TITEL | 57 öffnet die digitale Datenerfassung die Möglichkeit einer langfristigen, platzsparenden Archivierung der virtuellen Modelle. Die Datensätze lassen sich ohne Qualitätsverlust reproduzieren, duplizieren und in CAD/CAM-gestützte Planungs- und Fertigungsprozesse überführen [DIN 13995, 2010; Mehl, 2013]. Darüber hinaus verändert die digitale Datenbasis die Kommunikation zwischen den Behandlerinnen und Behandlern und dem zahntechnischen Labor grundlegend. Im Vergleich zur konventionellen Abformung bietet der Intraoralscan einen deutlich größeren Informationsumfang. Präparationsgrenzen, Einschubrichtungen, approximale Kontaktbereiche sowie klinische Besonderheiten lassen sich dreidimensional visualisieren und gemeinsam analysieren – sowohl synchron als auch asynchron und unabhängig vom jeweiligen Standort (Abbildung 3). Diese transparente und nachvollziehbare Darstellung erleichtert die interdisziplinäre Abstimmung und trägt zu einer präziseren Planung und Umsetzung prothetischer Versorgungen bei [DIN 13995, 2010; Mehl, 2013; Piedra-Cascon, 2021]. Zudem entfallen Transportwege [Schlenz, 2025]. Unter sich gehende Bereiche können mit dem Intraoralscanner teilweise detailgetreuer erfasst werden als dies mit der konventionellen Abformung möglich ist, da Elastomere nach dem Abbinden zwar eine hohe elastische Rückstellfähigkeit und Zugfestigkeit aufweisen, aber durch übermäßige Entnahmekräfte ihre elastische Grenze überschreiten und zu Materialausrissen oder plastischer Verformung führen können (Abbildung 4) [Schlenz, 2019; 2020]. Nicht zuletzt bieten Intraoralscanner aus patientenbezogener Perspektive relevante Vorteile. Der Verzicht auf konventionelle Abformmaterialien erhöht den Behandlungskomfort und reduziert potenziell belastende Faktoren wie Würgereiz, unangenehme Geschmackseindrücke und Aspirationsgefahr. Gleichzeitig lassen sich unvollständige Datensätze oder fehlende Bereiche jederzeit gezielt ergänzen, ohne dass eine vollständige Wiederholung der Abformung erforderlich ist. Auch die Möglichkeit, den Scanvorgang zu pausieren, wird von vielen Patientinnen und Patienten als angenehm empfunden [Burzynski, 2018; Bosoni, 2023; de Paris Matos, 2023; Siqueira, 2021]. Durch die Echtfarbdarstellung vieler Scansysteme wird zudem die Patientenaufklärung erleichtert. Insbesondere in Kombination mit einem virtuellen Wax-up beziehungsweise Set-up können bei komplexen prothetischen Versorgungen Chancen, Limitationen und Herausforderungen anschaulich und verständlich vermittelt werden [Piedra-Cascon, 2021]. Intraorale Scansysteme Die Weiterentwicklung intraoraler Scansysteme hat in den vergangenen Jahren zu einer zunehmenden Vielfalt verfügbarer Geräte geführt. Aktuelle Systeme unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Hardwarearchitektur als auch bezüglich der Datenverarbeitung, der Ergonomie und dem klinischen Workflow [Keul C., 2019; Kihara, 2020]. Grundsätzlich können moderne Intraoralscanner in kabelgebundene und kabellose Systeme klassifiziert werden – sogenannte On-premisesLösungen („Vor Ort“-Lösungen) –, die in der Regel mit externen Recheneinheiten wie PCs, Laptops oder Tablets verbunden sind. Seit Herbst 2024 ist mit der Primescan 2 von Dentsply Sirona (Bensheim, Deutschland) erstmals ein cloudbasiertes System verfügbar, das eine Weiterentwicklung innerhalb der kabellosen Geräte darstellt (Abbildung5). Kabelgebundene Intraoralscanner gelten als technisch etablierte Geräteklasse. Bei diesen Systemen ist das Handstück direkt mit einer lokalen Recheneinheit verbunden, auf der die Bildverarbeitung erfolgt. Daraus resultieren eine konstante Stromversorgung und eine stabile Datenübertragung, da keine Abhängigkeit von Akkulaufzeiten oder drahtlosen Verbindungen besteht. Als potenzieller Nachteil kann die durch das Verbindungskabel eingeschränkte Bewegungsfreiheit gesehen werden. zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1011) Abb. 3: Chairside-Korrekturmöglichkeit der falsch (a) beziehungsweise korrekt (b) eingezeichneten Präparationsgrenze an Zahn 46 zur erleichterten Kommunikation mit der Zahntechnik (Trios 4, 3Shape) Foto: Zahnmedizinische Prothetik, CAU Kiel a b CME AUF ZM-ONLINE Der IOS in der restaurativen Versorgung Für eine erfolgreich gelöste Fortbildung erhalten Sie zwei CME-Punkte der BZÄK/DGZMK.
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