Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1084) 34 | ZAHNMEDIZIN durch das Verweissystem der Gruppenprophylaxe im schulzahnärztlichen Dienst in die zahnärztliche Praxis gelungen. Bei Typ-2-Diabetes zeichnet sich genauso ein spezialisierter Präventionsbedarf ab wie die Notwendigkeit der interprofessionellen Zusammenarbeit und die Überwindung von Sektorengrenzen in der gemeinsamen medizinischen Versorgung. Zahnmedizin als Seismograf für chronische Erkrankungen Der gemeinsame Risikofaktorenansatz bietet noch eine ganz andere Perspektive die Zahnmedizin auch als eine Art Frühwarnsystem zu begreifen hinsichtlich späterer chronischer allgemeinmedizinischer Erkrankungen. Die zahnärztliche Profession ist jene medizinische Disziplin, die hierzulande von sehr weiten Teilen der Bevölkerung fast über den gesamten Lebensbogen regelmäßig aufgesucht wird. Das ist beinahe ein Alleinstellungsmerkmal. Die Anamnese berücksichtigt jetzt schon die regelhafte Erfassung wichtiger Risikofaktoren für zahnmedizinische Erkrankungen – und, wie wir nun wissen, gleichzeitig vieler weiterer chronischer Erkrankungen, die sich erst im Laufe des Lebens entwickeln. Die Auswirkungen einer risikohaften Lebensweise manifestieren sich bereits frühzeitig in der Mundhöhle und werden entsprechend frühzeitig erkannt – bei der Karies mitunter bereits im Kindes- oder sogar schon im Kleinkindalter (frühkindliche Karies; ECC). Auch parodontale Erkrankungen werden durch das in der GKV etablierte Screeningverfahren sehr frühzeitig gesehen – und die aktuellen Daten der DMS • 6 zeigen eindeutig, dass sich bereits im frühen Erwachsenenalter die schwerwiegenden parodontalen Verlaufsformen eindeutig darstellen. Die sich durch die gemeinsamen Risikofaktoren in der Mundhöhle manifestierenden Erkrankungen können insofern als Frühwarnsymptome späterer allgemeinmedizinischer chronischer Erkrankungen verstanden werden – mitunter Jahrzehnte, bevor diese Menschen beim Kardiologen oder Diabetologen vorstellig werden. Aber dann ist es für die Prävention allgemeinmedizinisch chronischer Erkrankungen zu spät! Zahnärztinnen und Zahnärzte könnten sich also als Seismografen verstehen für ein hohes Risiko späterer chronischer Krankheiten und so unsere DNA als Präventionsmediziner in die Allgemeinmedizin tragen. n Abb. 3: Mundgesundheit bei Typ-2-Diabetes Foto: IDZ Abb. 2: Mundgesundheit bei kardiovaskulären Erkrankungen bei jüngeren Seniorinnen und Senioren Foto: IDZ Karies gilt als häufigste chronische Erkrankung weltweit.

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