Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

TITEL | 39 Gehweg können Fragmente während des Zahnunfalls auch ins Weichgewebe (Lippen oder Wangen) versprengt werden. Anhand von drei Fallberichten präsentieren und diskutieren wir, mit welchen diagnostischen Möglichkeiten in die Weichgewebe versprengte Zahnfragmente diagnostiziert oder ausgeschlossen werden können und was es bei der chirurgischen Entfernung zu beachten gilt. Diagnose von Fragmenten in der Lippe Die Palpation allein ist zur Detektion von in die Lippe eingebetteten Zahnfragmenten häufig nicht ausreichend, da sie unmittelbar nach dem Trauma schmerzbedingt limitiert ist und im Verlauf narbig verändertes, derbes Gewebe die Befundung erschweren kann. Eine sorgfältige Anamnese und die klinische Inspektion bleiben dennoch essenziell, insbesondere bei Abb. 1: a: Zustand nach Kollision mit einem parkenden Fahrzeug beim Rennradfahren b: Riss-Quetschwunde mit Fremdkörpern, vermutlich Schotter c und d: Einzelzahnaufnahmen zum Ausschluss von Wurzelfrakturen; Verschattungen vereinbar mit Zahnfragmenten (Pfeile) e: Weichgewebsröntgen bestätigt Verdacht auf ins Gewebe versprengte Fragmente f: Zahn-/Kompositfragment im Weichgewebe der Oberlippe Foto: Zahnklinik 1 - Zahnerhaltung und Parodontologie, Erlangen zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (897) PATIENTENFALL 1 KOMPOSITFRAGMENT IN DER LIPPE In manchen Fällen lassen sich Fremdkörper nach einem Frontzahntrauma bereits klinisch relativ eindeutig identifizieren. So stellte sich ein 76-jähriger Patient nach einem Fahrradunfall im zahnärztlichen Notdienst des Universitätsklinikums Erlangen vor. Er war mit etwa 20 km/h auf dem Rennrad mit einem parkenden Fahrzeug kollidiert. Neben multiplen isogingivalen Kronenfrakturen im Oberkiefer und dem Verlust einer großspannigen Zirkonoxidversorgung (Abbildung 1a) bestanden oberflächliche Schürfwunden im Gesichts- und Kinnbereich. Während initial verständlicherweise die dentale Versorgung im Vordergrund stand, zeigten sich bei der genauen Inspektion der Unterlippe kleine Fremdkörperanteile, vermutlich Schotter, in einer RissQuetschwunde (Abbildung 1b). Ergänzend ergaben sich im Einzelzahnfilm zum Ausschluss von Wurzelfrakturen Verschattungen im Bereich der Oberlippe, die den Verdacht auf eingebrachte Fragmente lenkten (Abbildungen 1c und 1d). Ein gezieltes Weichgewebsröntgen, durchgeführt mit einer im Vestibulum positionierten Speicherfolie bei weitgehend geschlossenen Lippen, bestätigte diesen Befund (Abbildung 1e). In der Folge konnten zwei Zahn- beziehungsweise Kompositfragmente in der Oberlippe identifiziert (Abbildung 1f) und komplikationslos mittels Pinzette entfernt werden. Nach Spülung der Wunden mit Kochsalzlösung und der Ablehnung einer Nahtversorgung durch den Patienten konnte dieser zur Traumanachsorge und Weiterbehandlung zu seinem Hauszahnarzt überwiesen werden. a c d b e f

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