zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1170) 24 | POLITIK EUROPATAG DER BUNDESZAHNÄRZTEKAMMER „Bei der Berufsanerkennung darf schneller nicht schlechter bedeuten“ Mehr Tempo bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse – aber keine Abstriche bei Qualität und Patientensicherheit: Dieses Spannungsfeld prägte den 21. Europatag der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) in Berlin. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die geplante Reform der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie, mit der Anerkennungsverfahren vereinfacht, digitalisiert und vor allem die Integration von Fachkräften aus Drittstaaten erleichtert werden soll. Über die Frage, wie viel Spielraum den EU-Mitgliedstaaten bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse bleiben soll und wie viel Mobilität möglich ist, ohne Qualität und Patientenschutz zu gefährden, diskutierten beim 21. Europatag der BZÄK, der am 8. Juli in Berlin stattfand, Robert-Martin Montag, Mitglied im FDP-Bundesvorstand und gesundheitspolitischer Sprecher der FDP, Prof. Dr. Gregor Thüsing, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit an der Universität Bonn, Arne Franke, Abteilungsleiter EU, Internationales, Wirtschaft bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sowie Dr. Ralf Hausweiler, Vizepräsident der BZÄK. „Der Fachkräftemangel ist in ganz Europa spürbar“, stellte BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler in ihrer Begrüßungsrede fest. Auch in den Zahnarztpraxen würden dringend qualifizierte Fachkräfte benötigt. Es sei daher richtig und notwendig, Bürokratie abzubauen, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten zu verbessern. Wo jedoch wesentliche Unterschiede in Qualifikation und Ausbildung bestehen, müssten verlässliche Prüfverfahren auch weiterhin möglich bleiben. Langwierige Prozesse schrecken ab „Qualitätssicherung ist kein bürokratisches Hindernis, sondern letztendlich gelebter Patientenschutz“, stellte Ermler klar. Die BZÄK sei überzeugt, dass Deutschland qualifizierte Fachkräfte auch aus dem Ausland benötigt. „Gleichzeitig gilt aber: Schneller darf nicht schlechter bedeuten. Wir sollten Verfahren beschleunigen, Bürokratie abbauen und Integration verbessern, ohne bei der fachlichen Qualifikation und der Patientensicherheit Kompromisse eingehen zu müssen. Denn das Vertrauen der Patientinnen und Patienten ist die wichtigste Grundlage unseres Gesundheitssystems“, betonte die BZÄK-Präsidentin und umriss damit auch gleich das Spannungsfeld, um das die anschließende Podiumsdiskussion kreiste. Trotz des verbreiteten Fachkräftemangels in fast allen Branchen gehe die Berufsmobilität derzeit zurück, beklagte Arne Franke vom BDA. Ursache dafür seien nicht die Prüfung der Berufsqualifikation, sondern fehlende Informationen sowie komplizierte und langwierige Prozesse. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Arbeitgeber die Geduld Diskutierten über das Spannungsfeld zwischen schnellerer Anerkennung und Qualitätssicherung (v.l.n.r.): Prof. Dr. Gregor Thüsing (Universität Bonn), Arne Franke (BDA), Dr. Ralf Hausweiler (BZÄK-Vizepräsident) und Robert-Martin Montag (FDP). Die Moderation übernahm Politikwissenschaftler Niels Reith. Foto: Tobias Koch
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