zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (892) 34 | ZAHNMEDIZIN al., 2023]. In der überwiegenden Mehrheit der benignen Speicheldrüsentumore ist das pleomorphe Adenom mit etwa 70 Prozent aller Fälle die häufigste Entität [Alsanie, 2022]. Die Verteilung der unterschiedlichen Speicheldrüsentumore, vor allem aber das Vorkommen maligner Tumore, hängt im Wesentlichen von der betroffenen Drüse ab: Während Tumore der Glandula parotis überwiegend gutartiger Genese sind, steigt die Malignitätsrate mit abnehmender Drüsengröße deutlich an [Son et al., 2018]. Dementsprechend nehmen Tumore der Glandula sublingualis eine Sonderstellung im klinischen Alltag ein und bedürfen einer eingehenden Diagnostik. Tumoren der kleinen Speicheldrüsen, insbesondere der Glandula sublingualis, weisen eine hohe Malignitätsrate auf, die in der Literatur mit bis zu 70 bis 90 Prozent angegeben wird [Alsanie, 2022; Zhang et al., 2024; AWMF, 2025). Daher sollte jede solide Raumforderung in diesem Bereich zunächst als malignitätsverdächtig eingestuft werden und bedarf einer eingehenden Diagnostik. Neben der empfohlenen sonografischen Untersuchung wird eine ergänzende magnetresonanztomografische Diagnostik als präoperatives Staging empfohlen [AWMF, 2025]. Die häufigsten malignen Tumore in der Glandula sublingualis entsprechen den generellen Verteilungsmustern der kleinen Speicheldrüsen und umfassen vorwiegend das Mukoepidermoidkarzinom und das adenoidzystische Karzinom [Alsanie, 2022]. Diese beiden Tumore zeichnen sich vor allem durch infiltratives Wachstum und besonders im Fall des adenoidzystischen Karzinoms durch eine perineurale Ausbreitungaus. Klinisch führt dies meist zu Schmerzen und neurologischen Ausfällen [Guzzo, 2010]. Benigne Speicheldrüsentumore wie das pleomorphe Adenom hingegen präsentieren sich meist als langsam progrediente, schmerzlose Raumforderung [Guzzo, 2010]. Eine rein klinische Differenzierung allein reicht jedoch nicht aus, so dass bildgebende Verfahren und eine Feinnadelaspirationszytologie (FNAC) eine zentrale Rolle in der präoperativen Diagnostik einnehmen. Dies wird auch in der aktuellen S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Speicheldrüsentumoren des Kopfes evidenzbasiert hervorgehoben [AWMF, 2025]. Eine FNAC wurde im vorliegenden Fall jedoch aufgrund der eindeutigen operativen Indikation bei progredienter Raumforderung und bildmorphologisch suspekter Läsion nicht durchgeführt. Das pleomorphe Adenom als häufigster benigner Speicheldrüsentumor weist in etwa 70 Prozent der Fälle in seiner Inzidenz einen Altersgipfel in der fünften bis siebten Lebensdekade auf, was mit dem vorgestellten Fall konsistent ist. Frauen sind dabei häufiger betroffen, je nach Literatur in etwa 60 bis 97 Prozent der Fälle [Kalwaniya, 2023; Menon et al., 2025; Lima, 2005]. Als mögliche Ursache für die weibliche Prädominanz wird ein hormoneller Einfluss aktuell Abb. 3: Darstellung des Befunds intraoperativ Foto: Universitätsmedizin Mainz FAZIT FÜR DIE PRAXIS n Raumforderungen der Glandula sublingualis sind aufgrund der hohen Malignitätsrate grundsätzlich als malignitätsverdächtig einzustufen. Auch seltene benigne Entitäten wie das pleomorphe Adenom müssen differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden. n Die primäre Diagnostik erfolgt klinisch und sonografisch. Die FNAC kann zur weiteren Differenzierung beitragen, während MRT oder CT der Ausdehnungsdiagnostik und Operationsplanung dienen. n Differenzialdiagnostisch stehen insbesondere maligne Speicheldrüsentumoren wie das Mukoepidermoidkarzinom, das adenoidzystische Karzinom und das Karzinom ex pleomorphem Adenom im Vordergrund. n Therapeutisch ist die vollständige chirurgische Entfernung indiziert. Bei Tumoren der Glandula sublingualis sollte in der Regel die komplette Exstirpation der Drüse unter Schonung von N. lingualis und Ductus submandibularis erfolgen.
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