Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

TITEL | 37 sigkeit und weniger funktionstüchtige Zähne. Hinzu komme, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger nur beschwerdeorientiert zum Zahnarzt gehen. Für Jordan bestätigte das Ergebnis den Bedarf an spezifischen Präventionsstrategien für Risikogruppen. Künftig sollte lebenslange Prävention nicht mehr standardisiert, sondern risikoadaptiert und personalisiert erfolgen, sagte Jordan: „Die DMS • 6 hat die wichtigsten Risikofaktoren für Zahn- und Munderkrankungen identifiziert, um solche personalisierten Präventionsprogramme entwickeln zu können.“ Als übergeordnete Entwicklung beschrieb er schließlich eine „Präventionsexpansion“ und eine „Morbiditätskompression“. Die Präventionserfolge bei der Karies reichten heute deutlich weiter ins Leben hinein, als man lange sicher habe sagen können. Zugleich verlagerten sich Krankheitslast und Behandlungsbedarf stärker in höhere Altersgruppen. Die Folge sei eine deutliche Entlastung bei Erwachsenen, aber steigender Behandlungsbedarf bei Seniorinnen und Senioren. Jordan: „Gerade weil mehr Menschen ihre Zähne bis ins Alter behalten, nehmen Zahnerhaltung und Parodontologie im Alter an Bedeutung zu.“ Zugleich, so Jordan, müsse man sich von der Vorstellung einer streng linearen Krankheitsentwicklung verabschieden. Die DMS • 6 Daten sprächen eher für längere Phasen relativer Stabilität und dazwischenliegende Episoden stärkerer Aktivität. Genau das habe auch Konsequenzen für die Praxis: „Wer nur stabile Situationen sieht, kann leicht unterschätzen, dass Krankheitsfortschritte dennoch stattfinden.“ Das sind die Präventionsaufgaben Im abschließenden Fazit benannte Jordan zwei zentrale Handlungsfelder: „Erstens muss die erhöhte Kariesaktivität in der Adoleszenz ernster genommen werden!“ Obwohl das Ausgangsniveau sehr gut sei, gehe in dieser Phase ein erheblicher Teil der Kariesfreiheit verloren. Deshalb brauche es auch in der Jugend weiterhin einen starken präventiven Fokus. „Zweitens muss die Parodontitisprävention deutlich früher ansetzen.“ Die entscheidenden Erkrankungsdynamiken liegen laut Jordan in dem Erwachsenenjahrzehnt zwischen 35 und 52 Jahren. Angesichts von geschätzt 14 Millionen schweren Erkrankungsfällen in Deutschland seien gezieltere Strategien für Risikogruppen nötig und vor allem eine frühere Prävention und Frühbehandlung, damit schwere Verläufe gar nicht erst entstehen. nl zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (703) Abb. 5: Mundgesundheit bei Typ-2-Diabetes Foto: IDZ – Institut der Deutschen Zahnärzte

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