Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 10

ZAHNMEDIZIN | 57 Neben den bewährten präventiven Präparaten steht zum Beispiel mit 38 Prozent-Silberdiamminfluorid (SDF) eine weitere Option zur Behandlung von Wurzelkaries und Sekundärkaries an Restaurationsrändern (Kronen, Brücken et cetera) zur Verfügung. SDF wird in der Regel ein- bis zweimal jährlich aufgetragen und ist in Deutschland bisher lediglich zur Behandlung von überempfindlichen Zahnhälsen zugelassen. Wird es auf kariöse Läsionen aufgetragen, so besteht ein sogenannter „Off-Label-Use“, über den der Patient und gegebenenfalls der Angehörige aufgeklärt wird. Wichtig im Umgang mit SDF ist zudem, dass die kariösen Läsionen nach Applikation von SDF eine mehr oder weniger schwarze Verfärbung (je nach gewähltem Präparat mit oder ohne Ammoniak) annehmen, die nicht mehr entfernt werden kann. Bei einer Verwendung im sichtbaren Bereich ist dieser Punkt mit dem Patienten oder der Patientin zu besprechen. In speziellen Fällen ist die Verwendung von SDF hilfreich, denn es verhindert das schnelle Voranschreiten der Karies und kann Zahnverlust und zahnmedizinische Notfälle hinauszögern. Eine Metaanalyse konnte zeigen, dass eine 38-prozentige Silberdiamminfluoridlösung bei halbjährlicher Anwendung am wirksamsten zur Verhinderung fortgeschrittener kavitierter kariöser Läsionen auf allen koronalen Oberflächen beitrug [Urquhart et al., 2019]. Weitere systematische Übersichtsarbeiten belegen die Wirksamkeit von SDF bei der Prävention und Verhinderung von Wurzelkaries, der Remineralisierung tiefer okklusaler Läsionen und der Behandlung von hypersensiblem Dentin [Wierichs und Meyer-Lückel, 2015; Hendre et al., 2017]. Zahnersatz Für den Erfolg einer zahnärztlichprothetischen Behandlung mit der Eingliederung von meist abnehmbarem Zahnersatz spielt der Wunsch nach neuem Zahnersatz und die Adaptationsfähigkeit des Patienten eine wesentliche Rolle. Das Potenzial, sich an etwas Neues im Mund zu gewöhnen, ist bei geriatrischen Patienten geringer als bei jüngeren Patienten. An neue Prothesen – und seien die Veränderungen im Vergleich mit den alten Prothesen noch so gering – können sich ältere Patienten mitunter nicht adaptieren. Schon die Unterfütterung einer langjährig getragenen Prothese birgt das Risiko, dass diese nicht mehr angenommen wird. Selbst aufwendig gefertigter Zahnersatz, eventuell auch Implantat-unterstützt, wird nicht in allen Fällen problemlos toleriert. Risiken und Folgen der Nicht-Behandlung Bei der Abwägung der relativen Indikation zur Behandlung ist es wichtig, dass auch mögliche Folgen einer NichtBehandlung einfließen. Gerade die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Risiken unbehandelter chronischer entzündlicher Prozesse im Mund-, zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (819) KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 26: (NEU/2026) Die allgemeine und orale Adaptationsfähigkeit unter besonderer Berücksichtigung von abnehmbarem Zahnersatz ist von hoher Relevanz. Daher soll sie besonders in der zahnärztlichen Behandlungsplanung Berücksichtigung finden. Abstimmung: 18/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 18 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens Literatur: Nitschke, I. et al. 2021 KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 27: (NEU/2026) In die Abwägung der relativen Indikation zur Behandlung sollen auch die möglichen Folgen einer Nicht-Behandlung einfließen. Abstimmung: 18/0/0 (ja, nein, Enthaltung) – insg. 18 Stimmen starker Konsens Expertenkonsens busch-dentalshop.de Universal Kronentrenner mit besonders effektiver Diamantverzahnung • schnell • vibrationsarm • bruchfest Ideal für alle Metalle, NEM und Verblendkeramik. 20% Raba imSho bis 30.06.26

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