Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

82 | GESELLSCHAFT MIT DEM FÖRDERKREIS CLINICA SANTA MARIA IN BOLIVIEN „Huancarani bietet Zahnmedizin auf einem anspruchsvollen Niveau!“ Nadja Simone Hertenstein Die Praxis im bolivianischen Hinterland ist überraschend gut ausgestattet. Allerdings ist die Diskrepanz zwischen dem, was theoretisch möglich ist, und dem, was aufgrund der mangelnden dentalen Awareness vieler Patienten tatsächlich machbar ist, eine Herausforderung für uns Helfer. Das zahnmedizinische Hilfsprojekt des Förderkreises Clinica Santa Maria (FCMS) in Huancarani liegt im Hochland von Bolivien nahe der Großstadt Cochabamba und wird dort ganzjährig betrieben. Die Praxis ist fest in die lokale Infrastruktur integriert und somit eine beständige Anlaufstelle. Ein Großteil der meist indigenen Patienten sind inzwischen Stammpatienten. Für einen reibungslosen Übergang zwischen den wechselnden Teams ist eine gut organisierte Praxis von zentraler Bedeutung. So erfolgt die Dokumentation beispielsweise über ein EDV-System, das eine lückenlose Historie der Behandlungen sicherstellt. Dies ist ein entscheidender Faktor für die Kontinuität bei komplexen Sanierungen. Im Vergleich zum Praxisalltag in Deutschland ist der bürokratische Aufwand vor Ort minimal. Dadurch können wir uns vollständig auf die klinische Tätigkeit konzentrieren und haben mehr Ressourcen für die Patienten. Die Qualität der Ausstattung hat mich überrascht Ich habe das Projekt im Januar und Februar sechs Wochen lang vor Ort unterstützt. Von der instrumentellen und apparativen Ausstattung der Praxis mit zwei Behandlungsräumen war ich positiv überrascht. Für ein Entwicklungsprojekt in Lateinamerika ist dieses Niveau untypisch hoch, was eine qualitativ hochwertige Zahnheilkunde ermöglicht: „ Diagnostik: Neben der analogen Röntgendiagnostik (Zahnfilme) vor Ort besteht die Möglichkeit für externe Orthopantomogramme (OPG) in hoher Qualität. „ Endodontie: Die Verfügbarkeit maschineller Aufbereitungssysteme (Reciproc) inklusive Apex Locator erlaubt auch die Erhaltung von tief kariösen Zähnen, sofern diese keine apikale Aufhellung aufweisen. „ konservierende Therapie: Die technische Ausstattung macht Trockenlegung und adhäsive Füllungstherapie nach europäischem Standard möglich. „ Hygiene und Sterilisation: Der Sterilisationsprozess folgt strengen Protokollen. Die beiden Autoklaven betreut in der Regel der bolivianische Assistent. „ Prothetik: War während meiner Zeit nicht möglich, da kein Zahntechniker verfügbar war. Es gibt aber ein Labor für Kunststoff Prothetik mit zwei Arbeitsplätzen. Wer einen Techniker kennt, der kann ihm das Projekt gern weiterempfehlen! Das Behandlungsspektrum umfasst die gesamte Bandbreite der allgemeinen Die Praxis mit ihren beiden Behandlungszimmern ermöglichte meinem Kollegen und mir vor Ort eine qualitativ hochwertige Behandlungsarbeit. Fotos: Nadja Hertenstein zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (652) Nadja Simone Hertenstein Zahnärztin, Approbation Juli 2012, Berufserfahrung in oralchirurgischen und allgemeinzahnärztlichen Praxen, Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit Foto: Nadja Hertenstein

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