66 | ZAHNMEDIZIN DER BESONDERE FALL MIT CME Atypische Lokalisation einer Thyreoglossuszyste bei einem Neunjährigen Fabia Siegberg, Bilal Al-Nawas, Peer W. Kämmerer Mediane Halszysten gehören zu den häufigsten kongenitalen Fehlbildungen im Kopf-Hals-Bereich. Sie entstehen durch persistierende epitheliale Reste des embryonalen Ductus thyreoglossus und manifestieren sich meist im Bereich des Zungenbeins oder im mittleren Halsbereich. Der Fall beschreibt eine seltene intralinguale Lokalisation einer Thyreoglossuszyste bei einem neunjährigen Patienten. Ein neunjähriger Junge stellte sich in unserer Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – Plastische Operationen aufgrund einer progredienten Schwellung der Zunge vor, die in den letzten Monaten zu Sprechund gelegentlichen Schluckbeschwerden geführt hatte. Anamnestisch bestand bereits seit der Geburt eine derbe Schwellung im Bereich der Zungenmitte, die initial keine Größenprogredienz zeigte. Der Patient war ansonsten gesund, relevante Vorerkrankungen bestanden nicht. Im Säuglingsalter waren drei kutane infantile Hämangiome diagnostiziert worden, die bis zum zehnten Lebensmonat spontan regredient waren und keiner Therapie bedurften. Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich eine indolente, prall-elastische Raumforderung im Bereich des Zungenkörpers nahe des Foramen caecum linguae (Abbildung 1). Hinweise auf eine akute Entzündung bestanden nicht. Die Palpation des Halses ergab keinen Hinweis auf zervikale Raumforderungen oder vergrößerte Lymphknoten. In der sonographischen Untersuchung stellte sich innerhalb des Zungenkörpers eine etwa 4,5 cm messende, echoarme und homogene Raumforderung dar (Abbildung 2). Die Läsion erschien gut begrenzt und zystisch imponierend. Via zervikaler Schilddrüsensonografie konnte eine linguale Schilddrüse beziehungsweise ektopes Schilddrüsengewebe ausgeschlossen werden. Auf Grundlage der klinischen und radiologischen Diagnostik wurde die Verdachtsdiagnose einer atypisch lokalisierten medianen Halszyste gestellt. Differenzialdiagnostisch kam eine ausgedehnte Epidermoidzyste der Zunge in Betracht. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung lag bereits eine extern angefertigte Magnetresonanztomografie vor. In der Bildgebung zeigte sich eine flüssigkeitsintense Formation (Abbildungen 3a, b), die den Zungenkörper nahezu vollständig ausfüllte. Die Läsion war scharf begrenzt und zeigte keine Hinweise auf infiltratives Wachstum. Hinweise auf eine vaskuläre Malformation ergaben sich nicht. Aufgrund der zunehmenden Symptomatik wurde die operative Entfernung mit histologischer Sicherung des Befundes geplant. Der Eingriff wurde in Allgemeinanästhesie unter nasaler Intubation durchgeführt, um einen freien Zugang zur Mundhöhle zu gewährleisten. Nach mittiger Inzision der Abb. 1: Klinischer Befund bei Erstvorstellung. Sichtbare Vorwölbung des Zungenkörpers bei einem neunjährigen Patienten mit indolenter Raumforderung im Bereich der Zungenmitte nahe des Foramen caecum linguae. zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (732) Foto: Universitätsmedizin Mainz ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.
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