32 | ZAHNMEDIZIN SYLTER WOCHE 2026 Perfekt ist nicht perfektionistisch Unter dem Kongressmotto „Perfekte Zahnheilkunde für jedes Lebensalter“ bot die Sylter Woche vom 18. bis zum 22. Mai ein breites fachliches Programm – von der Kinderzahnheilkunde über Ernährung, Kieferorthopädie, KI und Mundschleimhautveränderungen bis zur Alterszahnheilkunde. Dass „perfekt“ nicht perfektionistisch heißt, machte Dr. Ralf Hausweiler, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, in seinem Grußwort deutlich. Das Kongressmotto spiegele gut wider, wie eng zahnmedizinische Ästhetik, Gesundheitsauftrag, Lebensqualität und gesellschaftliche Erwartungen miteinander verbunden seien. „Perfekt“ bedeute vielmehr individuell passend, medizinisch verantwortungsvoll und nachhaltig. Die Zahnmedizin entwickle sich rasant, sagte Hausweiler. Entscheidend bleibe dabei jedoch: „Neue Technologien müssen der zahnärztlichen Sorgfalt dienen, nicht sie ersetzen.“ Wie unterschiedlich Zahnmedizin je nach Lebensphase gedacht werden muss, zeigten die Fachvorträge: Prof. Dr. Dr. Greta Barbe aus Köln stellte „Prävention und Parodontitistherapie im hohen Alter“ vor dem Hintergrund eines deutlich steigenden Behandlungsbedarfs vor. Sie verwies auf die vorhandenen Instrumente wie Kooperationsverträge, präventive Leistungen nach § 22a SGB V, telezahnmedizinische Leistungen, die verkürzte PAR-Strecke sowie Schulungsmaterialien. Gerade Video-Sprechstunden, -Fallkonferenzen und -Konsile seien gut durchführbar und eben auch abrechenbar, würden bislang aber nur sehr selten genutzt. Bei Patienten mit Pflegegrad oder Eingliederungshilfe könne die verkürzte PAR-Strecke eine wichtige Option sein, wenn eine vollständige PA-Befundung nicht möglich ist. Essenziell bleibe die tägliche Mundhygiene. Barbe verwies zudem auf den signifikanten Einfluss schwerer parodontaler Erkrankungen auf das Mortalitätsrisiko und nannte als praktisches Schulungsangebot die Plattform mund-pflege.net. KFO bei Erwachsenen Prof. Dr. Sinan Şen aus Kiel nahm die kieferorthopädische Behandlung bei Erwachsenen in den Blick: Bekanntermaßen blieben Zähne lebenslang in Bewegung, zugleich liefen aber der Knochenumbau und die Gewebereaktion im Alter langsamer ab. Das Risiko für Knochenabbau, Rezessionen und schwarze Dreiecke steige. Erwachsene bräuchten daher eine sorgfältige Aufklärung über die Dauer, die Kosten, die Nebenwirkungen und die biologische Grenzen der Behandlung. Häufig kämen Vorschädigungen wie Parodontitis, Attachmentverluste, kariöse oder endodontische Befunde, Abrasionen oder pathologische Zahnwanderungen hinzu. Ziel sei deshalb nicht Perfektionismus, sondern „ein individuell sinnvolles Optimum“: Man müsse die biologischen Grenzen respektieren, interdisziplinär planen und die Patienten transparent einbeziehen. Warum die Zahnarztpraxis auch ein wichtiger Ort allgemeinmedizinischer Prävention und Früherkennung ist, erläuterte Prof. Dr. Dominik Schulte aus Kiel. Orale Befunde „können Hinweise auf systemische Erkrankungen geben“ – etwa bei familiärer Hypercholesterinämie. Auch Xanthelasmen oder ein Arcus corneae könnten bei der Behandlung in der Zahnarztpraxis frühzeitig auffallen und Anlass sein, den Patienten zur internistischen Abklärung weiterzuleiten, bevor es zu kardiovaskulären Ereignissen kommt. Auch die Notfallmedizin müsse altersgerecht gedacht werden: So stünden bei Kindern Fieberkrampf, Atemnot und allergische Reaktionen im Vordergrund. Dabei könnten Auf der Sylter Woche drehte sich in diesem Jahr alles um die „Perfekte Zahnheilkunde für jedes Lebensalter“. Foto: Zahnärztekammer Schleswig-Holstein zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (986)
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