Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 11

ZAHNMEDIZIN | 55 Deutschland bei Berücksichtigung aller Quellen teilweise deutlich unterhalb der akzeptablen täglichen Aufnahmemengen [EFSA Scientific Committee und Bennekou et al., 2025]. Die in Tabelle 1 dargestellten Daten sind der EFSA-Publikation entnommen. n Tabelle 2 stellt einigen häufigen Behauptungen zu möglichen schädlichen Wirkungen von Fluorid die wissenschaftlichen Fakten gegenüber. Fazit Fluorid in Mundhygieneprodukten und Produkten für die professionelle Prävention ist unverzichtbarer Bestandteil einer bevölkerungsweit wirksamen Kariesprophylaxe. Ein Großteil der Erfolge, die in der Kariesprävention in den vergangenen Jahrzehnten erreicht wurden, ist dem Einsatz von Fluorid zu verdanken. Die Risiken, die mit der Verwendung von Fluoridpräparaten einhergehen, sind minimal und im Vergleich zu ihrem Nutzen vernachlässigbar. Eine Aufgabe der zahnmedizinischen Forschung besteht darin, immer wirkungsvollere, nebenwirkungsärmere und kostengünstigere Produkte für die zahnmedizinische Versorgung der Bevölkerung zu entwickeln und zu prüfen. Insofern ist es zu begrüßen, dass neue potenzielle Wirkstoffe zur Kariesprävention entwickelt und getestet werden. Bislang ist jedoch kein Wirkstoff verfügbar, der Fluorid gleichwertig ersetzen könnte. n zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (913) BEHAUPTUNGEN UND FAKTEN ZU FLUORID Behauptung Fakten Fluorid ist ein Gift n Paracelsus (1494-1541): n „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift.“ n Was wirkt, hat auch Nebenwirkung: n Ziel ist immer eine Nutzen-Schaden-Abwägung n Vergiftungsrisiko besteht praktisch nicht: Kleinstkind müsste mindestens ganze Tube Erwachsenenzahnpasta aufessen Fluorid verursacht Fluorose n Fluorose hat keinen Krankheitswert n Risiko durch empfohlene Dosierung vor allem in den ersten beiden Lebensjahren auch bei vollständigem Verschlucken minimiert n Bei Einhaltung dieser Dosierung allenfalls ästhetisch nicht störende Fluorosegrade n Fluorose-Risiko nur bis zum Durchbruch der ersten bleibenden Zähne Fluorid verursacht Krebs n Seit etwa 50 Jahren immer wieder Behauptungen, die auf einer Fehlinterpretation von Krebsdaten beruhten [Yiamouyiannis, 1977]. n Das nationale Krebsforschungsinstitut der USA widerlegte diese Behauptungen und auch der Oberste Gerichtshof der USA wies die Behauptungen zurück. n Auch nach neuesten Meta-Analysen kein konsistenter Hinweis, dass Fluorid im Trinkwasser das Knochenkrebsrisiko erhöht [Hajduga et al., 2025] Fluorid führt zu Verkalkung der Zirbeldrüse n Zirbeldrüse produziert Hormon Melatonin, reguliert Schlaf-Wach-Rhythmus n Normaler Alterungsprozess führt zu einer gewissen Verkalkung n Verkalkte Zirbeldrüse zeigt erhöhten Fluoridgehalt, Einlagerung vermutlich Folge und nicht Ursache der Verkalkung n keine Beweise, dass Fluorid Funktion der Zirbeldrüse beeinträchtigt n Schlaf wird nicht gestört [Cunningham et al., 2021; Malin et al., 2019] n Nur systemisch aufgenommenes Fluorid kann eingelagert werden; Mengen in Deutschland sehr niedrig Fluorid verursacht reduzierte Intelligenz bei Kindern n Meta-Analyse von Januar 2025 zeigt möglichen Zusammenhang zwischen systemischer Fluoridexposition von Schwangeren und Kleinkindern und IQ der Kinder [Taylor et al., 2025] n Geringere IQs von 0,15 bis 1,63; Normalwert = 100; wurde nur bei Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser von mehr als 1,5 ppm gefunden und diese Konzentrationen betreffen selbst in de USA nur 4,5 Prozent der Bevölkerung [Hefferon et al., 2024] n Schwellen werden in Deutschland nicht erreicht n Meta-Analyse bei Jugendlichen, die den empfohlenen Mengen an Fluorid im Trinkwasser (0,7 bis 1,2 ppm) teilweise oder während ihrer gesamten Kindheit einschließlich Zeit der Empfängnis ausgesetzt waren, zeigten in der weiterführenden Schule eine leicht bessere kognitive Leistung (circa sieben Prozent) als Kinder ohne systemische Fluoridexposition [Warren et al., 2025]. Tab. 2 Quelle: Zimmer

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