56 | ZAHNMEDIZIN Präventive Interventionen Hinsichtlich der Kariesprävention haben sich die Empfehlungen gemäß der aktuellen S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“ (AWMF-Nr. 083-021) bewährt [AWMF, 2025]. Geriatrische Patientinnen und Patienten, die zu den vulnerablen Gruppen gehören, haben oftmals ein hohes Karies- und Wurzelkariesrisiko. Insbesondere Wurzelkaries schreitet sehr schnell voran und ein zügiges präventives Eingreifen ist vonnöten, um den erkrankten Zahn langfristig zu erhalten. Hier bietet es sich an, auf spezielle Präparate mit hochkonzentrierten Wirkstoffen zurückzugreifen. Empfehlenswert ist zunächst die häusliche Anwendung einer hochkonzentrierten Zahnpasta mit 5.000 ppm Fluorid, die rezeptpflichtig ist und dem Patienten vom Zahnarzt bei Bedarf verordnet wird. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Aufrechterhaltung präventiver Interventionen (regelmäßiges Recall, hochfluoridierte Zahnpasta) insbesondere bei Menschen mit schwerer Demenz deutlich limitiert ist [Jokusch et al., 2022]. Eine umfassende Metaanalyse konnte zeigen, dass fünfprozentiger NaF-Lack am wirksamsten zur Verhinderung oder Remineralisierung nicht kavitierter kariöser Läsionen an bukkalen und lingualen Flächen war [Urquhart et al., 2019]. Daher bietet sich bei hohem (Wurzel-)Kariesrisiko eine regelmäßige Applikation von hochkonzentriertem Fluoridlack (22.500 ppm) an. Das Auftragen von Chlorhexidin-Lack (gegebenenfalls kombiniert mit Thymol, Fluorid, Cetylpyridiniumchlorid) auf die (Wurzel-)Kariesläsionen hat sich bei Patienten, die nicht mobil sind und keine Zahnarztpraxis mehr aufsuchen können, als wirksam erwiesen und kann bei pflegebedürftigen und bettlägerigen Patienten ebenfalls Anwendung finden [Slot et al., 2011]. Bei Patienten mit Schluckbeschwerden bietet es sich in manchen Fällen alternativ an, gelartige Fluoridpräparate oder Fluoridlacke zu verwenden, die lokal auf den Zähnen haften und nicht geschluckt werden können. Generell ist es möglich, Antiseptika (Mundspüllösungen, Gele, Lacke et cetera) [AWMF, 2021] bei geriatrischen Patienten zur Infektionsprophylaxe als Ergänzung zu systemischen Therapien – nebenwirkungsbedingt gegebenenfalls in zeitlich begrenztem Rahmen – einzusetzen [Scheibler et al., 2017], jedoch nur dann, wenn das korrekte Spülen und Ausspucken möglich ist, ansonsten besteht Aspirationsgefahr. In solchen Fällen bietet es sich an, die Mundhöhle mit einem getränkten Gazetupfer auszuwischen. Die Verwendung von Chlorhexidin kann die orale Kolonisierung verringern und bei geriatrischen Patienten vorteilhaft in der Prävention von Aspirations- oder beatmungsassoziierten Pneumonien sein, die mit oralen Pathogenen assoziiert sein können [Sharif-Abdullah et al., 2016; Shitrit et al., 2015]. zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (818) Auch rotierendes Instrumentarium kann in der aufsuchenden Betreuung eingesetzt werden – hier die Entfernung einer scharfen Kante mithilfe eines Mikromotors. Foto: mund-pflege e.V. (Hintergrund, Patient und ZFA KI-basiert modifiziert) KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 23: (NEU/2026) Bei geriatrischen Patienten mit hohem Risiko für (Wurzel)-Karies sollen zur Prävention spezielle hochkonzentrierte Fluoridpräparate (Zahnpasta, Gele, Lacke) Anwendung finden. Abstimmung: 18/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 18 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens Literatur: Urquhart O et al. 2019; Wierichs RJ et al. 2015; Slot DE et al. 2015 KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 24: (NEU/2026) Beim Einsatz von flüssigen Antiseptika zur Infektionsprophylaxe soll auf korrektes Spülen und Ausspucken geachtet werden, da ansonsten Aspirationsgefahr besteht. Abstimmung: 18/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 18 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens Literatur: Scheibler E et al. 2017; Sharif-Abdullah SS et al. 2016; Shitrit P et al. 2015 KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 25: (NEU/2026) Zur Behandlung von Wurzelkaries und Sekundärkaries an Restaurationsrändern (Kronen, Brücken, etc.) kann beim geriatrischen Patienten 1-2x jährlich Silberdiaminfluorid (SDF) angewendet werden. Abstimmung: 18/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 18 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens Literatur: Hendre AD et al . 2017; Urquhart O et al. 2019; Wierichs RJ et al. 2015
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