Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 12

58 | TITEL zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1012) Kabellose Intraoralscanner wurden vor allem mit dem Ziel entwickelt, die Handhabung im klinischen Alltag zu verbessern. Der Verzicht auf das Kabel ermöglicht mehr Bewegungsfreiheit und erleichtert die intraorale Manövrierbarkeit des Scanners. Zudem werden hygienische Vorteile diskutiert, da weniger Verbindungselemente vorhanden sind, die im Rahmen der Aufbereitung berücksichtigt werden müssen. Frühere Generationen kabelloser Systeme zeigten jedoch Einschränkungen, darunter eine reduzierte Genauigkeit bei Ganzkieferscans, begrenzte Akkulaufzeiten sowie eine Abhängigkeit von stabilen drahtlosen Netzwerkverbindungen. Fortschritte in der Scanner-Hard- und -Software sowie in der Akkutechnologie haben diese Limitationen teilweise reduziert. Die Leistungsfähigkeit kabelloser Systeme im Vergleich zu kabelgebundenen Geräten bleibt dennoch Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen [Alkadi, 2023]. Beim Konzept der cloudbasierten Intraoralscanner erfolgt die Datenverarbeitung nicht lokal, sondern auf externen Servern. Das intraorale Handstück dient primär der Datenerfassung, während rechenintensive Verarbeitungsschritte sowie die Generierung digitaler Modelle in einer Cloud-Umgebung durchgeführt werden. Dadurch können die Hardwareanforderungen am Behandlungsplatz reduziert und flexiblere Arbeitsabläufe ermöglicht werden. Gleichzeitig ergeben sich zusätzliche Anforderungen hinsichtlich Datenübertragung, Latenzzeiten und Datensicherheit. Insbesondere bei eingeschränkter oder instabiler Internetverbindung kann die klinische Anwendung beeinträchtigt sein. Die Auswirkungen einer cloudbasierten Datenverarbeitung auf die Richtigkeit und die Präzision digitaler Abformungen wurden in einer aktuellen klinischen Studie wissenschaftlich untersucht und zeigten vergleichbare Ergebnisse zu kabelgebundenen und kabellosen On-premises-Lösungen. Unabhängig vom jeweiligen Systemtyp kommen unterschiedliche optische Verfahren zur Datenerfassung zum Einsatz. Zu den heute etablierten Technologien zählen die aktive Triangulation und die konfokale Mikroskopie. Darüber hinaus existieren hybride Verfahren wie die optische Hochfrequenz-Kontrastanalyse, die Elemente verschiedener Aufnahmetechniken kombinieren. Aus der verwendeten optischen Technologie allein kann jedoch keine direkte Aussage über die Genauigkeit eines Intraoralscanners abgeleitet werden, da diese durch das Zusammenspiel von Hard-/Software und klinischer Anwendung bestimmt wird [Richert, 2017; Abduo, 2018; Kihara, 2020; Alkadi, 2023]. n Abb. 5: On-premises-Lösung („Vor Ort“-Lösung) eines Intraoralscannersystems mit externer Recheneinheit, Bildschirm und Scannerhandstück in der Praxis (a) sowie ein cloudbasiertes System mit Bildschirm und Scannerhandstück in der Praxis und Internetverbindung zur Auslagerung der Rechenleistung in die Cloud (b) Fotos: Zahnmedizinische Prothetik, CAU Kiel Abb. 4: Beispielhafte Darstellung der Unterschiede zwischen Intraoralscan (oben) und Laborscan eines Gipsmodells einer konventionellen Abformung (unten) in Bezug auf die Interdentalräume a b ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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