Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 15-16

TITEL | 29 einige Patienten kritisch bis skeptisch, wenn die Zahnärztin zum Beispiel Behandlungen wie Füllungstherapien, die früher mit Amalgam als Kassenleistungen für den Patienten quasi kostenfrei waren, aufgrund des erhöhten Aufwands bei Verwendung von Komposit mit Zuzahlungen anbietet. So wurde sie bereits wiederholt mit der sarkastischen Frage konfrontiert, was sie denn diesmal „verkaufen” wolle. An diesem Vormittag stellt sich Patient Peter W. vor, der wegen anhaltender Beschwerden an einem oberen Backenzahn eine schlaflose Nacht verbracht hat. W. ist beihilfeberechtigter Privatpatient und im Vorstand des örtlichen Tennisclubs engagiert. Er zeigt sich über die örtlichen Gegebenheiten immer bestens informiert und prägt in seiner Gemeinde das Meinungsbild. Dr. T. hatte schon öfter Diskussionen mit ihm, wenn ihm die Versicherung oder Beihilfe nicht den vollen Rechnungsbetrag erstattet hatte. Er warf hierbei sogar einmal den Begriff „Abzocke“ in den Raum. Um eine neidvolle und kompromittierende Nachrede im Ort zu vermeiden, ließ sich die Zahnärztin letztlich wiederholt auf finanzielle Zugeständnisse ein. Dr. T. inspiziert die Mundhöhle und diagnostiziert eine Zahnfraktur und tiefe Karies an einem Molaren im rechten Oberkiefer (Zahn 16). Der Zahn ist stark palpationsempfindlich, aber noch vital, so dass Dr. T. zur weiteren Abklärung ein Röntgenbild veranlasst. Darauf ist zu erkennen, dass die distovestibuläre Wurzel stark sigmoidal gekrümmt ist und die palatinale Wurzel im apikalen Drittel um fast 45 Grad nach distal abknickt. Jedoch ist keine apikale Ostitis vorhanden. Als Therapieoptionen sieht T. eine – komplizierte – Extraktion mit nachfolgender Implantat- beziehungsweise Brückenversorgung oder eine aufwendige, endodontisch-konservierende Behandlung des Zahns. Sie schätzt die Chancen auf Zahnerhalt bei einer erfolgreichen Wurzelbehandlung als durchaus gut ein. Allerdings birgt die komplexe Wurzelmorphologie Risiken; zudem wären der zeitliche und der fachliche Aufwand für eine solche endodontische Maßnahme erheblich. Auch wären Behandlungsmaßnahmen mit Analogberechnung erforderlich, wie Ultraschall-Aktivierung des Spülmediums, adjuvante Methoden oder die Verwendung von MTA als (Perforations-)Verschlussmaterial. Aufgrund der Vorerfahrungen mit Patient W. ist Dr. T. unsicher: Sollte sie dem Patienten die besagte aufwendige endodontisch-konservierende Behandlung unter Zugrundelegung einer Honorarvereinbarung über den zumindest 4,5-fachen Satz samt Analogleistungen anbieten – auch wenn das Risiko besteht, dass es wieder zu Erstattungsproblemen kommt und neuer Ärger mit dem Patienten droht? Oder sollte sie – um diesem Ärger und einer möglichen üblen Nachrede auszuweichen – einen niedrigeren Satz veranschlagen? Oder wäre es bei dieser schwierigen Ausgangslage eine Option, anstelle dieses konservierenden Therapieversuchs a priori eine Extraktion zu empfehlen, um so dem erwarteten Konflikt aus dem Weg zu gehen? Lesen Sie die Kommentare der Experten. n zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1175) Dr. med. dent. Dirk Leisenberg Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Ethik der DGZMK Foto: privat Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Dr. phil. Dominik Groß Vorsitzender des Arbeitskreises Ethik, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (RWTH Aachen University) Foto: Siegfried Malinowski „Beste Qualität für hochwertige Restaurationen“ Mit demFinishing & Preparation Set unddemPolishing Set hat Prof. Dr. Bora Korkut speziell für Restaurationen professionell selektierte und anwendungsorientierte BUSCHInstrumente zusammengestellt. Prof. Dr. BoraKorkut busch-dentalshop.de Weitere Info‘s

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