50 | ZAHNMEDIZIN PRODUKTCHECK KARIESPRÄVENTION Ist Fluorid ersetzbar? Stefan Zimmer, Mozhgan Bizhang Fluorid ist seit Jahrzehnten der Goldstandard der Kariesprävention. Doch neue Wirkstoffe wie Hydroxylapatit, Keratin oder selbstorganisierende Peptide treten zunehmend mit dem Anspruch an, eine Alternative zu sein. Was davon ist belastbare Evidenz – und was eher Hoffnung, Marketing oder Laborversprechen? Und gibt es tatsächlich Gründe, Fluorid zu ersetzen? Alternativen zu Fluorid In den vergangenen Jahren wurde das seit Langem bekannte und in Mundhygieneprodukten eingesetzte Hydroxylapatit verstärkt als Wirkstoff zur Kariesprävention und als Ersatz für Fluorid vermarktet. Andere Wirkstoffe, wie die sogenannten Self assembling peptides, Tyrosinerich amelogenin peptide (TRAP) und neuerdings Keratin wurden neu in die Zahnmedizin eingeführt. Wie muss man diese Wirkstoffe im Hinblick auf ihre kariespräventive Wirkung bewerten? Wirkstoffe, die nur als Additiv und die Fluoridwirkung ergänzend Mundhygieneprodukten zugesetzt werden, wie Zink, Arginin oder Xylit, sind nicht Gegenstand dieser Abhandlung. Hydroxylapatit In den vergangenen Jahren wurde vermehrt nanopartikuläres ZinkkarbonatHydroxylapatit (HAP) in Zahnpasten und Mundspüllösungen als Alternative zu Fluorid zur Kariesprophylaxe proklamiert. Hydroxylapatit ist der mineralische Hauptbestandteil von Schmelz und Dentin. Mehrere In-vitro- [Guntermann et al., 2022; Wierichs et al., 2025], In-situ- [Hannig und Hannig, 2010; Hannig et al., 2013] und klinische Studien wurden durchgeführt, um eine Gleichwertigkeit der beiden Wirkstoffe zu belegen. Die klinischen Studien wiesen jedoch durchgängig methodische Mängel auf, so dass weder sie noch darauf basierende Metaanalysen einer kritischen Würdigung standhalten und einen belastbaren Beleg für die Wirksamkeit von nanopartikulärem Hydroxylapatit darstellen [Amaechi et al., 2019; Chatzidimitriou et al., 2025; Limeback et al., 2021; Paszynska et al., 2021, 2023; Pawinska et al., 2024; Schlagenhauf et al., 2019]. Eine Übersichtsarbeit, in der die möglichen Wirkmechanismen von Hydroxylapatit diskutiert und die vorliegenden In-vitro- und klinischen Studien bewertet wurden, mündete in der Schlussfolgerung, dass es bislang keine Hinweise darauf gibt, dass fluoridfreie Hydroxylapatit-Produkte unter kariogenen Bedingungen effektiv sind [Ganß et al., 2023]. Auch ein unabhängiger systematischer Review mit Metaanalyse kam zu dem Ergebnis, dass die geringe Anzahl klinischer Studien, die relativ kurzen Nachbeobachtungszeiträume, das hohe Risiko einer Verzerrung und der begrenzte Grad der Evidenz keine schlüssigen Beweise für Foto: Telly-stock.adobe.com zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (908)
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