Mindestens 21 Bundesstaaten haben laut der National Conference of State Legislatures Gesetzesentwürfe zum Fluoridverbot eingebracht. Utah und Florida waren die ersten, die entsprechende Verbote verabschiedeten; beide traten im vergangenen Jahr in Kraft. CareQuest Institute for Oral Health. How Ending Water Fluoridation Would Affect Children and State Medicaid Costs. Boston, MA: January 2026.
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