ZAHNMEDIZIN | 49 Hinweise zur Selbstständigkeit eines Patienten: Mobilität geistige und kommunikative Fähigkeit Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Selbstversorgung selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte Pflegebedürftigkeit variiert in unterschiedlichen Lebensabschnitten und es ist nicht so, dass alle über 80-jährigen Personen pflegebedürftig sind. Bei den über 85-Jährigen steigt jedoch die Zahl deutlich, so sind bei Frauen über die Hälfte, bei Männern mehr als ein Drittel der Alterskohorte Empfänger von Leistungen aus der Pflegeversicherung. Da die Einstufung in einen Pflegegrad nur die oben genannten sechs Bereiche umfasst und eine formale Begutachtung erforderlich ist, sind diese Zahlen nicht zwingend deckungsgleich mit einem real empfundenen Pflegebedarf [vdek, 2024]. Für den zahnärztlichen Praxisalltag ist es daher von großer Bedeutung, den pflegerischen Unterstützungsbedarf eines Patienten zu kennen. Ein bewilligter Pflegegrad hilft bei der Identifikation des Unterstützungsbedarfs. Für die zahnmedizinische Betreuung geriatrischer Patienten zeigt das Vorliegen bestimmter Merkzeichen (zum Beispiel „H“ oder „aG“) auf einen erhöhten Unterstützungsbedarf bei Anfahrt, Kommunikation und Behandlung hin. Wegen der mit dem Alter ansteigenden Prävalenz von Pflegebedürftigkeit stellt ein hohes Alter ein Signal dafür dar, dass erhöhte Wachsamkeit auf das Vorliegen alterierter Mundgesundheit erforderlich ist [KZBV und BZÄK, 2010]. Diagnostik Einschränkungen bei der zahnärztlichen Diagnostik können sein: Mobilität Kooperationsfähigkeit zeitliche Belastung für den Patienten Lagerungsmöglichkeit räumliche Gegebenheiten technische Ausstattung (vor allem in der aufsuchenden Betreuung) organisatorische Fragestellungen Hinsichtlich der zahnärztlichen röntgenologischen Diagnostik können sich zusätzliche Einschränkungen bei der Film- beziehungsweise Sensorpositionierung durch Dritte ergeben. Geriatrisches Assessment Im geriatrischen Basis-Assessment, das in der Hausarztpraxis stattfindet, werden beispielsweise Barthel-Index [Mahoney und Barthel, 1965], Mobilitätstests wie Timed-up-and-go-Test sowie Tests zur Beurteilung der Kognition eingesetzt – zum Beispiel Uhrenzeichentest [Shulman et al., 1986], Mini-Mental State Test (MMST) [Folstein et al., 1975], Montreal Cognitive Assessment (MoCa) [Nasreddine et al., 2005]. Auch eine Handkraftmessung zur Einschätzung der Gebrechlichkeit ist ein hilfreiches Instrument. Die zahnärztliche Diagnostik beim geriatrischen Patienten erstreckt sich nicht allein über die klassischen zahnärztlichen Beurteilungskriterien für die Zähne, das Zahnfleisch, den Zahnersatz, die Schleimhäute, die Weichteile und die knöchernen Anteile von Mund, Kiefer und zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (811) KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 2: (NEU/2026) Hohes Lebensalter und/oder Pflegebedürftigkeit sollen als Risikofaktor für eine Verschlechterung der Mundgesundheit berücksichtigt werden. Abstimmung: 17/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 17 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens Literatur: IDZ 2016 KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 3: (NEU/2026) Ein bewilligter Pflegegrad gibt eine Orientierung zur Pflegebedürftigkeit eines Patienten. Darüber hinaus soll eine individuelle Einschätzung der für die Mundgesundheit relevanten Fähigkeiten durch den Zahnarzt erfolgen. Abstimmung: 17/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 17 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens KONSENSBASIERTES STATEMENT 7: (NEU/2026) Zahnärztliche Diagnostikmethoden sind bei geriatrischen Patienten genauso anzuwenden wie bei gesunden Erwachsenen. Abstimmung: 18/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 18 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 1: (NEU/2026) Dem Zahnarzt sollten die üblichen geriatrischen AssessmentInstrumente sowie deren Ergebnis-Interpretation bekannt sein, um eine umfassendere Kenntnis für den geriatrischen Patienten in Bezug auf die zahnmedizinische Betreuung zu haben. Abstimmung: 17/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 17 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens Literatur: Hofmann, W et al. 1995; Lachs, M.S et al. 1990; Thiem, U. et al. 2012; Hobert, M.A. et al. 2019
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