Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

GESELLSCHAFT | 35 zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1085) HINTER DEN KULISSEN DER DMS · 6 So meistert man die Langstrecke Es war eine Premiere: Als erste deutsche Mundgesundheitsstudie lieferte die DMS · 6 auch Längsschnittdaten. Dafür wurden Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer der DMS V nach knapp zehn Jahren ein zweites Mal untersucht. Wie konnte der Kontakt zu den Probandinnen und Probanden so lange gehalten werden – und was hat jene motiviert, erneut mitzumachen? Wir haben nachgefragt. Um nicht nur Momentaufnahmen der Mundgesundheit abzubilden, sondern deren Entwicklung über den Lebensbogen hinweg, braucht man longitudinale epidemiologische Daten“, sagt Studienleiter Prof. Dr. A. Rainer Jordan vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Beim Set-up des entsprechenden Studienarms für die DMS · 6 – das somit bereits zum Zeitpunkt der DMS V stattfinden musste – war entsprechend vorausschauend zu planen. Um etwa Adressen über mehrere Jahre speichern zu dürfen, sind sehr strenge Datenschutzvorgaben zu erfüllen. So musste das IDZ die wissenschaftliche Notwendigkeit der Speicherung vor einer Ethikkommission begründen und außerdem nachweisen, dass die Datenhaltenden Stellen streng voneinander getrennt waren. Diese Vorarbeiten nahmen rund ein Jahr in Anspruch. Erfolgsgarant Aufklärung, Risikofaktor Misstrauen Mit der Erhebung der Felddaten beauftragte das IDZ den wissenschaftlichen Dienstleister Oracle Deutschland. Das Unternehmen erstellte das Panel für die Mundgesundheitsstudie und übernahm auch dessen Pflege. „Eine Längsschnittstudie beginnt damit, dass wir die Teilnehmenden schon in der Einverständniserklärung fragen, ob wir sie nach einigen Jahren noch mal kontaktieren dürfen“, erklärt Dr. Constanze Cholmakow-Bodechtel, Director Research, Public Health & Epidemiology. Dem stimmten in der Regel fast alle Probandinnen und Probanden zu. Entscheidend für die Teilnahmebereitschaft ist aus ihrer Erfahrung umfassende Aufklärung. „Dabei achten wir insbesondere auf eine sehr einfache Sprache. Wir haben eine Germanistin im Team, die unsere Anschreiben so formuliert, dass Probandinnen und Probanden aller Sprach- und Bildungsniveaus verstehen, worum es bei der Studie geht und wozu sie ihre Einwilligung erteilen.“ Zum Oracle-Team gehören auch sogenannte Kontakterinnen und Kontakter. Sie suchen die für eine Studie gezogenen Personen persönlich auf, wenn sie nicht auf das Anschreiben reagiert haben, und versuchen, in einem Gespräch mögliche Bedenken auszuräumen. Dabei stelle sich oft heraus, dass viele die Briefe gar nicht geöffnet haben, berichtet Cholmakow-Bodechtel: „Seit der Pandemie beobachten wir, dass die Bevölkerung misstrauischer geworden ist.“ Deswegen setzt Oracle sich inzwischen mit den Polizeidienststellen, den Gesundheitsämtern sowie den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der für ein Panel ausgewählten Gemeinden in Verbindung und klärt auch sie über den Ablauf und die Ziele einer Studie auf – an der DMS · 6 waren Menschen aus 90 „Wir betreiben viel Aufwand, um zu zeigen, dass wir nichts im Schilde führen, sondern dass es um Forschung zum Wohle der Allgemeinheit geht.“ Dr. Constanze Cholmakow-Bodechtel, Oracle Deutschland Wie die zahnmedizinische Untersuchung bei der DMS · 6 ablief, kann man sich vorstellen, aber wie ist es gelungen die Teilnehmenden ein Jahrzehnt bei der Stange zu halten? Foto: Oracle Deutschland

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