zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (636) 66 | GESELLSCHAFT vermutlich auf eine Verletzung zu Lebzeiten zurückzuführen. Das Ausmaß von Zahnsteinbildung ist ungewöhnlich, auch wenn sich derartige Befunde auch heute noch bei Patientinnen und Patienten finden.“ Besonders auffällig ist die fortgeschrittene Parodontitis Die Isotopenanalysen sprechen dafür, dass Otto oft tierische Proteine zu sich nahm und wahrscheinlich auch Süßwasserfisch aß. Dazu kamen in Mitteleuropa gängige Nahrungspflanzen, vor allem Getreide sowie Hülsenfrüchte, wobei die bei der ärmeren Bevölkerung verbreitete Hirse offenbar nicht häufig auf seinem Speiseplan stand. Diese Nahrungsgewohnheiten sind demnach typisch für elitäre Persönlichkeiten des Mittelalters aus dem mitteleuropäischen Raum. Dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie lagen nicht nur Proben aus der Bestattung Ottos des Großen vor, sondern ebenfalls von sterblichen Überresten, die traditionell einem nahen Verwandten des Kaisers zugeschrieben werden. So befinden sich in der Reliquiensammlung des Bamberger Doms der Schädel sowie die Oberschenkelknochen Heinrichs II. (973–1024), des letzten Ottonenherrschers auf dem ostfränkischen Kaiserthron, der zusammen mit seiner Ehefrau Kunigunde im Bamberger Dom bestattet und als einziger mittelalterlicher Kaiser heiliggesprochen wurde. Diesen Gebeinen wurden Anfang 2025 kleine Proben zur DNA-Analyse entnommen, deren Ergebnisse nun vorliegen. Sie belegen, dass alle drei Heinrich II. zugeschriebenen Knochen der Bamberger Reliquiensammlung von einem einzigen Individuum stammen. Ausschlaggebend war allerdings die Tatsache, dass dieses Individuum sowie das Individuum aus dem Sarg Ottos des Großen dritten Grades miteinander verwandt sind. Beide gehen in männlicher Linie auf einen gemeinsamen Ahnen zurück. „Dies passt schlüssig zur historischen Überlieferung, der zufolge Kaiser Heinrich II. als Enkel von Ottos Bruder Herzog Heinrich von Bayern der Großneffe des in Magdeburg bestatteten Kaisers war“, schreiben die Wissenschaftler. „Damit belegen die archäogenetischen Untersuchungen nicht nur die Verwandtschaft der beiden untersuchten Individuen, sondern darüber hinaus auch die Echtheit und Identität der Gebeine Heinrichs II. und Ottos I. Die Identifizierung des Bestatteten aus dem kaiserlichen Grabmal im Magdeburger Dom als Otto I. darf als bestätigt gelten." ck Die Gebeine des Kaisers bleiben während der Forschungs- und Sanierungsarbeiten in Magdeburg und sollen am 1. September 2026 in einem neu gestalteten Sarg im Magdeburger Dom wieder beigesetzt werden. Sarkophag Ottos des Großen im Chorraum des Magdeburger Doms Fotos: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt DAS KAISERGRABMAL IM MAGDEBURGER DOM Das Grabmal Ottos des Großen im Magdeburger Dom ist ein Sarkophag aus einem monolithischen Block aus Kalkstein, der mit einer wiederverwendeten antiken Marmorplatte abgedeckt ist. Im Januar 2025 zeigte sich, dass die Konstruktion stark beschädigt war: Die im 19. Jahrhundert zur Stabilisierung am Sarkophag eingebrachten Eisenteile waren stark verrostet und infolge eingedrungener Feuchtigkeit belastete Salz zunehmend das Holz des im Sarkophag befindlichen Sarges. Für die Sanierung mussten die Forschenden den rund 300 Kilogramm schweren Marmordeckel des Sarkophags anheben, um den schlichten Holzsarg zu entnehmen. Die Forschenden vermuten, dass der Sarg aus Kiefernhölzern im Zuge der Umbettung der Gebeine Ottos des Großen nach dem Dombrand von 1207 und dem anschließenden Neubau des Doms angefertigt wurde. Darin fand man durcheinander liegende Stoffreste und Pflanzen, Sediment und Gebeine. Unter den Textilien stechen ein rotes Einschlagtuch aus byzantinischer oder spanischer Seide und eine blau gefärbte Decke mit Silberfäden hervor. Außerdem fand man Eierschalen und Obstkerne, einen Moritzpfennig (mittelalterliche Silbermünze) aus dem 13. Jahrhundert sowie ein Stück Fensterglas, was den Wissenschaftlern zufolge belegt, dass das Grabmal im Laufe der Zeit mehrfach geöffnet wurde. Computertomografische Untersuchung der sterblichen Überreste Ottos des Großen im Universitätsklinikum Magdeburg
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