40 | TITEL zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (898) Abb. 2: a: Schneidezähne mit Schmelzfrakturen nach einem Sturz auf dem Pausenhof, b: Intraoral sichtbare Einbisse in der Unterlippe, c: Auch extraoral sind an der Grenze des Lippenrots Verletzungen zu sehen. d: Einzelzahnfilm mit Verschattung, vereinbar mit Zahnfragmenten in der Unterlippe, e: Die Fragmente wurden in Zusammenarbeit mit einer Oralchirurgin geborgen. Fotos: Zahnklinik 1 - Zahnerhaltung und Parodontologie, Erlangen PATIENTENFALL 2 ZAHNHARTSUBSTANZEN IN DER UNTERLIPPE Der Patient war acht Jahre alt und ein bei Zahnunfällen „typischer Wiederholungstäter” – er wurde das erste Mal in der Zahnerhaltung und Parodontologie vorstellig, als er sich beim Trampolinspringen mit seinem eigenen Knie den Zahn 31 vollständig avulsiert hatte. Der Zahn wurde alio loco replantiert, die aufgrund des abgeschlossenen Wurzelwachstums notwendige Wurzelkanalbehandlung wurde eingeleitet. Zwei Tage bevor der Patient für die definitive Wurzelkanalfüllung an Zahn 31 terminiert war, kam er erneut in die Hochschulambulanz. Er war auf dem Pausenhof gestolpert und auf eine Steinplatte gestürzt. Klinisch waren an den Zähnen lediglich Konkussionen und schmelzbegrenzte Frakturen an den mittleren oberen Schneidezähnen zu erkennen (Abbildung 2a). Bei der Untersuchung der intraoralen Weichgewebe und der extraoralen Haut imponierten jedoch Einbissspuren auf der Innenseite der Unterlippe (Abbildung 2b) und am Rand des Lippenrots extraoral (Abbildung 2c). Ein angefertigtes Röntgenbild (EZ-Film 3 cm x 4 cm, Aufbiss von kaudal mit Unterlippe, vom Patienten aufgespannte Unterlippe, Belichtungszeit 0,06 ms) zeigte multiple Verschattungen isodens zu den umliegenden Zahnhartsubstanzen in der Unterlippe auf Höhe des mit einer medikamentösen Einlage versorgten Zahnes 31 (Abbildung 2d). Gemeinsam mit einer Oralchirurgin wurden die Fragmente unter Lokalanästhesie mit stumpfer Präparation der umliegenden Weichgewebe und der muskulären Strukturen sowie ausführlicher physiologischer Kochsalzspülung vorsichtig entfernt (Abbildung 2e). Die intraoralen Verletzungen wurden mit resorbierbaren Nähten versorgt, die extraoralen Wunden mit Wundnahtstreifen fixiert. Im Verlauf zeigte sich eine komplikationslose Heilung, auch bei Nachkontrollen nach sieben Jahren war der Patient weiterhin beschwerdefrei, obwohl sich intraoral eine leichte Vorwölbung der Weichgewebe (Abbildung 3a) und extraoral ein blasser Narbenzug zeigten (Abbildung 3b). a c d b e
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