48 | POLITIK OBERSTARZT DR. JÜRGEN RENTSCHLER ZU ZAHNÄRZTEN BEI DER BUNDESWEHR „Es ist ein Vorteil, dass die Bundeswehr über einen Fachbereich Zahnmedizin verfügt“ Zahnärztinnen und Zahnärzte bei der Bundeswehr tragen dazu bei, dass Soldatinnen und Soldaten jederzeit einsatzbereit sind. Neben der Arbeit in der Praxis gehören Auslandseinsätze und soldatische Fähigkeiten zum Berufsbild. In Zeiten wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen wird ihre Rolle immer wichtiger. Im Interview erläutert Oberstarzt Dr. Jürgen Rentschler, auf welche Szenarien sie sich vorbereiten. Herr Dr. Rentschler, welche Aufgaben haben Zahnärztinnen und Zahnärzte bei der Bundeswehr? Dr. Jürgen Rentschler: Der Kernauftrag des Fachbereichs Zahnmedizin ist die zahnärztliche Versorgung der Soldatinnen und Soldaten. Sanitätsoffiziereder Approbationsrichtung Zahnmedizin (SanOffz Zahnarzt) sorgen dafür, dass die Soldaten „dental fit“ und damit einsatzbereit sind. Alle Soldatinnen und Soldaten sind verpflichtet, sich einmal jährlich zahnärztlich im Hinblick auf ihre Mundgesundheit und Verwendungsfähigkeit begutachten zu lassen. Ziel ist es, ungeplante Ausfälle zu vermeiden – daher spielt Prävention in der Militärzahnmedizin eine noch größere Rolle als in der zivilen Zahnmedizin. So haben Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr über das 18. Lebensjahr hinaus, bis zum Ende ihrer Dienstzeit, Anspruch auf individualprophylaktische Leistungen. Die zahnärztliche Behandlungstätigkeit der SanOffz Zahnärzte unterscheidet sich nicht von der in niedergelassenen Praxen. Darüber hinaus müssen sie aber auch soldatische Fähigkeiten wie zum Beispiel Schießen oder ABCund Selbstschutzmaßnahmen beherrschen und diese trainieren. Außerdem sind sie verpflichtet, regelmäßig Sport zu treiben, um körperlich fit zu bleiben. Wie wird man Zahnärztin oder Zahnarzt bei der Bundeswehr? In der Laufbahn der Sanitätsoffiziere (SanOffz) bietet die Bundeswehr für die Studienfachrichtungen Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin sowie Pharmazie/Lebensmittelchemie die Möglichkeit, nach dem Abitur als Sanitätsoffizieranwärter oder -anwärterin (SanOA) eingestellt zu werden. Im Bereich Zahnmedizin kann die Bundeswehr pro Jahr über 20 Studienplätze an Bewerberinnen und Bewerber vergeben, die sich hierzu für mindestens 17 Jahre verpflichten müssen. Nach einer Vorauswahl nehmen Bewerberinnen und Bewerber an einem mehrtägigen Assessment teil. Wer ausgewählt wird, Oberstarzt Dr. Jürgen Rentschler (58) ist Leitender Zahnarzt der Bundeswehr und Inspizient Zahnmedizin. Schon sein Vater war bei der Bundeswehr tätig. Foto: zm/sr zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (714) SO VIELE MENSCHEN ARBEITEN IM FACHBEREICH ZAHNMEDIZIN DER BUNDESWEHR Die Bundeswehr beschäftigt derzeit insgesamt etwa 400 Sanitätsoffiziere der Approbationsrichtung Zahnmedizin (SanOffz Zahnärzte). 320 von ihnen stellen in 150 Behandlungseinrichtungen die truppenzahnärztliche Versorgung der Soldatinnen und Soldaten sicher. Etwa 80 nehmen sanitätsdienstliche und fachliche Stabsaufgaben im Bundesverteidigungsministerium und in Kommandobehörden der Bundeswehr wahr. Im Bereich der ZFA und Fachassistenten gibt es (zivil und militärisch) 700 Dienstposten beziehungsweise Stellen, wobei Zivilangestellte häufig halbtags tätig sind und sich die Stellen entsprechend teilen. Dazu kommen knapp 150 Mannschaftssoldaten, über 200 Studierende der Zahnmedizin sowie etwa 200 Auszubildende zur beziehungsweise zum Zahnmedizinischen Fachangestellten. SanOffz Zahnärzte sind vergleichsweise jung: Etwa zwei Drittel verlassen die Bundeswehr nach Ablauf ihrer Verpflichtungszeit von 17 Jahren im Alter von 35 bis 40 Jahren. Mehr als die Hälfte (etwa 57 Prozent) aller SanOffz Zahnärzte ist weiblich. Einige arbeiten dabei vorübergehend in Teilzeit, um Dienst und Familie vereinbaren zu können. Insgesamt beschäftigt der Fachbereich Zahnmedizin der Bundeswehr somit etwa 1.700 Menschen. Der Fachbereich ist Teil des neuen Unterstützungsbereiches der Bundeswehr mit insgesamt rund 55.000 Beschäftigten.
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