POLITIK | 21 Darüber hinaus erkranken 63 Prozent der zuvor parodontal gesunden jüngeren Erwachsenen im Beobachtungszeitraum. Auch die Sondierungstiefen nehmen im Erwachsenenalter doppelt so stark zu wie bei Seniorinnen und Senioren. Parodontitis bei Senioren Jüngere Seniorinnen und Senioren weisen eine hohe parodontale Krankheitslast auf: 85 Prozent dieser Altersgruppe sind von Parodontitis betroffen. Gleichzeitig verschiebt sich die Erkrankungsschwere in höhere Stadien, sodass jeweils etwa ein Viertel der 65bis 74-Jährigen an einer moderaten, einer schweren oder einer sehr schweren Form der Erkrankung leidet. Etwa fünf Prozent der jüngeren Seniorinnen und Senioren sind zahnlos. Parodontal gesunde Verhältnisse treten in dieser Altersgruppe nicht mehr auf. Allerdings können nach den Kautelen der wissenschaftlichen Klassifikation knapp zehn Prozent nicht klassifiziert werden, zum Beispiel wegen überkronter Zähne. In diesem Lebensabschnitt ist eine langsame Erkrankungsprogression nur noch bei leichten Erkrankungsformen zu erwarten. Überwiegend wird eine moderate Progression beobachtet. Mit zunehmender Erkrankungsschwere steigt jedoch auch die Geschwindigkeit der Krankheitsentwicklung. Bei schweren und sehr schweren Formen macht sie einen bedeutsamen Anteil aus (18 beziehungsweise 29 Prozent). Vorerkrankung als Risikofaktor für den Krankheitsverlauf Der Fortschritt einer Parodontalerkrankung hängt wesentlich vom bisherigen Erkrankungsverlauf ab. Bei Erwachsenen und Senioren ohne oder mit leichter Parodontitis nimmt die Sondierungstiefe innerhalb von neun Jahren um 0,3 mm beziehungsweise 0,5 mm zu. Bei schwerer Parodontitis zeigt sich dagegen in beiden Altersgruppen eine Abnahme der Sondierungstiefe. Dies lässt sich einerseits dadurch erklären, dass derzeit vor allem schwere parodontale Erkrankungen behandelt werden und sich dadurch die Sondierungstiefen verbessern können. Andererseits können stark betroffene Zähne teilweise nicht mehr erfolgreich therapiert werden und müssen extrahiert werden. Dies führt epidemiologisch ebenfalls zu einer Verringerung der durchschnittlichen Sondierungstiefe, da auch Zahnverluste mit zunehmender Erkrankungsschwere häufiger auftreten. Episodenhafter Verlauf der Parodontitis Die Ergebnisse der Bevölkerungsstudie unterstützen Erkenntnisse aus der experimentellen Epidemiologie chronischer Erkrankungen: Karies und Parodontitis verlaufen nicht linear, verschlechtern sich also nicht kontinuierlich, sondern wechseln zwischen Phasen der Stagnation und der Progression. In der Regel treten längere Phasen auf, in denen die Parodontitis stabil bleibt und gut kontrolliert werden kann. Diese werden jedoch durch kürzere Episoden mit erhöhter Krankheitsaktivität unterbrochen, in denen die Erkrankung rasch fortschreiten kann. Der grundsätzlich langsame und chronische Verlauf der Parodontitis zeigt sich beispielsweise darin, dass die durchschnittliche Tiefe der Zahnzm116 Nr. 12, 16.06.2026, (975) Erwachsene Seniorinnen und Senioren Zunahme Sondierungstiefe0,2mm Zunahme Sondierungstiefe0,1mm Schwere Parodontitis×2 63% 19% Inzidenz Parodontitis Progression zu schwerer Parodontitis Schwere Parodontitis×1,3 58% 24% Inzidenz Parodontitis Erwachsene: 35- bis 44-Jährige > 43- bis 52-Jährige| Seniorinnen und Senioren: 65- bis 74-Jährige > 73- bis 82-Jährige Parodontitiserfahrung mit CPI klassifiziert | Inzidenz/Progression: Anteil Personen (%) unter Risiko mit Neuerkrankung/Erkrankungsfortschritt nach 9 Jahren Progression zu schwerer Parodontitis Parodontitis Inzidenz und Progression bei Erwachsenen und Seniorinnen und Senioren Abb. 1: Inzidenz und Progression der Parodontitis bei Erwachsenen und Senioren Erwachsene: 35- bis 44-Jährige > 43- bis 52-Jährige | Seniorinnen und Senioren: 65- bis 74-Jährige > 73- bis 82-Jährige Keine/ leichte Parodontitis +0,3mm + 0,35 Zähne –0,3mm +1,8Zähne Sondierungstiefe Zahnverluste Schwere Parodontitis Erwachsene Seniorinnen und Senioren Keine/ leichte Parodontitis +0,5mm +1,1Zähne –0,3mm +3,2Zähne Sondierungstiefe Zahnverluste Schwere Parodontitis Parodontitisprogression in Abhängigkeit von der Erkrankungsschwere Abb. 2: Parodontitisprogression in Abhängigkeit von der Erkrankungsschwere
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