zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1171) POLITIK | 25 verlören und Arbeitnehmer sich für andere Länder entschieden. „Die EU muss digitale, vorhersehbare Prozesse schaffen, damit die Anerkennung ohne Qualitätseinbußen schneller abläuft“, forderte Franke. Es gibt 27 verschiedene Anerkennungsverfahren „Patientensicherheit und Behandlungsqualität sind nicht verhandelbar“, stellte auch der FDP-Gesundheitsexperte Robert-Martin Montag klar. Mit der Reform der Berufsanerkennungsrichtlinie müsse Europa den Rahmen setzen. Aktuell gebe es 27 unterschiedliche Anerkennungsverfahren und damit „ungleich lange Spieße“. Die Verfahren müssten standardisiert werden. „Ich bin optimistisch, dass eine gute Lösung gelingt“, sagte der FDP-Politiker. Zahnärztinnen und Zahnärzte aus dem Ausland, die in Deutschland praktizieren, kämpften vor allem mit der deutschen Sprache und mit Bürokratie, schilderte BZÄK-Vizepräsident Hausweiler eigene Erfahrungen als niedergelassener Zahnarzt. Entscheidend sei, dass sich die Patientinnen und Patienten auch künftig darauf verlassen können, dass sie gut versorgt werden. Daher komme der Kenntnisprüfung eine große Bedeutung zu. Sie sei die einzige Möglichkeit, um sicherzustellen, dass Zahnärzte aus Drittstaaten über die nötigen Kenntnisse und fachliche Qualifikation verfügten. Daher habe sich die BZÄK dafür eingesetzt, dass die Kenntnisprüfung mit dem neuen nationalen Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen zum Regelfall wird. Das Gesetz tritt im November inKraft. „Wir sind sehr gut aufgestellt“, zeigte sich Hausweiler ebenfalls „grundsätzlich optimistisch“. Trotz bisher sehr langwieriger Verfahren stammten mittlerweile immerhin etwa 25 Prozent der Zahnärztinnen und Zahnärzte aus dem Ausland. Allein in Nordrhein habe es im vergangenen Jahr rund 800 Fachsprachenprüfungen gegeben. Die Politik müsse die Profession mit einbeziehen, forderte Hausweiler. Aus Sicht von Prof. Gregor Thüsing von der Uni Bonn sollte Europa mit der neuen Richtlinie den Rahmen setzen. Deutschland sieht der Experte für Arbeitsrecht als „Qualitätsgarant“. Durch Mindeststandards, Mobilitätsrechte und Druck zur Umsetzung könne Europa helfen, nationale Verfahren vergleichbarer und transparenter zu machen. In Deutschland müsse der Datenaustausch zwischen den Bundesländern einfacher werden. Es gelte, Sprachkenntnisse sorgfältig zu prüfen. Die Kenntnisprüfung lasse sich künftig beschleunigen, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen. Thüsing forderte, die Ausbildungsrichtlinien in den EUMitgliedstaaten zu vereinheitlichen. „Dann sind die Kenntnisse vergleichbarer, was sie bisher nicht sind“, machte der Jurist deutlich. Welche Rolle spielt KI in dem Prozess? Franke vom BDA schlug vor, Prozesse durch Digitalisierung zu beschleunigen. Auch KI könne dabei helfen, beispielsweise Nachweise zu überprüfen. BZÄK-Vizepräsident Hausweiler bezeichnete den Einsatz von KI ebenfalls als „Chance, aber nicht allein selig machend“. Künstliche Intelligenz könne in Behörden und bei Recherchen eingesetzt werden. Allerdings stelle sich auch die Frage, wie die KI gesteuert werde, gab er zu bedenken. Wichtig sei, nicht nur Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, sondern auch im Inland dafür zu sorgen, dass es genug Fachkräfte gibt, betonte BZÄKVizepräsidentin Dr. Doris Seiz in ihrem Schlusswort. Sie warb dafür, bei der Auswahl der Studierenden nachzujustieren. Bisher werde fast überall nach Numerus Clausus ausgebildet und dabei würden lediglich junge Menschen mit sehr gutem Abitur zugelassen. Dabei hätten Umfragen gezeigt, dass je nach Semester zwischen 25 und 44 Prozent der Studierenden gar nicht in die Patientenversorgung wollen. Seiz plädierte dafür, auch jungen Menschen eine Chance zu geben, die ein geringfügig schlechteres Abitur gemacht hätten, aber dafür beispielsweise ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr vorweisen könnten. „Wir brauchen bei uns in Deutschland Kolleginnen und Kollegen, die hinterher wirklich dafür brennen, Patienten zu behandeln“, betonte die BZÄK-Vizepräsidentin. Dringend nötig sei auch der Bürokratieabbau. Bislang bringe die Politik der Selbstverwaltung nicht das nötige Vertrauen entgegen. Wenn endlich Bürokratie reduziert würde, wären mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte interessiert, Patienten zu versorgen und sich niederzulassen. Darüber hinaus forderte Seiz, die Krankheitslast zu senken und die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu erhöhen. Außerdem sei Prävention das A und O. All dies könne dazu beitragen, genügend Fachkräfte im Inland zu halten und aus dem Ausland zu gewinnen, um die Patientinnen und Patienten ausreichend zu versorgen, erläuterte die BZÄK-Vizepräsidentin. ao „Qualitätssicherung ist kein bürokratisches Hindernis, sondern letztendlich gelebter Patientenschutz“, betonte BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler. Foto: Tobias Koch
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