Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

74 | GESELLSCHAFT zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1124) auch Leute dabei, von denen ich genau wusste, dass sie selber nicht viel haben. Auch Dank dieser Kleinspenden kam das benötigte Geld schließlich zusammen. Wie verlief dann Amegavis erster Aufenthalt in Deutschland? Kokou reiste im Frühjahr 2025 ein, und wir brachten ihn im Gästehaus der Universitätsklinik unter. Zunächst holte ich ihn in meine Praxis, wo wir eine allgemeine Zahnkontrolle und eine Zahnreinigung durchführten, wobei festzuhalten ist, dass Kokou ein gut gepflegtes und völlig kariesfreies Gebiss hatte. In den darauffolgenden Tagen folgten mehrere vorbereitende Untersuchungen in der Uniklinik und eine erste kleinere OP. Es dauerte nicht lange, bis schließlich der große Operationstag anstand. Nach dem Eingriff war er zunächst etwa eine Woche lang in einem sehr schlechten Zustand und stark gezeichnet von der Operation. Doch schon bald verbesserte sich sein Zustand auf bemerkenswerte Weise. Von unserer deutschen Wirklichkeit bekam er während seines ersten Aufenthalts in Deutschland sicherlich nicht allzu viel mit. Zum einen war er anfangs stark mit seiner Genesung beschäftigt, zum anderen befand er sich in einer für ihn völlig fremden Welt, in der er sich sehr unsicher fühlte. Außerdem hatte er kaumGeld. Das Geld, das ich ihm gab, um sich Essen und Trinken zu kaufen, verwendete er sehr sparsam. Stattdessen ernährte er sich überwiegend aus einem Koffervoller Lebensmittel, den er aus Togo mitgebracht hatte. Dieser bestand im Wesentlichen aus Maniok, Mais und einer scharfen Sauce. Daraus bereitete er sich täglich seine Mahlzeiten. In dieser Zeit entwickelte sich bei ihm zunehmend der Wunsch, in Deutschland zu bleiben und hier eine Ausbildung zu machen. Ganz neu war dieser Gedanke vermutlich nicht, denn bereits vor seiner Einreise hatte er in Togo am Goethe-Institut Deutsch bis zum Niveau B1 gelernt. Sein Aufenthalt in Deutschland verstärkte diesen Wunsch noch einmal. Sobald es ihm etwas besser ging, begann er, intensiv Vokabeln zu lernen. Ich hatte ihm einen Vokabelkasten mit 1.000 Wörtern geschenkt, und innerhalb von nur fünf Wochen hatte er sich diese vollständig eingeprägt. So entstand schließlich die Idee, dass er möglicherweise nicht nach Togo zurückkehrt, sondern in Deutschland bleibt, um eine Ausbildung – etwa in der Pflege – zu beginnen. Wir suchten eine Ausbildungsstelle, die wir auch fanden, ebenso wie eine Sprachschule, an der er das Sprachniveau B2 hätte erreichen können, um anschließend im Herbst mit der Ausbildung zu starten. Am Ende ließ sich dieser Plan jedoch nicht umsetzen. Er war mit einem Visum zur medizinischen Behandlung eingereist und nicht mit einem Visum für eine Ausbildung. Dieses konnte auch nicht umgewandelt werden. So kehrte er schließlich Anfang April nach Togo zurück. Wie kam es dazu, dass Deutschland für ihn dann doch zur Wahlheimat wurde? In Togo begann er umgehend mit dem nächsten Kurs in der Sprachschule. Parallel dazu beantragte er im Mai 2025 ein neues Visum, diesmal zur Einreise für eine Ausbildung in der Pflege. Einen Ausbildungsvertrag hatten wir zu diesem Zeitpunkt bereits in der Tasche. Allerdings dauerte es Monate, bis die Botschaft ihm das Visum ausstellte – so lange, dass der ursprüngliche Ausbildungsvertrag zwischenzeitlich erloschen war. Also machte ich mich erneut auf die Suche und fand schließlich bei der Diakonie in Dresden einen neuen Ausbildungsplatz, mit Beginn im September dieses Jahres. Diese Vereinbarung ebnete ihm letztlich den Weg nach Dresden. Wie ist die aktuelle Situation? Kokou ist seit Mitte April in Dresden und wohnt im Gästehaus der Handwerkskammer. In den ersten Wochen haben wir viele Wege gemeinsam erledigt, vor allem Behördengänge. Seit Anfang Mai nimmt er an einem berufsvorbereitenden Sprachkurs teil, der bis zu seinem Ausbildungsbeginn läuft. Seit dem 1. Juni arbeitet er außerdem 20 Stunden pro Woche als Pflegehelfer beim Deutschen Roten Kreuz in Langebrück in einer Senioreneinrichtung. In der verbleibenden Freizeit arbeitet er sich durch die Lehrbücher für die Ausbildung zum Pflegefachmann, die ich ihm besorgt habe. Das Interview führte Marius Gießmann. Kokou Amegavi nach derOP Foto: privat DAS SAGT KOKOU AMEGAVI „ICH KENNE KEINEN HUNGER MEHR“ „Ich kann nicht über meine Behandlung sprechen, ohne die Fortschritte der deutschen Medizin zu würdigen. Mein Dank gilt den deutschen Ärzten, insbesondere denen des Uniklinikums Dresden, wo meine Behandlung erfolgreich durchgeführt wurde. Ehrlich gesagt, Deutschland und mein Heimatland sind nicht vergleichbar. Ich bin der Familie Würfel für ihre Gastfreundschaft hier sehr dankbar. Ich kenne keinen Hunger mehr; es klingt komisch, ist aber Realität. Und ich kann sagen, dass Deutschland ein besseres Leben, bessere Gesundheit, bessere Bildung und bessere Arbeitsmöglichkeiten bietet. Deshalb habe ich eine gute Stelle als Pflegehelfer in Langebrück angenommen und beginne am 1. September eine dreijährige Berufsausbildung. All das soll mir ermöglichen, in Zukunft etwas zu erreichen."

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