46 | ZAHNMEDIZIN zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (712) die Lichtpolymerisation für 40 Sekunden erfolgte. Um die Polymerisationsschrumpfung des Infiltranten zu kompensieren, wurden die Infiltration und die Lichtpolymerisation noch einmal wiederholt (Abbildung 7). Nach Entfernung des Kofferdams wurden grobe Überschüsse mit einem Scaler versäubert und die Oberfläche mit einem mehrstufigen Kompositpolitursystem poliert. Die Patientin wurde anschließend zu einem Kontrolltermin einbestellt, bei dem das Behandlungsergebnis überprüft und die Oberflächen nochmals poliert wurden (Abbildung 8). Im weiteren Verlauf konnte auch die Fluorose der Schwester in einem ähnlichen Vorgehen erfolgreich mit Mikroabrasion und Kunststoffinfiltration behandelt werden (Abbildung 9). Die Behandlungsergebnisse beider Patientinnen werden im Rahmen regelmäßiger Untersuchungen weiterhin kontrolliert. Diskussion Die Fluorose ist eine Zahnentwicklungsstörung, die aufgrund einer zu hohen Fluoridexposition während der Schmelzentwicklung und einer daraus resultierenden Störung der Ameloblasten entsteht. Lediglich die Menge, nicht aber die Art der Aufnahme (Trinkwasser, Fluoridtabletten oder das Verschlucken von Zahnpasta), ist entscheidend bei der Entstehung dentaler Fluorosen. In Deutschland beträgt die Prävalenz 7,1-11,3 Prozent [Momeni et al., 2007]. Da der Fluoridgehalt im Trinkwasser in Deutschland < 0,3 mg/l beträgt [Bundesamt für Risikobewertung, 2005] und somit deutlich unterhalb der von der WHO veröffentlichten Empfehlung von < 1.5 mg/l [WHO, 2004] liegt, ist das Auftreten einer Fluorose in Deutschland in der Regel nicht mit dem Fluoridgehalt des Trinkwassers erklärbar. Die beiden Patientinnen waren jedoch in Ostafrika aufgewachsen, wo sie regelmäßig Wasser aus Brunnen bezogen hatten. Aufgrund geologischer Prozesse liegt der Fluoridgehalt im Grundwasser in verschiedenen Regionen Ostafrikas deutlich über dem von der WHO empfohlenen Richtwert und so ist es wahrscheinlich, dass ein zu hoher Fluoridgehalt im Trinkwasser ursächlich für die Fluorosen im Frontzahnbereich war [Podgorski & Berg, 2022; The World Bank, 2021]. Histologisch ist die Oberfläche fluorotischer Zähne hypermineralisiert, darunter ist der Zahnschmelz jedoch porös verändert [Fejerskov et al., 1975]. Das klinische Erscheinungsbild weißlicher Farbveränderungen der betroffenen Zähne resultiert aus dem unterschiedlichen Lichtbrechungsindex von Luft, Wasser und Apatit. Durch Einlagerung exogener Farbstoffe in die Poren können auch bräunliche Verfärbungen entstehen. In Fällen einer stark ausgeprägten Fluorose ist ein Verlust der Oberflächenintegrität durch mechanische Belastung („Pitting“) möglich. Der FluoroseIndex nach Dean [1942] klassifiziert dentale Fluorosen anhand ihres klinischen Erscheinungsbildes in sechs verschiedene Schweregrade. Die Infiltration wurde ursprünglich entwickelt, um mittels eines niedrigviskosen Kunststoffs eine Arretierung initialkariöser Läsionen zu erzielen. Die Maskierung sogenannter White Spots [Paris & Meyer-Lückel, 2009] wird durch die Infiltration eines niedrigviskosen Kunststoffs in den Läsionskörper erzielt, wodurch der Lichtbrechungsindex sich wieder dem des natürlichen Schmelzes nähert [Paris et al., 2013]. Inzwischen wurde das Indikationsspektrum der Kunststoffinfiltration um Fluorosen und MIH erweitert und gilt bei der Maskierung leichter bis mittelschwerer fluorotischer Veränderungen gegenüber anderen mikroinvasiven Maßnahmen [Mikroabrasion oder Bleichen] als überlegen [Han et al., 2025; Prado et al., 2025]. Abb. 9a, b: klinischer Zustand vor und nach der Behandlung mit Kunststoffinfiltration der jüngeren Schwester der Patientin FAZIT FÜR DIE PRAXIS n Die Kunststoffinfiltration ist zur Behandlung fluorotischer Schmelzveränderungen geeignet. n Durch ein individualisiertes Behandlungsprotokoll können die mit der Kunststoffinfiltration erzielten Ergebnisse optimiert werden. n Die Kunststoffinfiltration lässt sich mit anderen mikroinvasiven Maßnahmen (Mikroabrasion, Bleichen) kombinieren.
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