Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

ZAHNMEDIZIN | 53 Wierichs et al. berücksichtigte sieben Studien. Davon wurden sechs ebenfalls in den beiden Metaanalysen aus dem Jahr 2023 inkludiert. Die Analyse von Keeper et al. aus dem Jahr 2023 schloss sechs Studien ein, die auch in der Arbeit von Rathore et al. aus dem gleichen Jahr mit insgesamt acht inkludierten Studien sowie in der Arbeit von Wierichs et al. berücksichtigt wurden. Insgesamt basieren die drei Metaanalysen also auf acht Studien. In sechs dieser Studien dienten Fluoridlacke mit 22.600 ppm Fluorid als Kontrolle, in den verbleibenden zwei jeweils FluoridZahnpasten mit 1.450 ppm Fluorid und in einer der beiden Studien ergänzend eine Prophylaxepaste mit 12.300 ppm Fluorid. In drei Studien wurden die Self assembling peptides in Kombination mit Fluoridlack mit 22.600 ppm Fluorid angewendet. In zwei Metaanalysen fielen aufgrund eines hohen Verzerrungsrisikos der eingeschlossenen Studien (sechs von sieben [Wierichs et al., 2021] beziehungsweise vier von acht [Rathore et al., 2023]) die Schlussfolgerungen sehr zurückhaltend aus und es konnte kein gesicherter Nutzen für die Anwendung des Produkts mit Self assembling peptides festgestellt werden. Die dritte Metaanalyse kam, obwohl sie auf sechs Studien basierte, die ebenfalls in den beiden anderen Metaanalysen bewertet wurden, zu einer deutlich günstigeren Schlussfolgerung. Zwar wurde auch hier auf das in allen Studien vorhandene Risiko einer systematischen Verzerrung hingewiesen, zum Beispiel, weil Untersucher nicht verblindet waren. In der Schlussfolgerung wurde jedoch konstatiert, dass Curodont Repair wahrscheinlich klinisch relevante Auswirkungen auf den Kariesstillstand und die Verkleinerung von Läsionen habe und dass es eine vielversprechende Behandlungsmethode für initiale Kariesläsionen sei [Keeper et al., 2023]. Das attributable Risiko, das hier angibt, wie viele Fälle einer Progression initialer Kariesläsionen durch die Anwendung der Self assembling peptides im Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten vermieden werden können, wurde mit 45 Prozent angegeben. Die mittlere Reduktion der Läsionsgrößen wurde mit 32 Prozent und das relative Risiko für die Bildung einer Kavität mit 0,32 angegeben, was bedeutet, dass in 68 Prozent der Fälle im genannten Zeitraum eine Kavitätenbildung vermieden werden konnte. Unabhängig von der – ungeklärten – Frage, ob Self assembling peptides für die mikroinvasive Therapie von Initialläsionen empfohlen werden können, muss hier darauf hingewiesen werden, dass Produkte, die eine Remineralisation fördern und/oder das Fortschreiten einer kariösen Läsion hemmen können, nicht automatisch auch einen kariespräventiven Effekt haben. Karies entsteht immer beim fortgesetzten Vorliegen von kariogenen Bedingungen. Klinische Studien zur Remineralisation von Initialläsionen werden aber typischerweise unter eher gering kariogenen Bedingungen durchgeführt. Tyrosine-rich amelogenin peptide (TRAP) Das tyrosinreiche Amelogenin-Peptid (TRAP) ist ein Hauptprodukt der enzymatischen Hydrolyse von Amelogenin während der Zahnschmelzentwicklung und spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung und der Remineralisation von Zahnschmelz. Dabei interagiert es mit Kalzium- und Phosphor-Ionen und stabilisiert diese in einer amorphen Form, was die Bildung von Hydroxylapatitkristallen unterstützt. In vitro konnte gezeigt werden, dass TRAP die Remineralisation von Initialläsionen fördert [Fan et al., 2012]. TRAP gehört also wie die Self assembling peptides zu den Substanzen, die primär eine Option für die mikroinvasive Therapie darstellen. In einer In-vitro-Studie wurden RinderSchmelzproben demineralisiert und anschließend mit einer von vier Lösungen behandelt: (1) Remineralisationslösung, (2) Schweine-Amelogenin (100 Mikrogramm pro Milliliter), (3) TRAP (100 Mikrogramm pro Milliliter) und (4) Natriumfluorid (2 ppm). In den Gruppen 2 bis 4 kam ebenfalls Remineralisationslösung zum Einsatz. Gemessen wurden die Veränderungen der Läsionstiefe und der Mineralgewinn. Sowohl in der Reduzierung der Läsionstiefe als auch im Mineralgewinn war die Behandlung mit Fluorid statistisch signifikant wirkungsvoller als die Behandlung in den anderen drei Gruppen, obwohl die Fluoridkonzentration sehr niedrig war. TRAP und SchweineAmelogenin unterschieden sich nicht und führten zu statistisch signifikant besseren Ergebnissen als die in Gruppe 1 eingesetzte Remineralisationslösung [Li et al., 2023]. Aus der gleichen Forschergruppe stammt eine anschließend ebenfalls mit bovinen Schmelzproben durchgeführte In-situ-Studie. Nach der Demineralisation wurden die Proben in drei Gruppen mit folgenden Lösungen behandelt: (A) deionisiertes Wasser (DDW, Negativkontrolle), (B) rekombinantes Amelogenin-Peptid TRAP (100 Mikrogramm pro Milliliter) und (C) Natriumfluorid (2 ppm). Die In-situRemineralisationsphasen wurden dreimal durchgeführt und erstreckten sich jeweils über 14 Tage. Zum Abschluss wurde die Zunahme der Oberflächenhärte nach Remineralisation gemessen. Fluorid führte zu statistisch signifikant besseren Werten als TRAP, das wiederum zu signifikant besseren Ergebnissen als deionisiertes Wasser führte [Bai et al., 2025]. Klinische Studien zur Wirksamkeit von TRAP liegen nicht vor. Eine relevante klinische Wirksamkeit als potenzieller Wirkstoff zur mikroinvasiven Therapie konnte also bislang für TRAP nicht nachgewiesen werden. Eine kariespräventive Wirkung wurde bisher nicht untersucht. Gibt es Gründe, Fluorid zu ersetzen? Gründe, eine Wirksubstanz durch eine neue zu ersetzen, können sein: n eine bessere Wirksamkeit bei maximal gleichen Nebenwirkungen n geringere Nebenwirkungen bei mindestens gleicher Wirksamkeit zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (911) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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