Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

36 | TITEL verloren in neun Jahren im Mittel nur 0,35 Zähne, bei schwerer Parodontitis dagegen fast zwei (1,8). Auch im Alter gilt demnach: „Wer zu Beginn noch vergleichsweise gute Verhältnisse hat, verliert weniger Zähne als Personen mit fortgeschrittener Erkrankung.“ „Vor allem im Seniorenalter zeigen sich die Folgen früherer Krankheitsprozesse“, sagte Jordan. Das terminale Stadium sowohl von Karies als auch von Parodontitis sei letztlich der Zahnverlust, der im Alter kumuliert. „Früh angelegte Prävention schützt daher nicht nur vor Karies und Parodontitis, sondern auch vor späterem Zahnverlust.“ Aus diesen Befunden leitete Jordan eine klare Konsequenz für die Versorgung ab: „So wie es gelungen ist, bei der Karies durch Primärprävention vor die Erkrankungswelle zu kommen, muss das langfristig auch bei der Parodontitis gelingen!“ Jordan: „Schaut man in die Abrechnungsdaten der KZBV, finden die meisten Parodontalbehandlungen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren statt. Nach den DMS • 6 Daten müssten sie im Grunde aber deutlich früher ansetzen, nämlich zwischen 30 und 50 Jahren, weil dort die große Erkrankungsaktivität liegt.“ Man dürfe nicht warten, bis die Parodontitis schwer ausgeprägt ist, sondern müsse sie bereits in moderaten oder leichten Stadien erreichen. Die Risikogruppen gehören in den Blick „Parodontitis ist weltweit die sechsthäufigste chronische Erkrankung“, erinnerte Jordan. „Damit steht sie in einer Reihe mit Volkskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht, auch wenn zahnmedizinische Erkrankungen in diesem Zusammenhang oft weniger präsent sind.“ Generell seien chronische Erkrankungen lebensstilabhängig und grundsätzlich vermeidbar. Für die Zahnmedizin gelte, dass sie mit der Kariesprävention bereits gezeigt habe, wie erfolgreich Prävention bei einer solchen Erkrankung sein kann. Karies gilt als die häufigste chronische Erkrankung weltweit. Als zentrale gemeinsame Risikofaktoren nannte Jordan ungesunde Ernährung, vor allem Zucker, außerdem Rauchen und Alkohol. Dabei schilderte er, dass Raucherinnen und Raucher ihre Mundgesundheit selbst schlechter einschätzen und klinisch schlechtere Werte aufweisen – etwa bei Wurzelkaries, Attachmentverlust und Zahnzahl. Rauchen verschlechtere die Mundgesundheit also sowohl subjektiv als auch objektiv – und bei der Parodontitis werde das besonders deutlich. Auch die Zusammenhänge mit Allgemeinerkrankungen hob Jordan hervor. So gingen schon bekannte Befunde zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit schwererer Parodontitis, mehr Zahnlosigkeit und einer geringeren Zahl funktionstüchtiger Zähne einher. Besonders eindrücklich seien die aktuellen DMS • 6-Daten zu Typ-2-Diabetes gewesen: Hier seien nahezu alle zahnmedizinisch relevanten Parameter ungünstiger als bei Menschen ohne Diabetes. Betroffene haben demzufolge häufiger schwere parodontale Erkrankungen, mehr fehlende Zähne, öfter Zahnlozm116 Nr. 09, 01.05.2026, (702) Abb. 4: Zahnverluste: Inzidenz und Progression bei Erwachsenen und Seniorinnen und Senioren Foto: IDZ – Institut der Deutschen Zahnärzte Abb. 3: Parodontitisprogression in Abhängigkeit von der Krankheitsschwere Foto: IDZ – Institut der Deutschen Zahnärzte

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