62 | TITEL FORTBILDUNG INTRAORALSCANNER Der IOS im restaurativen und im prothetischen Workflow Alexander Schmidt, Merlind Becker-Schönfeldt, Lukas Geier, Anne Garling, Maximiliane Amelie Schlenz Entscheidend für die klinische Anwendbarkeit von Intraoralscannern ist die Übertragungsgenauigkeit der intraoralen Situation auf ein digitales Modell. Nur dann kann eine funktionelle und biologische Langzeitstabilität gewährleistet werden. Wir beschreiben die Indikationen für den Einsatz von Intraoralscannern und geben Tipps für gute Scanergebnisse. In der wissenschaftlichen Literatur bildet die Genauigkeit die Summe zweier Parameter: Richtigkeit (Trueness) und Präzision (Precision). Während die Richtigkeit die Übereinstimmung eines digitalen Datensatzes mit einer Referenz beschreibt, charakterisiert die Präzision die Reproduzierbarkeit mehrerer Messungen unter identischen Bedingungen. Beide Parameter zusammen bestimmen die klinische Aussagekraft eines digitalen Abformverfahrens [Ender, 2013]. Für die prothetische Versorgung ist eine hohe Genauigkeit entscheidend. Bei natürlichen Zähnen liegt der Schwerpunkt insbesondere auf der exakten Darstellung der Präparationsgrenzen sowie der -morphologie. In der Implantatprothetik hingegen spielt die Abformung komplexer geometrischer Formen eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ist hier die präzise dreidimensionale Übertragung der Implantatposition von zentraler Bedeutung, da osseointegrierte Implantate im Vergleich zu natürlichen Zähnen keine Eigenbeweglichkeit aufweisen. Bereits geringe Abweichungen können daher zu Spannungen innerhalb der Suprakonstruktion führen – der gewünschte passive Sitz der Restauration („passive fit”) – wird nicht erreicht, was wiederum technische oder biologische Komplikationen begünstigen kann [Papaspyridakos, 2020; Schmidt, 2022; Sanda, 2021]. Die Genauigkeit digitaler Abformungen kann durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden. Neben dem verwendeten Scansystem spielen insbesondere die klinische Situation, die Länge der gescannten Strecke, die Oberflächenbeschaffenheit der intraoralen Strukturen sowie die Algorithmen der Scan-Software eine entscheidende Rolle [Revilla-Leon, 2023; 2025]. Während für Einzelzahnrestaurationen mittlerweile eine sehr hohe Genauigkeit digitaler Abformungen erzielt werden konnte, zeigen Untersuchungen bei vollständigen Zahnbögen und komplexen implantatprothetischen Situationen weiterhin Limitationen Abb. 1: Beispiel einer initial nicht vollständig dargestellten Präparationsgrenze an Zahn 23 (links, grüne Pfeile) sowie nach erneuter Retraktion und partieller Korrektur des Intraoralscans (Trios 4, 3Shape) durch Nachscannen, nun frei von Sekreten und eindeutig erkennbar (rechts, grüne Pfeile) Foto: Zahnmedizinische Prothetik, CAU Kiel zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (1016) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.
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