PRAXIS | 65 bAV angeboten wird, dann muss sie allen Mitarbeitenden angeboten werden. Sie darf aber beispielsweise je nach Betriebszugehörigkeit oder Qualifikation anders ausfallen.“ Bei einer Entgeltumwandlung – das heißt, der Mitarbeitende möchte aus seinem Bruttogehalt einen Teil in eine bAV anlegen – sollte der Arbeitgeber dies immer über eine sogenannte Entgeltumwandlungsvereinbarung gegenüber seinem Mitarbeitenden schriftlich dokumentieren und in der Personalakte ablegen. So sind spätere Missverständnisse ausgeschlossen. Zur Veranschaulichung hat Stergiopoulos eine Beispielkalkulation mit und ohne bAV angestellt (linke Seite): Zentrale Hebel sind Rendite undZeit Stergiopoulos verweist auf zwei weitere zentrale Hebel: Rendite und Zeit. „Konnten früher noch eher konservative Anlageformen ausreichende Renditen erwirtschaften, so sind wir längst in einer Niedrigzinsphase verhaftet, die selbst im langfristigen Bereich kaum noch mehr als 3 Prozent Zins verspricht. Berücksichtigt man dann noch eine Inflationsrate von 2 bis 2,5 Prozent, dann bleibt kaum noch eine Real-Verzinsung der Beiträge übrig." Daher plädieren Experten bereits seit Jahren dafür, die Altersvorsorge renditeorientierter am Kapitalmarkt zu investieren. Durch eine breite Diversifizierung, beispielsweise durch die Anlage in einen oder mehrere Fonds, reduziere man das Kapitalmarktrisiko deutlich und erhalte dennoch spürbar höhere Renditechancen von rund 4 bis 6 Prozent, so der Versicherungsexperte. Aber Vorsicht: „Bei der Auswahl der richtigen Fonds sollte man immer sein individuelles Sicherheitsbedürfnis und seine Chancenorientierung berücksichtigen!“ Darüber hinaus sei die Zeit ein wichtiger Faktor: „Einerseits zeigt sich, dass langfristiges Investieren am Kapitalmarkt ab zehn bis 15 Jahren Laufzeit immer positive Rendite bringt. Das heißt, negative Schwankungen gleichen sich über den Zeitverlauf aus (Grafik). Und wenn wir das angelegte Geld einfach für sich arbeiten lassen, dann tragen die angesammelten Zinsen beziehungsweise die erwirtschaftete Rendite ebenfalls zur Kapitalsteigerung bei. Denn auch der Ertrag aus dem ersten Jahr wird dann Jahr für Jahr mit verzinst beziehungsweise an der Gesamtrendite beteiligt." Dies führe dazu, dass gerade die letzten 10 bis 15 Jahre vor dem vorgesehenen Rentenbeginn enorme Wertsteigerungen durch die bis dahin angesammelten Zinsen möglich sind. Durchhalten und diszipliniertes Ansparen lohnten sich daher beim Aufbau der Altersvorsorge mehrfach. Fazit „Für das Praxis-Team ist eine solche Zusatzleistung wie eine betriebliche Altersversorgung nicht nur ein Zeichen der Wertschätzung und ein Instrument, Fachkräfte langfristig an die eigene Praxis zu binden, sondern auch ein enormer Vorteil bei der Personalsuche und in Bewerbungsverfahren“, sagt der Experte. Eine solche Zusatzleistung könne eine Praxis von den Mitbewerbern am Markt deutlich abheben und die Attraktivität als Arbeitgeber enorm steigern, so Stergiopoulos. Denn Fachkräfte zu halten sei von der Kostenseite her gesehen für Zahnärzte wesentlich günstiger, als neues Personal zu finden, ins Team zu integrieren und entsprechend einzuarbeiten. „Daher ist es immer günstiger, die Mitarbeitenden, die bereits in der Praxis arbeiten, zu fördern und weiterzuentwickeln. Denn Mitarbeiterförderung ist auch immer Unternehmensförderung!“ LL zm116 Nr. 11, 01.06.2026, (923) Anlage am Kapitalmarkt: Ausdauer zahlt sich aus 1 -43,9 -9,4 -1,5 2,3 3,3 4,9 6,8 8,5 10,3 Maximale Rendite Minimale Rendite Laufzeit in Jahren Renditedurchschnitt 13,5 15,2 15,4 16,5 29,8 10,4 84,1 50 10 15 20 25 30 8,9 8,6 8,5 8,9 8,7 Der Zinseszinseffekt wirkt umso stärker, je länger man investiert bleibt. Schon ab 15 Jahren ist selbst die minimale Rendite positiv. Quelle: Ärzteversicherung
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