50 | TITEL Mit dem Primescan 2 führte Dentsply Sirona 2024 den ersten cloud-nativen IOS ein: Scans können auf jedem internetfähigen Endgerät empfangen, bearbeitet und geteilt werden, ohne lokal installierte Software. 3Shape bietet über seine Plattform Funktionen für Smile Design, implantologische Planung, kieferorthopädische Simulation und Telekonsultation an. Medit stellt über Medit Link ein breites Portfolio an kostenlosen Softwaremodulen bereit. Die Grenze zwischen Scanner und digitaler Praxisplattform wird damit zunehmend unschärfer [Eggmann & Blatz, 2024]. Erweiterte diagnostische Funktionen Kariesdetektion Mehrere IOS bieten integrierte Kariesdetektionsfunktionen. Zwei Technologieprinzipien kommen zum Einsatz: Fluoreszenzbasierte Systeme (415 nm), die metabolische Aktivität kariöser Läsionen sichtbar machen, und NahInfrarot (NIR)-Transillumination (727– 850 nm), die speziell approximale Läsionen detektiert. Eine klinische Multicenter-Studie mit 100 Patienten zeigte, dass ein IOS mit NIR-Bildgebung der Bissflügelröntgenaufnahme nicht unterlegen war – wobei Experten bessere diagnostische Leistungen als Anfänger erzielten und somit eine Lernkurve besteht [Metzger et al., 2022]. Allerdings ist die Evidenzlage noch uneinheitlich: Während eine hohe Sensitivität für Schmelzläsionen berichtet wurde, zeigten IOS mit NIRTechnologie bei Kindern eine niedrige Sensitivität [Cuenin et al., 2023]. Zahnverschleiß-Monitoring IOS mit Überlagerungssoftware ermöglichen eine quantitative Verlaufskontrolle des Zahnverschleißes. In vitro stimmen diese Messungen mit profilometrischen Referenzmethoden auf ±15 µm überein. Klinisch liegt der Wiederholbarkeitsfehler zwischen 60 und 70 µm; ein Diskriminationsschwellenwert von circa 73 µm wurde bestimmt, unterhalb dessen Messungen nicht zuverlässig sind. Für die klinische Praxis empfehlen sich daher IOS-Kontrollen in Abständen von ein bis drei Jahren [Bronkhorst et al., 2023; Charalambous et al., 2022]. Weichgewebeanalyse und parodontale Kontrolle IOS werden zunehmend zur Beurteilung gingivaler Rezessionen und periimplantärer Weichgewebestabilität eingesetzt. Klinische Studien belegen, dass IOS-Messungen konventionellen Methoden an Genauigkeit überlegen sein können, wenngleich die Messqualität vom Gerät, vom Bediener und von der Lokalisierung abhängt – insbesondere in Interdentalräumen und Seitenzahnbereichen bestehen weiterhin Herausforderungen [Kuralt et al., 2022; Dritsas et al., 2023]. Klinische Genauigkeit und Anwendungsgrenzen Die Genauigkeit intraoraler Scans wird durch zwei Größen definiert: Richtigkeit (engl. Trueness, Übereinstimmung mit dem realen Objekt) und Präzision (engl. Precision, Wiederholbarkeit). Als Maßzahl dient zunehmend der Root Mean Square Error (RMS) beziehungsweise der mittlere absolute Abweichungswert (MAD). Klinisch wird ein Schwellenwert von 50 µm für die meisten Restaurationsindikationen als akzeptabel angesehen; aktuelle Systeme unterschreiten diesen Wert für Einzelzahnabformungen regelhaft. Für Ganzkieferabformungen bleibt die Fehlerakkumulation eine klinische Herausforderung. Eine vergleichende In-vitro-Studie (TRIOS 5, Primescan, Planmeca Emerald S, Medit i700) zeigte, dass TRIOS 5 die höchste Absolutgenauigkeit erreichte (absolute average 0,112 mm), alle Systeme jedoch klinisch akzeptable Werte lieferten [Lanis et al., 2024]. Für implantologische Ganzkieferabformungen bleibt die konventionelle Abformung oder die Fotogrammetrie in Fällen mit vollständiger Zahnlosigkeit und multiplen Implantaten häufig überlegen [Vitai et al., 2023; Pozzi et al., 2025]. Praktische Einflussfaktoren auf die IOS-Genauigkeit sind: ein feuchtes Operationsfeld (Speichel, Blut), subgingivale Präparationsränder, eine Scannerermüdung bei langen Sequenzen sowie die Scanstrategie des Operateurs. Neuere Geräte mit einem autokalibrierenden Scankopf und integrierten Heizelementen gegen Kondensation haben einige dieser Limitationen reduziert, ohne sie vollständig zu eliminieren [Eggmann & Blatz, 2024]. Für die prothetische Versorgung zeigen systematische Übersichten und randomisierte klinische Studien, dass IOSbasierte Restaurationen der konventionellen Abformung klinisch ebenbürtig sind: Weder für Einzelkronen noch für dreigliedrige Brücken ergab sich ein signifikanter Unterschied in den klinischen Ergebnissen [Mahat et al., 2023; Bandiaky et al., 2022]. Diese Befunde zeigen die klinische Zuverlässigkeit der auf Basis von IOS-Daten hergestellten Restaurationen. Marktentwicklung und Geräteübersicht Der globale IOS-Markt verzeichnete 2024 ein Volumen von circa 580 bis 710 Millionen US-Dollar (je nach Quelle) und wird bis in den Zeitraum 2032 bis 2035 auf 1,2 bis 2,8 Milliarden US-Dollar prognostiziert, mit jährlichen Wachstumsraten (CAGR) von sieben bis elf Prozent. Nordamerika hält mit etwa 47 Prozent den größten Marktanteil, gefolgt von Europa. Der asiatisch-pazifische Raum – insbesondere China – wächst mit geschätzten 10,4 Prozent CAGR am schnellsten [Fortune Business Insights, 2025; Allied Market Research, 2025]. Offene Systeme dominieren mit einem Marktanteilvoncirca97Prozent(2025), da sie die Anwender von proprietären Ökosystemen unabhängig machen und eine freie Laborwahl ermöglichen [Future Market Insights, 2025]. Kartbasierte (standalone) IOS halten rund 69 Prozent des Segments, während portable und kabellose Geräte mit etwa vier Prozent CAGR am stärksten wachsen [Mordor Intelligence, 2025]. zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1004) CME AUF ZM-ONLINE Das sind die gängigen Geräte amMarkt Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK.
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