Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

ZAHNMEDIZIN | 33 Kinder sehr lange kompensieren und würden dann plötzlich kippen. Jugendliche fielen eher mit psychischen Krisen, Essstörungen, Suizidgedanken oder Alkohol- und Drogenintoxikationen auf. Bei Erwachsenen seien Herzinfarkt, Schlaganfall, Luftnot und Panikattacken typische NotfallSzenarien. In der Geriatrie wären Stürze, Verwirrtheit und Multimorbidität relevant. Wichtig sei es bei älteren Patienten zu beachten, dass diese oft atypische Symptome haben – ein Herzinfarkt könne hier auch ohne klassischen Brustschmerz verlaufen. Praxis-Notfälle: oft stressbedingt Zugleich betonte Schulte, dass rund 75 Prozent der häufigsten medizinischen Notfälle in der Zahnarztpraxis stressbedingt seien. Besonders hob er geschlechtsspezifische Unterschiede hervor: Herzinfarkte bei Frauen können sich etwa durch Schwindel, Übelkeit, Oberbauchschmerzen, extreme Erschöpfung oder plötzliche Kieferschmerzen zeigen. Red Flags sind für Schulte ein Cortisolmangel nach Immuncheckpoint-Inhibitoren-Therapie, der bei onkologisch behandelten Patientinnen und Patienten zu schweren Kreislaufproblemen führen könne; sowie die Claudicatio masticatoria, also Kauschmerzen, als möglicher Hinweis auf eine Riesenzellarteriitis mit akuter Erblindungsgefahr. Er empfiehlt überdies Red-Flag-Karten für Leitsymptome wie zum Beispiel Brustschmerz, Luftnot, Halsschmerzen oder Kieferschmerzen. Zum Schluss ermutigte er dazu, einfache Monitoringmöglichkeiten wie Pulsoximeter, Blutdruckmessung oder kontinuierliche Glukosemessung bei entsprechenden Patientinnen und Patienten aktiv zu nutzen. Prof. Falk Schwendicke ordnete Bulk-Fill-Komposite und Glashybride als pragmatische Amalgam-Alternativen ein – nicht als echte Innovation. Bulk-Fill vereinfache die Verarbeitung und funktioniere klinisch ähnlich gut wie inkrementell geschichtete Komposite, bleibe aber abhängig von der korrekten Lichthärtung, der Trockenlegung und der Adhäsivtechnik. Die Glashybride von heute seien deutlich leistungsfähiger als die früheren Glasionomerzemente und könnten innerhalb klarer Indikationsgrenzen auch im Klasse-II-Bereich eingesetzt werden, würden aber häufiger Chippings und Kontaktpunktprobleme zeigen. Auf in die Post-Amalgam Ära Kritisch sah Schwendicke den Begriff „bioaktiv“: Vieles bei dem Etikett sei Marketing, die klinischen Daten oft dünn. Der grundlegende Zielkonflikt zwischen der mechanischen Stabilität und der biologischen Funktion sei bisher nicht gelöst. Entscheidend blieben daher weniger „vermeintliche Wundermaterialien“ als vielmehr Indikation, Verarbeitung, Behandler- und Patientenfaktoren. Und: Nach der Tagung ist vor der Tagung: Vom 10. bis zum 14. Mai 2027 lädt die „69. Sylter Woche“ gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) wieder auf die Nordseeinsel ein. Das Thema lautet dann: „Endodontie – Spitzentechnik in der Zahnmedizin!“ nl zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (987)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=