ZAHNMEDIZIN | 69 zunächst asymptomatische Entwicklung der Zyste zurückzuführen sein. Die Diagnostik einer Thyreoglossuszyste basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Die Sonografie stellt dabei die primäre Untersuchungsmethode dar. Sie ermöglicht die strahlenfreie Darstellung der typischerweise echoarmen Struktur, bei der häufig eine dorsale Schallverstärkung imponiert. Ergänzend ermöglichen bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eine genauere Beurteilung der Größe, Ausdehnung und der anatomischen Beziehung zu benachbarten Strukturen. Insbesondere wenn eine atypische Lokalisation vorliegt oder eine genaue präoperative Planung erforderlich ist, kann zudem eine flexible fiberendoskopische Untersuchung hilfreich sein. Differenzialdiagnostisch müssen insbesondere andere kongenitale sowie entzündliche Raumforderungen des Halses beziehungsweise des Zungengrundes berücksichtigt werden. Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen zählen Dermoid- und Epidermoidzysten, Ranulae, Lymphangiome sowie verschiedene Formen der Schilddrüsenektopie, insbesondere die linguale Schilddrüse [Gioacchini et al., 2015]. Ektopes Schilddrüsengewebe stellt insgesamt eine seltene Entwicklungsanomalie dar und tritt mit einer geschätzten Prävalenz von etwa 0,001–0,01 Prozent in der Allgemeinbevölkerung auf [Carranza Leon et al., 2016]. Die häufigste Lokalisation ist dabei der Zungengrund. Klinisch besitzt diese Entität eine besondere Bedeutung, da sie in einzelnen Fällen das einzige funktionell vorhandene Schilddrüsengewebe darstellen kann. Vor einer operativen Entfernung einer Raumforderung im Bereich des Zungengrundes ist daher stets eine sorgfältige Abklärung der Schilddrüsenlokalisation erforderlich, beispielsweise mittels Sonografie oder Szintigrafie. Neben den genannten angeborenen Veränderungen müssen auch entzündliche Prozesse, beispielsweise Abszesse oder infizierte Zysten sowie seltene benigne oder maligne Neoplasien als mögliche Ursachen berücksichtigt werden. Aufgrund der häufig ähnlichen klinischen Präsentation verschiedener Läsionen ist eine eindeutige Differenzierung präoperativ nicht immer möglich, so dass die definitive Diagnosestellung in vielen Fällen erst durch die histopathologische Untersuchung des resezierten Gewebes erfolgt. Histopathologisch ist der überwiegende Teil (51 Prozent) der medianen Halszysten sowohl mit respiratorischem als auch mit Plattenepithel ausgekleidet, gefolgt von mit reinem respiratorischem Flimmerepithel (38 Prozent) ausgekleideten Zysten [Thompson et al., 2016]. Obwohl Thyreoglossuszysten überwiegend benigne sind, wird in etwa einem bis drei Prozent der Fälle eine maligne Transformation beschrieben [van Bonn et al., 2023; Amos et al., 2025]. Insgesamt sind maligne Transformationen selten und betreffen überwiegend adulte, meist zervikale Läsionen. Die Therapie der Wahl bei Thyreoglossuszysten ist die vollständige chirurgische Entfernung der Zyste. Bei zervikalen Thyreoglossuszysten gilt das Sistrunk-Verfahren als Standardtherapie [Sistrunk, 1920]. Dabei werden neben der Zyste auch der zentrale Anteil des Zungenbeins sowie der verbleibende Gangverlauf des Ductus thyreoglossus entfernt. Dieses Vorgehen reduziert die Rezidivrate erheblich, da eine einfache Zystenexzision ohne Entfernung des Zungenbeins mit deutlich höheren Rezidivraten verbunden ist [Deane und Telander, 1978]. Für intralinguale Zysten existiert hingegen kein einheitlich etablierter Goldstandard, so dass das operative Vorgehen variieren kann. Es werden bevorzugt transorale oder endoskopische Verfahren eingesetzt, die eine direkte und minimalinvasive Entfernung der Läsion ermöglichen. Die vollständige Entfernung der Zyste ist entscheidend für den langfristigen Therapieerfolg. Unvollständige Exzisionen können zu Rezidiven führen und in manchen Fällen eine erneute Operation erforderlich machen [Galluzzi et al., 2013]. Darüber hinaus sollte eine postoperative Nachsorge erfolgen, um mögliche Rezidive frühzeitig zu erkennen. Zusammenfassend stellen mediane Halszysten beziehungsweise Thyreoglossuszysten eine häufige kongenitale Fehlbildung im Kopf-Hals-Bereich dar. Während die häufigste Lokalisation im mittleren Halsbereich meist als schmerzlose Raumforderung imponiert, können seltene Varianten, wie die intralinguale Thyreoglossuszyste, aufgrund ihrer Lage zu unterschiedlichen klinischen Symptomen führen. Die Diagnose erfolgt in der Regel anhand der klinischen Untersuchung und bildgebender Verfahren, wobei der Nachweis einer normal lokalisierten Schilddrüse von besonderer Bedeutung ist. Die Therapie besteht in der vollständigen chirurgischen Entfernung der Zyste. Insgesamt ist die Prognose nach adäquater chirurgischer Behandlung sehr gut, wobei eine sorgfältige postoperative Nachsorge zur frühzeitigen Erkennung möglicher Rezidive empfohlen wird. n zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (735) FAZIT FÜR DIE PRAXIS n Auch wenn mediane Halszysten typischerweise im ventralen Halsbereich lokalisiert sind, sollten sie bei zystischen Raumforderungen im Bereich des Zungengrundes oder des Zungenkörpers differentialdiagnostisch berücksichtigt werden. n Die Sonografie stellt die primäre bildgebende Untersuchungsmethode dar. Ergänzend ermöglicht die MRT eine genaue Beurteilung der Ausdehnung sowie der Beziehung zu angrenzenden Strukturen und hilft beim Ausschluss vaskulärer Malformationen. n Wichtige Differenzialdiagnosen intralingualer Raumforderungen sind unter anderem Epidermoid- und Dermoidzysten, Ranulae, Lymphangiome sowie eine linguale Schilddrüse. n Die vollständige chirurgische Entfernung stellt die Therapie der Wahl dar. Bei intralingualer Lokalisation können minimalinvasive transorale Verfahren eine effektive und gewebeschonende Behandlungsoption darstellen.
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