Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

38 | TITEL DIAGNOSTIK UND BERGUNG VON ZAHNFRAGMENTEN NACH TRAUMA Keine dicke Lippe riskieren Ella Ohlsson, Adrian Perez, Mayte Buchbender, Kerstin Galler, Eva Maier Bei der Erstversorgung von Zahnunfällen steht naturgemäß die Frage nach versteckten Frakturen, Pulpaexpositionen und Dislokationsverletzungen im Vordergrund. Doch auch die Weichgewebe sollten nicht aus dem Blick geraten – nicht selten finden sich in der Lippe oder in den Wangen Fragmente von Zähnen, Restaurationen oder aus der Unfallumgebung eingetragenen Fremdkörpern. Dentale Traumata stellen für den Praxisalltag häufig eine große Herausforderung dar: Sie kommen unerwartet und außerhalb der Routine, wodurch selbst eingespielte Praxisteams vor schwierige Aufgaben gestellt werden können. Obwohl Zahnunfälle weltweit epidemiologisch in fast allen Altersgruppen ungefähr jede dritte bis vierte Person betreffen, ist die Akutversorgung für die behandelnden Zahnarztpraxen häufig kein Alltagsgeschäft und erfordert so einen erhöhten Zeit- und Ressourcenaufwand [Glendor, 2008]. Bei der Erstversorgung können sowohl Apps als auch strukturierte Diagnostikbögen, zum Beispiel der von der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) aktualisierte „Befundbogen Zahntrauma” helfen, alle relevanten anamnestischen sowie diagnostischen Informationen zu erfassen [DGET und DGZMK, 2025]. Dabei liegt der Fokus korrekterweise zunächst auf der Anamnese und dem „Traumabefund”, den Frakturen, der Pulpaexposition, sowie Dislokationsverletzungen der betroffenen Zähne und deren Parodontien. Anschließend wird unter dem Punkt „weitere Befunde” das Augenmerk (auch) auf die Weichgewebe wie Alveolarmukosa, Lippen und Gesichtshaut gelenkt. Wie bei avulsierten Zähnen immer nach dem Verbleib der Zähne gefragt werden muss, so sollte auch bei Frakturverletzungen geklärt werden, ob Zahnfragmente auffindbar waren. Im Idealfall sollte bereits am Unfalltag überprüft werden, ob die gefundenen Fragmente die betroffenen Zähne wieder vervollständigen können oder ob weitere Stücke fehlen. Neben Fundorten wie Spielplatz, Wohnzimmertisch oder eisglattem zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (896) Dr. Adrian Perez Zahnklinik 1 – Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Glückstr. 11, 91054 Erlangen adrian.pereztomas@uk-erlangen.de Foto: Zahnklinik 1, Uniklinikum Erlangen Dr. Ella Ohlsson Zahnklinik 1 – Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Glückstr. 11, 91054 Erlangen Ella.Ohlsson@uk-erlangen.de Foto: Zahnklinik 1, Uniklinikum Erlangen PD Dr. Eva Maier Oberärztin Zahnklinik 1 – Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Glückstr. 11, 91054 Erlangen Foto: Eva Maier PD Dr. Mayte Buchbender Fachärztin für Oralchirurgie, Privatdozentin Medizinische Fakultät Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Krankenhausstr. 12, 91054 Erlangen Foto: Uniklinikum Erlangen Prof. Dr. Kerstin Galler, Ph. D. Klinikdirektorin Zahnklinik 1 – Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Glückstr. 11, 91054 Erlangen Foto: Zahnklinik 1, Uniklinikum Erlangen

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