Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

ZAHNMEDIZIN | 51 die Wirksamkeit von nanopartikulärem Hydroxylapatit zulassen [Wierichs et al., 2022]. Allerdings scheint nanopartikuläres Hydroxylapatit großes Potenzial zu haben, White-Spot-Läsionen zu remineralisieren. In einer klinischen Studie mit 100 Kindern wurde eine nanopartikuläre Hydroxylapatit-Paste mit einer negativen Kontrolle und folgenden Produkten verglichen: CaseinPhosphopeptid, Amorphes Calciumphosphat Paste (CPP-ACP), CPP-ACP mit Fluorid (MI-Paste) und 1,23-prozentiges angesäuertes Phosphatfluoridgel (APF). Die Kinder betrieben eine gute überwachte Mundhygiene mit Fluoridzahnpasta und Zahnseide. Die Produkte wurden jeweils zweimal täglich für die Dauer eines Monats angewendet. Das Ausmaß der Remineralisation wurde mit Laserfluoreszenz (Diagnodent) gemessen. Außerdem wurde die Farbveränderung mit dem Vita Easyshade spectrophotometer ermittelt. Nach einem Monat zeigte die Hydroxylapatit-Paste das beste Resultat bezüglich der Remineralisation, allerdings keine signifikante Farbverbesserung [El Mansy et al., 2025]. Hydroxylapatit in Kombination mit Fluorid Grundsätzlich kann Hydroxylapatit in Mundhygieneprodukten auch mit Fluorid kombiniert werden. Allerdings funktioniert das nur mit Fluoridverbindungen, in denen das Fluor-Ion kovalent gebunden ist. Ionisch gebundenes Fluorid wie Aminfluorid (AmF), Natriumfluorid (NaF) und Zinnfluorid (SnF2) reagiert in Gegenwart von Kalziumverbindungen zu schwer löslichem Kalziumfluorid. Damit würde das Fluorid bereits in der Zahnpastatube weitgehend inaktiviert werden. Monofluorphosphat (MFP) ist demgegenüber in Gegenwart von Kalziumverbindungen chemisch stabil [Forward, 1980]. Der Grund dafür ist, dass das Fluor-Ion im MFP fest an das Phosphat gebunden ist. Daher muss es aber auch in der Mundhöhle enzymatisch durch Phosphatasen abgespalten werden, was nur langsam und meist unvollständig geschieht. Ionisch gebundene Fluor-Ionen werden demgegenüber rasch und vollständig freigesetzt. Da für die Wirksamkeit von Fluorid an der Zahnoberfläche das frei verfügbare Fluor-Ion (F-) entscheidend ist, ist MFP in Zahnpasten klinisch weniger wirksam als NaF. In einer klinischen Dreijahresstudie mit 5.474 Kindern konnte für eine NaFZahnpasta mit 2.000 parts per million (ppm) Fluorid eine um 13 Prozent bessere Wirksamkeit im Vergleich zu einer MFP-Zahnpasta mit 2.000 ppm Fluorid gezeigt werden [Marks et al., 1994]. Wenn also Hydroxylapatit mit Fluorid in Zahnpasten oder Mundspüllösungen kombiniert werden soll, kann nur das gegenüber NaF und anderen ionischen Fluoridverbindungen weniger wirksame MFP Verwendung finden. Klinische Studien, in denen solche Verbindungen eingesetzt wurden, haben sowohl in Bezug auf die Kariesprävention als auch in Bezug auf die Remineralisation vorhandener Initialläsionen eine bessere Wirksamkeit der Kombination MFP plus HAP gegenüber MFP allein gezeigt [Cagetti et al., 2022; Cocco et al., 2025]. Ob dieser Vorteil im Vergleich mit einer vergleichbaren Zahnpasta mit NaF oder einer anderen ionisch gebundenen Fluoridverbindung bestehen bleibt, müsste in klinischen Studien erst noch gezeigt werden. Keratin Keratin ist ein wasserunlösliches Strukturprotein, das zu etwa 90 Prozent aus Eiweißmolekülen besteht. Es ist der Grundbaustein für Haare, Nägel und die Haut. Keratin ist elastisch, reißfest und wird vom menschlichen Körper selbst produziert. Zu industriellen Zwecken wird es meist aus tierischen Quellen wie Wolle, Federn oder Hörnern gewonnen. Wissenschaftler konnten 2014 epitheliales Haar-Keratin (KRT75) in Ameloblasten und der organischen Schmelzmatrix nachweisen. Kinder und zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (909) FLUORID IN DER KARIESPRÄVENTION Da Karies durch das Zusammenspiel von zuckerreicher Ernährung und zahnadhärenten bakteriellen Zahnbelägen entsteht, erscheint es logisch, dass die Erkrankung durch eine gesunde Ernährung und eine perfekte Mundhygiene verhindert werden kann. Für eine gesunde, kariespräventive Ernährung ist es jedoch erforderlich, die Zuckerzufuhr auf ein sehr niedriges Niveau zu reduzieren. Ein systematischer Review zeigte einen kariespräventiven Effekt erst, wenn der jährliche Pro-Kopf-Konsum unter 15 bis 20 kg liegt [Moynihan et al., 2014]. In Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Konsum von Zucker aktuell bei 33,2 kg und somit deutlich höher [Statista, 2026]. Bleibt die theoretische Option, Karies durch die vollständige Entfernung des oralen Biofilms zu vermeiden. Allerdings zeigten klinische Studien wiederholt, dass es im Rahmen der häuslichen Mundhygiene kaum möglich ist, die Zähne perfekt vom Biofilm zu befreien. Im Gegenteil: Selbst nach individuell optimaler Biofilm-Entfernung bleiben (je nach Alter der Probanden) über 50 Prozent, in Subgruppen teilweise über 60 Prozent der Beläge zurück [Deinzer et al., 2025]. Daher ist die mechanische Mundhygiene allein nicht imstande, Karies vorzubeugen. Sie ist nur in Kombination mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta kariespräventiv wirksam und besitzt dann auch eine eigenständige additive Wirkung [Mathiesen et al., 1996]. Die besondere Bedeutung von Fluorid in der Kariesprophylaxe wird durch die Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen“ der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde [DGZMK, 2025] sowie durch das Positionspapier der American Association for Dental, Oral, and Craniofacial Research (AADOCR) bestätigt. Die AADOCR benennt die Verwendung verschiedener fluoridhaltiger Wirkstoffe als wichtige Strategie zur Vorbeugung von Zahnkaries [Arany et al., 2026].

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