ZAHNMEDIZIN | 47 aus der volumetrischen Bildgebung vorliegt. In der dritten Säule, dem ComputerAided Manufacturing (CAM), werden Bohrschablonen hergestellt. Die virtuelle Gestaltung wird hierfür in einen maschinenlesbaren Datensatz überführt. Zur Verfügung stehen sowohl 3D-Druckverfahren als auch Frästechniken. Die Herstellungstechnik muss die Genauigkeit des Intraoralscans berücksichtigen und entsprechende Fertigungstoleranzen einhalten, damit die Bohrschablonen eine abgestimmte Passung auf der Zahnoberfläche erreichen. Konsistenter digitaler Workflow Durch Intraoralscanner kann in der Implantologie bereits zu Beginn der Planung ein konsistenter digitaler Workflow etabliert werden, der auf vorhersagbare Behandlungsergebnisse abzielt. Ausgangspunkt ist dabei das prothetisch definierte Restaurationsziel, von dem aus sämtliche chirurgischen Schritte – von der Auswahl des Implantatkörpers bis zur exakten dreidimensionalen Positionierung – in einer Implantatplanungssoftware virtuell festgelegt werden können [Flügge et al., 2022; Kernen et al., 2020]. Die Integration des Intraoralscans ermöglichtdiediagnostischeBildgebung, die Erstellung digitaler Situationsmodelle sowie die Implantatplanung unmittelbar während einer Sitzung. Dies führt zu einer deutlichen Straffung der Behandlungsabläufe und reduziert Inkonsistenzen beim Datentransfer zwischen den einzelnen Prozessschritten. Voraussetzung für einen digitalen Workflow ist der Einsatz leistungsfähiger Softwarelösungen, die eine präzise Registrierung, Überlagerung und Analyse der unterschiedlichen Datensätze gewährleisten [Derksen et al., 2019; Tallarico et al., 2019]. Ein wesentlicher Vorteil des digitalen Workflows liegt in der hochauflösenden dreidimensionalen Visualisierung der Patientensituation. Diese ermöglicht eine detaillierte Betrachtung aus allen Perspektiven und unterstützt sowohl die diagnostische Beurteilung als auch die präzise Planung der Implantatposition. Darüber hinaus erleichtert die digitale Datenerfassung den Informationsaustausch mit dem zahntechnischen Labor erheblich. Die Daten können ohne Qualitätsverlust übermittelt werden und stehen gleichzeitig mehreren Beteiligten an unterschiedlichen Standorten zur Verfügung, was die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördert. Gleichzeitig verbessert sich die Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten, da die geplanten Behandlungsschritte und die zu erwartenden Ergebnisse visualisiert und verständlich erläutert werden können. Für die Speicherung und die Weiterverarbeitung der erhobenen Daten kommen unterschiedliche Dateiformate zum Einsatz. Das STL-Format ist der etablierte Standard und beschreibt die Oberflächengeometrie mittels triangulierter Netze, jedoch ohne Farbinformationen. Formate wie PLY oder OBJ erweitern diese Beschreibung um zusätzliche Farbinformationen und ermöglichen so eine realitätsnähere Darstellung der intraoralen Situation. Neben diesen offenen Formaten existieren zahlreiche Hersteller-spezifische Dateiformate, die häufig nur in zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1097) EMPFEHLUNGEN DER LEITLINIE „INTRAORALSCAN IN DER ZAHNMEDIZIN“ Der Einsatz von Intraoralscannern in der Implantologie ermöglicht bereits in der Planungsphase die Implementierung eines digitalen Workflows, der auf möglichst vorhersagbare Behandlungsergebnisse ausgerichtet ist. Durch die Kombination und Überlagerung von Scandaten mit radiologischen Datensätzen aus DVT oder CT wird das Backward-Planning wesentlich erleichtert. Ausgehend vom angestrebten prothetischen Restaurationsziel können die chirurgischen Schritte – von der Auswahl des Implantats bis zu dessen dreidimensionaler Positionierung – mithilfe entsprechender Planungssoftware digital abgebildet werden. Darüber hinaus erlaubt der Intraoralscan, radiologische Diagnostik, die Erstellung digitaler Situationsmodelle und die Implantatplanung innerhalb einer Sitzung zu integrieren. Auf Grundlage der zusammengeführten Daten aus Intraoralscan und DVT können zudem statische Führungsschablonen für die navigierte Implantation digital geplant und gefertigt werden. Die digitale Implantatplanung stellt somit heute bereits ein etabliertes Verfahren dar, dessen klinisches Ergebnis jedoch von deutlich mehr Faktoren abhängt als allein vom Einsatz des Intraoralscans. Autoren: Miriam Ruhstorfer, PD Dr. Tobias Graf, Prof. Dr. Jan-Frederik Güth Leitlinie: DGCZ, DGZMK: „Intraoralscan in der Zahnmedizin“, Langversion 1.0, 2025, AWMF-Registriernummer: 083-049, https://register.awmf. org/de/leitlinien/detail/083-049. KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 6 (NEU/2025) Die Daten eines Intraoralscans können in Kombination mit entsprechenden 3DRöntgendaten zur dreidimensionalen, digitalen Implantatplanung verwendet werden. Abstimmung: 26/0/1 (ja, nein, Enthaltung) starker Konsens KONSENSBASIERTE EMPFEHLUNG 7 (NEU/2025) Die Daten eines Intraoralscans konnen als Basis fur das Computer Aided Design (CAD) und die Herstellung von Führungsschablonen in der Implantologie verwendet werden. Abstimmung: 28/0/0 (ja, nein, Enthaltung) starker Konsens
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