Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

GESELLSCHAFT | 73 dass die medizinische Seite offensichtlich nicht ganz so einfach ist, wie ich mir das gedacht hatte. Ich führte eine ganze Reihe von Gesprächen mit Fachkollegen und ließ mich beraten. Je länger ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass eine Behandlung in einem Land wie Togo möglicherweise gar nicht so stattfinden kann, wie dies in Deutschland der Fall wäre. Schließlich nahm ich persönlich Kontakt mit dem Professor an der Universität in Togo auf. Er schilderte mir die operativen Möglichkeiten, über die er verfügte. Im Gegenzug stellte ich ihm die operativen Vorstellungen dar, die nicht von mir, sondern von einem sehr erfahrenen kieferchirurgischen Fachkollegen in Deutschland formuliert worden waren. Der Professor in Lomé antwortete mir offen, dass auch er diese Behandlung bevorzugen würde, dass es aber in Togo keine Möglichkeit gibt, mikrovaskuläre Eingriffe durchzuführen. Demzufolge ist eine Knochentransplantation, wie sie der deutsche Kollege vorgeschlagen hatte, dort ausgeschlossen. Damit war die naive Vorstellung – ich schicke Geld und Kokou wird operiert – zunächst vomTisch. Wie entstand der Plan, zu helfen? Und wie war das weitere Vorgehen? Eigentlich gab es zu keinem Zeitpunkt einen richtigen Plan. Vielmehr ergab sich ein Schritt aus dem nächsten. Nachdem ich erkannt hatte, dass eine Operation, die Kokou dauerhaft helfen würde, in Togo nicht möglich ist, wandte ich mich an mehrere Universitätskliniken in Deutschland, unter anderem in Dresden und Leipzig. Ich nahm Kontakt auf, schilderte das Problem und bat um Kostenvoranschläge, um zunächst den finanziellen Rahmen abschätzen zu können. Die Reaktionen der Kliniken waren unterschiedlich. In Dresden erhielt ich schließlich einen Kostenvoranschlag in Höhe von etwa 40.000 Euro. Damit hatte ich zumindest eine erste Orientierung. Aus einem früheren Auslandseinsatz hatte ich zudem einen Kontakt nach Kenia zu einer deutschen Kollegin, die dort lebt und arbeitet. Sie stellte den Kontakt zu einem renommierten kenianischen Kollegen her. Ich schrieb ihn an und er schickte mir schließlich ein Kostenangebot in Höhe von ungefähr 25.000 Euro für eine Behandlung, wie wir sie auch in Deutschland durchführen würden. Trotzdem entschied ich mich dafür, die Behandlung in Deutschland durchführen zu lassen. In Kenia kannte ich niemanden persönlich, ich hätte mich vor Ort um viele Dinge selbst kümmern müssen – Unterkunft, Hin- und Rückreise und zahlreiche organisatorische Fragen, mit denen ich dort keine Erfahrung hatte. Die nächsten Schritte bestanden darin, eine GoFundMe-Aktion zu starten, meinen Kollegenkreis sowie Freunde anzuschreiben und um Spenden zu bitten. Auch in meiner Praxis begann ich, Spenden zu sammeln. Gleichzeitig setzte ich mich damit auseinander, was alles notwendig wäre, um den jungen Mann überhaupt nach Deutschland zu bringen. Denn aus Togo reist man nicht einfach so nach Deutschland ein – es braucht einen triftigen Grund, um als togolesischer Staatsbürger ein Visum zu erhalten. Welche weiteren Hindernisse gab es – neben dem Visum – auf dem Weg zur OP in Deutschland? Zum einen musste das Geld für die Behandlung zusammengetragen werden. Zum anderen wurde finanzielle Unterstützung benötigt, um die Unterkunft sowie Essen und Trinken für die Zeit seines Aufenthalts hier finanzieren zu können. Außerdem musste noch eine möglichst preiswerte Unterkunft gefunden werden. Wir gingen von einem Aufenthalt von zwei bis drei Monaten aus, da kann man sich ausrechnen, welche Kosten alleine für eine Unterkunft zusammenkommen. Der nächste Schritt bestand darin, mich mit den deutschen Visaregeln vertraut zu machen – um zu verstehen, dass er ein Visum zur medizinischen Behandlung benötigt, das er in Togo bei der deutschen Botschaft beantragen musste. Dafür brauchte er in Togo einen Termin bei der deutschen Botschaft. Allerdings war es dort über Monate hinweg nahezu unmöglich, einen Termin zu bekommen, sofern man nicht zufällig über die richtigen Kontakte verfügte. Der Gerechtigkeit halber muss man sagen, dass sich dieses Verfahren im Laufe der Zeit verändert hat. Irgendwann wurde die Möglichkeit eingeführt, online einen Termin zu buchen. In den ersten Monaten jedoch war es nahezu ausgeschlossen, überhaupt einen Termin bei der Botschaft zu erhalten. Außerdem wandte ich mich an die Ausländerbehörde in Pirna, um erst einmal zu verstehen, was wirklich alles gebraucht würde. Letztlich wurden alle diese Hürden irgendwie bewältigt. Bekamen Sie viel Unterstützung bei Ihren Spendenaufrufen? Es gab mehrere herbe Enttäuschungen, von denen ich hier aber nicht berichten möchte. Was mich in jedem Fall beeindruckt hat, war, wie viele meiner Patienten Geld in die aufgestellte KokouKasse gesteckt haben. Da waren oft zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1123) „Beim Anblick des Röntgenbildes bin ich zunächst erschrocken.“ Fotos: privat

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