Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

ZAHNMEDIZIN | 33 Karies ist nach der Global Burden of Disease-Study sogar die häufigste chronische Erkrankung weltweit. Die gemeinsamen Risikofaktoren liegen nach derzeitigem Stand hauptsächlich in der Ernährung, die ebenfalls für allgemeinmedizinische chronische Krankheiten wie Übergewicht, HerzKreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mitverantwortlich ist. Parodontalerkrankungen liegen in der Rangliste der chronischen Krankheiten auf Rang 6. Rauchen und Stress sind zwei Beispiele für gemeinsame Risikofaktoren, die ebenfalls auf Herz-KreislaufErkrankungen wirken. Chronische Krankheiten gehören fast allesamt zu den Lebensstil-abhängigen und damit grundsätzlich vermeidbaren Erkrankungen. Am komplexesten wirksam sind die Ernährung (insbesondere der Zuckerkonsum) sowie Rauchen und Alkoholkonsum. Die Erkenntnislage nimmt zu, dass chronische Erkrankungen sich gegenseitig beeinflussen. Im Fall von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Zusammenhang mit den chronischen Erkrankungen der Zahnmedizin bedeutet dies vor allem: häufiger schwere Parodontitis, mehr fehlende und weniger funktionstüchtige Zähne. Mundgesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen Gut ein Viertel der jüngeren Seniorinnen und Senioren in der DMS • 6 weisen kardiovaskuläre Erkrankungen auf. Dies entspricht im Wesentlichen auch der Verbreitung in der Bevölkerung. Insofern ist allein dieser Befund ein interessanter Hinweis auf die weitreichende Bevölkerungsrepräsentativität der DMS • 6 an sich! Mit kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert sind Einschränkungen bei der Mundgesundheit – die Zusammenhänge mit parodontalen Erkrankungen sind bekannt. Die DMS • 6 zeigt außerdem, dass Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen häufiger zahnlos sind und den Bezahnten etwa zwei Zähne mehr fehlen als Seniorinnen und Senioren ohne kardiovaskuläre Erkrankungen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass sie zwei funktionstüchtige Zähne weniger besitzen. Die zahnmedizinische Prävention muss Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen frühzeitig ins Blickfeld nehmen, um diesen gesundheitlichen Ungleichheiten begegnen zu können. Mundgesundheit und Typ-2-Diabetes Diabetes gehört zu den wichtigen chronischen Erkrankungen und die wechselseitigen Bedingungen zeigen sich entsprechend deutlich im Mundgesundheitsprofil von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Sie haben häufiger schwere parodontale Verläufe und mehr Wurzelkaries, mehr fehlende Zähne und weniger funktionstüchtige Zähne. Der Anteil zahnloser Menschen ist bei Typ-2-Diabetes viermal so hoch. Außerdem zeigt sich, dass diese Menschen häufiger beschwerdeorientiert die zahnärztliche Praxis aufsuchen als die Mehrheit in dieser Altersgruppe. Ein kontrollorientiertes Inanspruchnahmeverhalten zahnärztlicher Dienstleistungen ist jedoch eine wichtige präventive Maßnahme im Sinne der Sekundärprävention, denn diese ermöglicht eine Früherkennung oraler Erkrankungen bereits zu einem Zeitpunkt, bevor die Patienten selbst Symptome verspüren. Durch die Früherkennung und -behandlung können in der Folge schwere Verläufe häufig rechtzeitig eingedämmt werden – was klare Auswirkungen auf die Zahnverlustrate hätte. Für die Karies ist das für die junge Bevölkerung bereits in großen Teilen zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1083) Abb. 1: Gemeinsamer Risikofaktorenansatz Foto: IDZ Prof. Dr. med. dent. A. Rainer Jordan, MSc Wissenschaftlicher Direktor Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) Universitätsstr. 73, 50931 Köln Foto: IDZ

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